21.02.2003 12:31
Details zum Karlsplatz
Mailath-Pokorny träumt von "riesigem unterirdischem Kulturkomplex"
Rust - Die Wiener Stadtregierung hat sich vorgenommen,
den vom Verkehr umtosten Karlsplatz aufzuwerten. Geplant ist dabei allerdings
nicht der große städtebauliche Wurf, wie Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny
(S) am Rande der Klubtagung der Wiener Rathaus-SPÖ im burgenländischen
Weinbauort Rust vor Journalisten erklärte. An dem "Ort der gescheiterten
radikalen Eingriffe" gehe es vor allem um die stärkere Vernetzung der
vorhandenen Kulturinstitutionen.
Mailath-Pokorny will dabei jenes Projekt
der Architekten Christian Jabornegg und Andras Palffy, das 1999 aus einem
Ideenwettbewerb für den "Kunstplatz Karlsplatz" als Sieger hervorgegangen ist,
zumindest ansatzweise umsetzen. Vor allem die Nutzung der aus dem U-Bahn-Umbau
entstandenen Hohlräume für Ausstellungen soll dabei realisiert werden - und zwar
in Verknüpfung mit der bereits vorhandenen Karlsplatz-Passage, deren Sanierung
ohnehin ansteht. Dabei könnte ein "riesiger unterirdischer Kulturkomplex"
entstehen, schwärmte der Stadtrat.
Kooperation
Fix ist auch
eine enge Kooperation zwischen dem Historischen Museum der Stadt Wien und dem
von Finanznöten geplagten Künstlerhaus. In Zukunft könnte das Obergeschoß des
Künstlerhauses vom Historischen Museum bespielt werden. Im Erdgeschoß soll Platz
für die Arbeiten der Künstlerhaus-Künstler sein, und im neuen Untergeschoß wäre
Raum für thematische Ausstellungen, wobei sich Mailath-Pokorny eine
Spezialisierung auf den Bereich Medien und Mediendesign vorstellen
kann.
Auch die anderen Kulturinstitutionen am Platz und in der näheren
Umgebung - Secession, "Project Space" der Kunsthalle, Musikverein, Theater an
der Wien oder die Generali Foundation - sollen in Zukunft gemeinsam auftreten
und ihre Aktivitäten miteinander abstimmen. Geplant ist zudem, ein Leitsystem
für den Platz zu entwickeln.
Vom Verkehrs- zum
Kulturraum
Daneben soll auch in die Verkehrsströme auf dem Platz
eingegriffen werden, allerdings nur in geringem Ausmaß. Es gehe etwa um eine
Verlegung Straßenbahngleise vom Künstlerhaus zur Platzmitte hin oder auch um
fußgängerfreundlichere Ampelintervalle: "Heute brauchen Sie ja eine gute
Lebensversicherung, um von einem Ort zum anderen zu gelangen." Angedacht sei
auch, die einmündende Wiedner Hauptstraße, die sich am Karlsplatz zur
vielspurigen Straße verbreitert, um einige Fahrstreifen rückzubauen.
"Mir
geht es darum, den Platz als solchen als Kulturraum zu verstehen", sagte der
Kulturstadtrat. "Wien ist nicht unbedingt eine Stadt der Plätze. Der Karlsplatz
ist dabei einer der wichtigsten und meistfrequentierten. Und er ist offen - im
Gegensatz zum Museumsquartier als geschlossener
Raum."
Geld
Offen ist in vielen Bereichen allerdings auch
noch die Finanzierung. Zumindest das Leitsystem und kleinere Verkehrsmaßnahmen
würden aber "kein Eckhaus kosten", meinte Mailath-Pokorny. Mit der Realisierung
soll noch heuer begonnen werden. (APA)