| Asiatische Künstler sorgen für Biennale-"Flash" | |
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Die meisten der elf Hauptausstellungen enttäuschen, Schlingensiefs
PR-Genie besticht, England zeigt Kunst aus Elefantendung. |
Die 50. Kunstbiennale in Venedig hat -
zumindest am ersten Pressetag - ein Thema, das alles überschattet: die
Hitze. Statt "Träume und Konflikte", wie Biennale-Direktor Francesco
Bonami eigentlich vorgesehen hat, diskutieren die Besuchermassen
hauptsächlich die tropischen Temperaturen. Da ist es nur logisch, dass der
Ausstellungsmarathon, der in den Giardini mit den Nationen-Pavillons
beginnt, in der "Station Utopie" endet - im Schatten, in entspannter
Atmosphäre, die mehr an die Kommunen und sozialen Gegenbewegungen der 70er
Jahre erinnert als an modernen Ausstellungsbetrieb.
Pole Position für Schlingensief Am Ende wie am Anfang wartet Christoph Schlingensief, der sich in
Venedig die Pole-Position gesichert hat: Biennale-Chef Francesco Bonami
hatte zur Überraschung des Deutschen das fotogene Pfahl-Wettsitzen im
Namen seines "Church of Fear"-Projekts gleich beim Giardini-Eingang
aufbauen lassen. Seine Kapelle samt Kolonie verbindet Alternativ-Touch mit
Pilgerväter-Image.
Dass der deutsche Provokateur bei seinem Sturmlauf durch die
Hochkultur, der ihn schon bald nach Bayreuth führen wird, es geschafft
hat, in Venedig so präsent zu sein, liegt auch an seinem PR-Genie. Dass
weniger über Künstler, als über die Temperaturen gesprochen wird, liegt
auch an der gezeigten Kunst. Eröffnung und Preisverleihung am Samstag Am Samstag findet nicht nur die Eröffnung der 50. Kunstbiennale Venedig
statt, sondern - zwei Stunden später (17.00 Uhr) im Dogenpalast - auch
bereits die Preisverleihung. Stehen mit Carol Rama und Michelangelo Pistoletto die Gewinner der
Lebenswerk-Löwen bereits fest, küren zwei Jurys den besten
Nationen-Pavillon, den besten an der internationalen Ausstellung
teilnehmenden Künstler unter 35 und das beste Kunstwerk der
internationalen Schau. Verwirrung um Teil-Ausstellungen
In insgesamt elf Teil-Ausstellungen hat Bonami seine Jubiläums-Schau
gegliedert - und damit gehörig zur Verwirrung beigetragen. Die einzelnen
Sektionen sind kaum voneinander unterscheidbar, häufig verwirrt sich das
Geschehen zu einem multinationalen und pluriartistischen Einheitsmix, in
dem zwar die dunklen heißen Boxen der Videokünstler angenehmerweise
weniger zu sein scheinen als früher, neue Entdeckungen aber nur selten
auszumachen sind.
Enttäuschend vor allem die Beiträge von Bonami selbst: Die von ihm
kuratierte Schau "Clandestini"
"Notstandsgebiet" überzeugt Wirklich zu punkten versteht nur Kurator Hou Hanru, der in seiner "Zona
D'Urgenza" Australierin schockiert mit Silikon Zu irritieren versteht auch die Australiererin Patricia Piccini. Steht
der Jury der Sinn nach einer Kunst, die an brennenden Zeitthemen rührt,
muss die 1965 in Sierra Leone geborene und heute in Melbourne lebende
Künstlerin als Favoritin gelten. Formal ist das, was sie unter dem Titel
"We are family" zeigt, den Gattungen Skulptur und Video zugehörig, doch
was sie mit Acryl, Silikon, menschlichem Haar und Leder formt, ist ein
(Vor-)Griff auf die Albträume der Gentechnik. Erschreckend echt wirkende Mischwesen aus Mensch und Tier, Zellhaufen
und Fleischklumpen wirken, als wären einem Biotechnologen ein paar
Eprouvetten durcheinander geraten und sorgen für Schockerlebnisse. Kunst aus Elefantendung Im britischen Pavillon formt Chris Ofili die Natur nicht um, sondern
bedient sich ihrer: Der Turner-Preisträger von 1998 hat auch in seinen
jüngsten großformatigen Bildern unter anderem mit Elefantendung gearbeitet
- was der durch eine Orgie in Grün, Rot und Schwarz ohnedies schon sehr
eindrucksvollen Präsentation noch eine zusätzliche bleibende Duftnote
verleiht. Die USA setzen mit Fred Wilson auf politisch-korrekte Aufarbeitung von
Rassendiskriminierung, die - etwa durch einen im Eingangsbereich
aufgehängten schwarzen Luster aus geblasenem Glas oder die Einbeziehung
von Negerküssen und ähnlichem Back- und Schleckwerk - gekonnt die Balance
zwischen bissig und witzig hält. Deutscher zeigt Lüftungsschacht Die Schweizer setzen mit der jungen Videokünstlerin Emmanuelle Antille
auf eine spannende Mischung aus Live-Musik und Video, im Deutschen
Pavillon erhoffen sich die Besucher scharenweise von einem
U-Bahn-Lüftungsschacht des verstorbenen Martin Kippenberger Abkühlung, im
polnischen Pavillon bekommen sie bildlich vorgeführt, was das bedeutet:
"Alea jacta est": Stanislaw Drozdz hat 46.656 mögliche
Würfel-Kombinationen an die Wände drapiert. Wer will, kann sein Glück
versuchen - die Chancen, die selbst gewürfelte Kombination wiederzufinden,
stehen denkbar schlecht.
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