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Ausstellungen |
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| 69 | Linz: Neueröffnung Georg Schöllhammer | ||
Ende April eröffnete in Linz das »O.K – Centrum für Gegenwartskunst« sein neues Haus. Ein Bau und ein Ereignis, die die Definitionsschwierigkeiten einer als Produktionsort für Gegenwartskunst ausgewiesenen öffentlichen Institution in den späten Neunzigern na-hezu modellhaft darstellen. Unter welchem Rechtfertigungsdruck seitens der regionalen KulturpolitikerInnen das Haus steht, zeigte schon die Eröffnungswoche: Mit Blasmusik, Plakatkunst von lokalen Society-Granden wie Konditormeistern und Schispringern, Abtanzen mit DJ Spooky, Architekturführungen, große Diskussionsrunden mit disparater Besetzung und Multimediaperformances von Lehrern der nahegelegenen Kunsthochschule versuchte man sich verschiedenen und ebenso disparaten lokalen Szenen gegenüber als offen darzustellen. Oder vielmehr: das neue O.K wurde gezwungen, sich auch populistisch zu präsentieren. Der Erwartungsdruck ist von allen Seiten hoch. Dabei scheint das O.K als finanziell gut ausgestatteter Produktionsort – selbst vergleicht es sich mit dem PS.1 in Brooklyn – durchaus die Möglichkeit zu haben, eine jener Schnittstellen unter KulturproduzentInnen neu aufbauen zu können, die zumindest innerhalb der österreichischen Szene von den förderungspolitischen Kosten-Nutzen-RechnerInnen immer rabiater wegrationalisiert werden. Deren Stichwort könnte etwa lauten: Infrastrukturförderung ist böse, Einzelkünstlerförderung gut – divide et impera. Scheinbar mutet man dem O.K schon zu Beginn zu, offene Produktion und öffentliche Vermittlung, also Medienerfolg und Besucherzahlen, gegeneinander abzuwägen. Neben dem in jeweils beliebigen Net-Orbits kreisenden Ars Electronica-Center, der – was ihre Selbstdefiniton betrifft – oft unschlüssigen Kunsthochschule, einem ambitionierten Regionalmuseum, einer siechen städtischen Galerie und diversen aus der oder gegen die autonome »Stadtwerkstadt« entstandenen Off-Szenen mit Hang zu ästhetischen Formalismen und politischen Anarchismen, stünde hier zumindest räumlich ein Ort zur Verfügung, der für die notwendigen Transfers zwischen lokalen und internationalen ProduzentInnen ideale Voraussetzungen bietet: Schon die professionellen Videoschnittplätze und die übrige Infrastruktur samt Gästewohnungen ließen das zu. Eine mit ihrem Titel »Archive« auf sehr aktuelle Diskussionen um die Aufarbeitung und Neubewertung von künstlerischen Arbeitsweisen und Arbeitsfeldern jenseits des institutionalisierten Betriebes anspielende Ausstellung bespielte zur Eröffnung das ganze Haus mit Installationen verschiedenen Formats. Aber auch sie spiegelte die oben genannten Schwierigkeiten wider: der Mix aus internationalen Kunsthallenstars, institutionskritischen Positionen der Achtziger und lokaler Aufarbeitung war programmatisch gedacht, schielte aber auch ein wenig nach dem Versenden und Wandern in andere Orte mit gleicher Problematik irgendwo in Europa. Es fehlte ihm, mit anderen Worten, nicht an Qualität, aber an Spezifik. Das Haus selbst ist ein Schulbau aus der Zwischenkriegszeit, behäbig und fast unbeholfen elegant. Es ist ein Gebäude, dessen Entwurf räumlich und in seiner soliden Detailkultur die Konflikte einer auf regionale Bautraditionen applizierten Moderne sozusagen formal enthält und im Sinn der letzteren zu bewältigen sucht. Der Architekt des Umbaus, Peter Riepl, spielte diese Figur mit einigen einfachen Eingriffen gleichsam gegen sich selber aus: Er verlegte die Erschließung von der Seite in die Mitte des langgezogenen Baukörpers und nutzte einen Restraum zum Nachbargrundstück, um darin Treppen, Services und einen zusätzlichen dreigeschoßigen Ausstellungsraum einzumontieren. Im Dachgeschoß schließlich markierte er mit einem auch im Stadtraum zeichenhaft sichtbaren »modernistischen« Stahl-Glas-Kubus, der etwa als Veranstaltungssaal genutzt werden kann, sowohl den Umbau als auch die Umnutzung. Durch die Weg- und Blickführung im Inneren sowie die bewußt gestellhaft eingesetzten, aus verzinkten Industrieprofilen gefertigten Einbauten und die einfachen Details hierarchisiert sich das Haus nicht in einen Repräsentationsteil und dienende Produktionsräume, sondern bleiben BesucherInnen und BenutzerInnen ständig »in Kontakt« miteinander. Umhüllt ist die alte Fassade, die jetzt Außenraum und innere Erschließung begrenzt, von mattgrau glänzendem Graphit: Sabine Bitters und Helmut Webers eigenwillige Interpretation von Kunst und Bau sagt: »Achtung, alles, was Fassade ist, färbt ab, wenn man sich an sie anlehnt.« | |||
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