Ziemlich flach ist alles - dafür unglaublich groß: Im
Atelier Augarten hängen die neuen, fast vier Meter hohen Malereien des
Ex-Jungen-Wilden Hubert Schmalix - heuer wurde er 50 Jahre alt - gemeinsam
mit Tapeten des Briten Julian Opie. Eine Kombination, die in ihrer
Harmonie schon fast beunruhigend besticht und doch die Qualitäten klar
macht.
Man muß nur den Kopf heben. Dann starrt man in leere
schwarze Knopfaugen, die nichts sehen und auch nichts preisgeben. Das
Gesicht ist mit einem Blick erfaßt - zwei Striche für den Mund, eine ovale
Linie markiert den Kopf. Eine Zeichensprache, die von Comics gelehrt wird.
Neben den simplen Riesen-Porträts dann das Meer. Und eine chemisch grüne
Landschaft. Beides in Panorama-Format.
Vertraute Exotik
Julian Opie hat sich an seinen Urlaub in Bali erinnert
und ihn digital bearbeitet auf zarte Papierbögen gedruckt. Diese kleiden
jetzt dekorativ die Wände des Augarten Ateliers aus - man durchwandert sie
wie ein Bilderbuch. Doch so ganz verlassen wollte sich Opie auf die platte
Optik seiner Tapeten-Erinnerungen wohl nicht: Meeresrauschen und
Vogelgezwitscher ergänzen das Urlaubs-Feeling zur Installation. Sehr nett
zur Entspannung, eine tiefere Botschaft jedoch will nicht ankommen.
Auf Exotik setzt auch Hubert Schmalix. Schon seit
Jahrzehnten. Auch in seinen neuesten Bildern enttäuscht er dieses
Vertrauen nicht. Räumlich eingekesselt von Opies Tapeten besetzen seine
großformatigen Gemälde den mittleren Atelier-Raum. Ästhetische Akte,
inszeniert in phantastischen Landschaften: Ein Sonnenuntergang scheint
eine gesamte Leinwand überflutet zu haben, pralle Trauben und Ruinen
definieren eine arkadische Kulisse. Fest preßt das Mädchen ein Tuch
zwischen ihre Brüste - ein alter Trick: sie enthüllt mehr als sie
verbergen könnte.
Erotische Phantasien will Schmalix locken - und läßt den
Verführten doch unbefriedigt stehen. Denn auch hier ist nichts Fleisch,
nichts sinnlich - sondern nur Umriß und Fläche. Doch gemalt ist
auch das Reduzierte ein Erlebnis - am Computer generiert wirkt es nur
schal.
Enttäuschend sind dagegen Schmalix seltsam unaufgeregte
Landschaftsausschnitte - der Braunton, der sich durch seine neuen Bilder
zieht, schnürt hier das Leben ab. Holzstöße, Sträucher, Wald - ohne
neckische Dame wirken sie wie die Staffage zu einem Märchen, das nie
geschrieben wurde.
Eigentlich wollte die Österreichische Galerie zu dieser
Zeit in ihrem Atelier Augarten eine Martin Kippenberger-Retrospektive
zeigen - sie ist organisatorischen Problemen zum Opfer gefallen - bis auf
weiteres. Doch mit der Gegenüberstellung von Schmalix und Opie ist ihr ein
stimmiges Lehrstück dafür gelungen, daß gute Malerei gewinnt. Immer.
Bis 9. Februar 2003. Di. bis So. von 10 bis 18 Uhr.
www.atelier-augarten.at
© Die Presse | Wien