Während die Malerei bereits für obsolet erklärt wurde, erlebt sie
zur Zeit eine Renaissance - nicht zuletzt, was ihren Marktwert
betrifft.
In diesem (bzw. im letzten, wie man will)
Jahrhundert schon oft geschmäht, für reaktionär oder gar tot erklärt,
liegt die Malerei international offenbar wieder voll im Trend. Sätze wie
das berühmte Zitat von Joseph Beuys, wonach der Fehler schon anfangen
würde, "wenn jemand sich anschickt, Keilrahmen und Leinwand zu kaufen",
oder von Peter Weibel, dass, wer malt, ein Reaktionär sei, scheinen selbst
überkommen zu sein.
In den 90er Jahren wurde technoide Fortschrittsgläubigkeit vielfach als
solche entlarvt und wiederholt auf deren Risiken hingewiesen. Im Film und
anderen Medien ist die mattschwarze Ästhetik des finanziellen Aufstiegs
der 80er Jahre zumeist tristen Alltagsszenarien gewichen.
Die Rückkehr zum Tafelbild
"Das Medium ist nicht die Botschaft, sondern die Form, in der die
Botschaft überreicht wird" (Arthur C. Danto, "Die Verkärung des
Gewöhnlichen") Die Chance der Maler liegt einerseits darin, der Ästhetik
der "Neuen Medien" (in der Sprache der Modeschöpfer) eine Art "Retro-Look"
entgegenzusetzen. Andererseits wurden sich viele Künstler einmal mehr der
Darstellungs- und Ausdrucksmöglichkeiten der Malerei bewusst, indem sie
auf den Alltag der Massenmedien reagieren und diesen zugleich
abbilden.
"Alltägliche" Inspiration
(zum Vergrößern
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Zahlreiche Maler arbeiten
nach fotografischen Vorlagen oder beziehen Fotos in ihre Arbeit ein, die
im fertigen Bild mehr oder weniger sichtbar bleiben. Die seit den 30er
Jahren ursprünglich von Werbeillustratoren verwendete Projektion eines
Dias auf die Leinwand findet für verschiedenste Zwecke Verwendung. Diente
die Projektion damals noch dazu, möglichst "akademischen" Realismus zu
erzeugen, ist sie heute vielfach nur eine Skizze, die dann verändert wird.
Häufig findet man linear, flächig, gerastert oder unscharf aufgelöste,
verfremdete Sujets, die Massenmedien entstammen.
Bewusstseinserweiterung
Eine andere Möglichkeit bietet die Einbeziehung von alltäglichen
Materialien. Etwa Baustoffe, Autolacke, oder Plastikfolien schaffen durch
ihren jeweiligen Einsatz als Bildträger oder Farbe für jede/n täglich
erlebbare Ästhetik, zum Beispiel Spiegelungen auf glatten Oberflächen. Die
Leistung liegt dabei nicht in der Darstellung malerischer Sujets, sondern
in der Untersuchung und Bewusstmachung des Alltags und seiner Objekte.
Adrian Schiess, Flache Arbeiten, 1992,
Autolack / Verbundplatte
Moden und Trends
Auch der Kunstmarkt und das Spektrum fast aller Kunstzeitschriften
wird, auch wenn niemand das gerne zugibt, von modischen Strömungen und
Trends beherrscht. Waren bis vor etwa zwei Jahren Objekte und
Installationen deutlich vorherrschend, gewann im Zuge von Markteinbrüchen
und geändertem Kaufverhalten die Malerei wieder deutlich an Bedeutung und
steht momentan gleichberechtigt neben Objekt und
Fotografie.