| diepresse.com | ||
| zurück | drucken | ||
|
| ||
| 21.08.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Kritik Ausstellung: Realität löst sich auf in Spiegeln und Fotografien | ||
| VON JOHANNA HOFLEITNER | ||
| "Les Mises en Scène": In der Generali Foundation widmet dem polnischen Künstler Edward Krasinski eine ausgezeichnete Personale. | ||
|
Wem zum polnischen Künstler Edward Krasinski (1925-2004) bis dato nichts eingefallen ist: Seine ausgezeichnete Personale "Les Mises en scène" in der Generali Foundation bringt wohl mit sich, dass ihm hierzulande endgültig das Etikett "der mit dem Streifen" umgehängt worden ist: Ein blaues Klebeband, das, etwas unter Augenhöhe in 130 Zentimeter Entfernung vom Boden die gesamte, mit Skulpturen, Axonometrien, Wandobjekten, Fotos und Installationen bestückte Ausstellung einschließt, verleiht der Schau auf markante Weise Identität. So paradox wie sinnig - Edward Krasinski selbst hatte sich nämlich sein Lebtag gegen jede allgemeine Festschreibung und Charakterisierung seiner Kunst wie auch jede spezielle Erklärung dieses Markenzeichens verwehrt. Auftauchen ließ er das Band erstmals im Sommer 1968, im
Rahmen von "Farewell Spring" - einem hier in Form von Fotografien
dokumentierten, in der Entstehung unterschwellig politisch intendierten
Kunst-Happening. Seitdem blieb das Band kontinuierlich Bestandteil aller
Interventionen und Installationen, im Ausstellungskontext ebenso wie im
öffentlichen Raum: So tauchte die Horizontlinie bald ungefragt auf den
Fassaden eleganter Galerien im Pariser Rive-Gauche-Viertel auf, bald war
sie bestimmt, eine Objektgruppe zu umgrenzen, die Krasinski als Beitrag
für die Tokio-Biennale 1970 vorgesehen hatte. Da das Speditionsgut in
Tokio nicht zeitgerecht eintraf, erblickte der polnische Konzeptualismus
ebendort das Licht der Welt: Krasinski schickte als Ersatz 5000 mal via
Telex das Wort "Blue" durch den Äther. Der schier endlose Lochstreifen
ersetzte die Ausstellungsobjekte vier Wochen lang und fand nach Ende der
Ausstellung auch Eingang in die Sammlung des Tokioter Museums - als
Skulptur unter Glassturz. Wie sehr Krasinski insgesamt dem Skulpturen-Genre
verbunden ist - und wie sehr er auf dem Gebiet ein Neuerer war, das
aufzuzeigen ist denn auch die Hauptleistung dieser ersten One-Man-Show
nach seinem Tod. Dem Umstand, dass der Künstler seine unerwarteter Weise
posthume Personale nicht mehr selbst hängen konnte, ist Kuratorin Sabine
Breitwieser klug begegnet, indem sie in für die Generali-Foundation
ungewöhnlich musealem Stil sechs Settings rekonstruierte, die Krasinski
zwischen 1965 und 1984 für Galerieausstellungen in Krakau, Warschau und
Berlin sowie die Tokio-Biennale entworfen hatte. Damit belässt sie den Werken einerseits ein Maximum
Authentizität und macht andererseits die Bandbreite von Krasinskis
Schaffen sichtbar: von den neo-surrealistischen Liege- und Schwebeobjekten
der 1960er über die fotografisch dokumentierten Aktionen und Happenings
der Siebziger bis hin zu den späten Raumarbeiten, in denen das
Künstleratelier zum flirrenden Raumobjekt wird und die Realität sich
aufzulösen scheint in einer Vielfalt von Spiegeln und Fotografien.
Bis 27.8.; foundation.generali.at |
||
| © diepresse.com | Wien | ||