Eine Selektion von Arbeiten aus vier
Kunstbiennalen des vergangenen Jahres ist bis 9. April im
Linzer O.K Centrum für Gegenwartskunst zu sehen. Unter dem
Titel "cuvée" gewähren sie Einblick in das aktuelle
Kunstschaffen abseits des klassischen Mainstreams. Die OÖN
stellen Ihnen heute erneut ein Werk der Medienkunst vor:
Deimantas Narkevicius' "Once in the 20th Century".
Der
Litauer Künstler hat den Zusammenbruch des kommunistischen
Systems und in der Folge die Unabhängigkeit seiner Heimat zum
Anlass genommen, um ein paar kritische Fragen aufzuwerfen.
Wird die Entlassung in die kapitalistische Freiheit auch heute
noch positiv gesehen, und wie glaubwürdig sind mediale
Dokumentationen?
Narkevicius (*1964) hat sich im
nationalen TV-Archiv von Vilnius (mit Linz 2009 Europäische
Kulturhauptstadt) einen Film über den Abriss einer dereinst
als devotes Statussymbol geltenden Lenin-Statue besorgt.
Darauf wurde der Befreiungsakt von einer jubelnden Menge
verfolgt. Ein Kran hob das Sowjetsymbol vom Sockel. Lenin
wurde wohl in einen Steinbruch deportiert. Ein Fest für die
nunmehr freien litauischen Bürger. So hat der Künstler den
Film aber nicht stehen lassen. Er ließ ihn von hinten nach
vorne abspielen und machte eine neue
Kopie.
Schlitzohrig
Die
Besucher des O.K sehen nun eine Filmreportage über die
Errichtung eines Lenin-Monuments vor einer nach wie vor
jubelnden Zuschauermenge.
Deimantas Narkevicius setzt
also mit Originalmaterial schlitzohrig der Glaubwürdigkeit von
noch so suggestiven Bildern stark zu. Damit stellt er aber
auch die Verheißungen des Kapitalismus und einer propagierten
Prosperität des wirtschaftlichen und sozialen Umfelds stark in
Frage.
Die Arbeit wurde 2005 bei der Biennale in Prag
vorgestellt.
Info: Bis 9. 4.; Di.-Do., 16-22, Fr.,
16-24, Sa./So., 10-18 Uhr; Führung: Di.-Fr., 19, Sa./So., 15
Uhr. http://www.ok-centrum.at/
vom 11.03.2006 |