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19.09.2003 - Kultur&Medien / Ausstellung
Belvedere: Griff nach den Sternen
Mit einer Fülle von Veranstaltungen startet die Österreichische Galerie in ihrem Jubiläumsjahr in den Herbst. Parallel zur grossen Panamarenko-Schau im Augarten-Atelier betreibt das Haus im Unteren Belvedere Aufklärungsarbeit in Sachen gefährdete mittelalterliche Kunst.

Seinen Namen hat er 1962 von den Pan American Airlines entlehnt und poetisch verändert, um sich künstlerisch als Company zu verkaufen: Panamarenko. Das ist aber auch schon alles, was er für sich an Amerikanischem reklamieren würde. Sogar die übliche Einordnung seines Frühwerks in die Schublade der Pop-Art ist dem eingesessenen Belgier zu unscharf, der die Beschäftigung mit dem Traum vom Fliegen zu seiner künstlerischen Trademark machte.

1940 in der Nähe von Antwerpen geboren, begann sich der Enkel eines Architekten und Sohn eines Elektroingenieurs schon früh für Technik und Konstruktionen zu interessieren. Oft erzählt er, wie lustig er es als Kind fand, V1-Bomben abstürzen zu sehen, „die einem sogar auf die Nase fallen konnten“. Die Begeisterung für Technologie, Wissenschaft und Natur hielt an. Während seines Kunststudiums verbrachte er die meiste Zeit in der Bibliothek, um sein Wissen über Physik und Technik zu vertiefen.

1967 begann er dann mit dem Bau des ersten Flugobjekts. Bis heute folgte ein Vielzahl fliegender, schwimmender und tauchender Objekte: U-Boote, fliegende Boote, Untertassen und Teppiche, Zeppeline, solargetriebene Autos, Hubplattformen, UFOS; sogar prähistorische Vögel versuchte er nachzubauen. Vieles davon konnte er erst in den letzten Jahren verwirklichen, nachdem die jeweiligen Entwürfe oft 20 Jahre lang nur als Skizzen existierten. Oberstes Ziel für ihn blieb immer die Darstellung der Schönheit.

Mit einer dichten Präsentation sämtlicher Multiples Panamarenkos seit den Sechzigern gelingt es dem Atelier im Augarten nun, anhand von Objekten, Lithografien, Fotos und Zeichnungen einen dichten Überblick über die Entwicklung eines der faszinierendsten Einzelgänger der europäischen Gegenwartskunst zu geben.

Mittelalter. Um Flügel der anderen Art kümmert sich eine zusammen mit dem Bundesdenkmalamt erarbeitete Ausstellung im Museum mittelalterlicher Kunst in der Orangerie des Unteren Belvedere: und zwar um Altarflügel. Ausgestellt werden die mit Reliefs und Gemälden geschmückten Retabel dreier Flügelaltäre, die buchstäblich in letzter Minute vor der endgültigen Zerstörung bewahrt werden konnten. Während die Altäre vom Magdalensberg (K) und von Schönbach im Waldviertel durch gravierende Kälteeinflüsse starke Veränderungen erlitten, wurde der Zöbinger Hochaltar im Sommer 2002 ein Opfer der Hochwasserkatastrophe.

Angesichts der konservatorischen Problematik, dass die Mehrzahl der wenigen, noch vollständig erhaltenen mittelalterlichen Flügelaltäre in jenen Kirchenräumen stehen, für die sie ursprünglich geschaffen wurden – und damit klimatisch extrem exponiert sind –, möchte die Ausstellung die Öffentlichkeit für die Bedeutung und extreme Gefährdung dieser Kulturgüter sensibilisieren.

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