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08.10.2002 - Ausstellung
Gefangen in den Umrissen: Die Malerei gewinnt
Akte von Hubert Schmalix werden im Atelier Augarten mit digitalen Tapeten von Julian Opie ergänzt - Erotik gegen platte Erinnerungen.
VON ALMUTH SPIEGLER


Ziemlich flach ist alles - dafür unglaublich groß: Im Atelier Augarten hängen die neuen, fast vier Meter hohen Malereien des Ex-Jungen-Wilden Hubert Schmalix - heuer wurde er 50 Jahre alt - gemeinsam mit Tapeten des Briten Julian Opie. Eine Kombination, die in ihrer Harmonie schon fast beunruhigend besticht und doch die Qualitäten klar macht.

Man muß nur den Kopf heben. Dann starrt man in leere schwarze Knopfaugen, die nichts sehen und auch nichts preisgeben. Das Gesicht ist mit einem Blick erfaßt - zwei Striche für den Mund, eine ovale Linie markiert den Kopf. Eine Zeichensprache, die von Comics gelehrt wird. Neben den simplen Riesen-Porträts dann das Meer. Und eine chemisch grüne Landschaft. Beides in Panorama-Format.

Vertraute Exotik

Julian Opie hat sich an seinen Urlaub in Bali erinnert und ihn digital bearbeitet auf zarte Papierbögen gedruckt. Diese kleiden jetzt dekorativ die Wände des Augarten Ateliers aus - man durchwandert sie wie ein Bilderbuch. Doch so ganz verlassen wollte sich Opie auf die platte Optik seiner Tapeten-Erinnerungen wohl nicht: Meeresrauschen und Vogelgezwitscher ergänzen das Urlaubs-Feeling zur Installation. Sehr nett zur Entspannung, eine tiefere Botschaft jedoch will nicht ankommen.

Auf Exotik setzt auch Hubert Schmalix. Schon seit Jahrzehnten. Auch in seinen neuesten Bildern enttäuscht er dieses Vertrauen nicht. Räumlich eingekesselt von Opies Tapeten besetzen seine großformatigen Gemälde den mittleren Atelier-Raum. Ästhetische Akte, inszeniert in phantastischen Landschaften: Ein Sonnenuntergang scheint eine gesamte Leinwand überflutet zu haben, pralle Trauben und Ruinen definieren eine arkadische Kulisse. Fest preßt das Mädchen ein Tuch zwischen ihre Brüste - ein alter Trick: sie enthüllt mehr als sie verbergen könnte.

Erotische Phantasien will Schmalix locken - und läßt den Verführten doch unbefriedigt stehen. Denn auch hier ist nichts Fleisch, nichts sinnlich - sondern nur Umriß und Fläche. Doch gemalt ist auch das Reduzierte ein Erlebnis - am Computer generiert wirkt es nur schal.

Enttäuschend sind dagegen Schmalix seltsam unaufgeregte Landschaftsausschnitte - der Braunton, der sich durch seine neuen Bilder zieht, schnürt hier das Leben ab. Holzstöße, Sträucher, Wald - ohne neckische Dame wirken sie wie die Staffage zu einem Märchen, das nie geschrieben wurde.

Eigentlich wollte die Österreichische Galerie zu dieser Zeit in ihrem Atelier Augarten eine Martin Kippenberger-Retrospektive zeigen - sie ist organisatorischen Problemen zum Opfer gefallen - bis auf weiteres. Doch mit der Gegenüberstellung von Schmalix und Opie ist ihr ein stimmiges Lehrstück dafür gelungen, daß gute Malerei gewinnt. Immer.

Bis 9. Februar 2003. Di. bis So. von 10 bis 18 Uhr.

www.atelier-augarten.at



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