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derStandard.at | Newsroom | Kultur | Bildende Kunst 
12. November 2009
14:55 MEZ

Bis 14. 2.

 

Vladislav Mamyshev-Monroe


Veronika Bromová: "Mädchen auch" (1994) oder: wie man sich beim Anstellen in der Planwirtschaft die Zeit vertreiben kann.

 


Hochhackig in die Zukunft
Das Museum Moderner Kunst Wien zeigt "Gender Check - Rollenbilder in der Kunst Osteuropas". Die Ausstellung versammelt mehr als 200 historische und zeitgenössische Positionen.

Wien - Wiewohl "gender" das soziale oder psychologische Geschlecht einer Person bezeichnet und nicht etwa den Ausweis deren primärer Merkmale beschreibt, verspricht und hält eine mit "gender" im Titel eingeleitete Ausstellung stets ein Vieles an nackter Haust.

Zumal wenn "gender" östlich angesiedelt wird, und das in einer Zeit, von der die jederzeit manifeste gemeine Romantik behauptet, dass der dortige Ausschluss des Kapitals eine völlige Enthemmung der Körper nach sich gezogen hätte - eine stets verfügbare Gratisnachspeise. Von der sich ein Bild zu machen offensichtlich auch systemintern ein "must" war - schließlich wollte man doch im Nachhinein durch die Erste Bank zur Avantgarde gerechnet werden.

Und also galt es nicht Gemächt und Charakter getrennt voneinander zu verhandeln, sondern beides offenzulegen - schwer beladen mit der sich später einstellenden Bedeutung des schonungslosen Tuns. Ergebnisse dieser all zu oft anonymen Handlungen werden jetzt im Mumok ans Licht einer rabiat liberalen Gesellschaft geführt, deren Triebkraft auch nicht angesichts eines schwarzen Quadrats erlahmt. Auf dieses geometrische Format hin wurde schon einmal ein Schamhaar getrimmt, um damit den damaligen Biennale-Kommissär Harald Szeemann exklusiv zu imponieren.

Egal. Das verbindende Element, der gemeinsame Nenner der Rollenbilder in der Kunst Osteuropas ist das "Englische". Mit "Gender Check" haben die sich schon immer begrüßt, um dann facettenreich bloßzulegen, was zwischen patriarchalen Machtstrukturen, ideologisch aufgeladenen Weiblichkeits-Idealen und den ganz abrupt einsetzenden neokonservativen Zwängen noch Interessantes festzumachen ist.

Zum Beispiel: Singen schwer auf Business gekleidete Frauen "money, money, money" von Abba und machen den Betrachter damit schwer betroffen; oder stellt sich eine Marylin Monroe bei näherer Betrachtung als männlicher denn erwartet heraus; oder erweist sich eine Serie von Madonnen - Katarzyna Kobro hat sie angelegt - als absolut Taschen-Buch würdig.

Veronika Bromová demonstriert, wie die Ostrealität des In-der-Schlange-Anstellens lustvoll ausgestanden werden kann. Und nicht zuletzt zeigt sich die neue postkommunistische Weiblichkeit von ihrer schönsten Seite. Sie performt "gender" anständig hochhackig, hat endlich die Schwielen auf den Arbeiterinnenhänden abgebaut, denkt national und agiert ohne karrierebehindernden persönlichen Widerstand. Ihre private Wirklichkeit trifft sich idealtypisch mit den Anforderungen einer Welt mit endlich gelüftetem Vorhang. Nicht länger mehr muss sie die Heldin der Arbeit geben, Emanzipation mit Unzufriedenheit gleichsetzen, endlich hat ihr Kampf ein Ziel, ihr Streben einen Namen bekommen: Gucci.

Endlich darf sie wieder "Geschlecht" beweisen; ihr Geschlecht. Vorbei die Zeiten, in denenen die Uniform Ausdruck des realen Sozialismus war, vorbei auch die unseligen Tage, in denen aus jedem selbstsüchtigen "Ich!" ein ödes "Wir!" gemacht wurde.

Kunst ohne Genie(rer)

Endlich auch lässt Kunst sich ohne Geniebegriff gestalten, kann ein universeller Anspruch gestellt werden, ganz ohne Kratzendes im Schritt.

Die Kuratorin der Schau, Bojana Pejic, fasst zusammen, was in der Form und Fülle noch nie zu sehen war: "Mit dem Mauerfall (1989) und dem Ende der sozialistischen Regime stellen nationalistische Entwicklungen und neoliberale Einflüsse aus dem Westen neue Herausforderungen dar.

Die neu gewonnenen Freiheiten gehen mit neokonservativen Rollenzwängen einher, die zum Thema der Kunst werden. Kritik an chauvinistischen, militaristischen, frauen- und minderheitenfeindlichen Ideologien wird nun im Kontext feministischer Theorien formuliert. Auch das Thema Homosexualität wird offen thematisiert. Klischees von Mutterschaft werden ebenso zur Diskussion gestellt wie religiös verbrämte Weiblichkeitsideale und patriarchale Machtstrukturen. Um die öffentliche und politische Bedeutung weiblicher Identität zu unterstreichen, wird auch auf historische Allegorien der Weiblichkeit zurückgegriffen." (Markus Mittringer/ DER STANDARD, Printausgabe, 13.11.2009)

 

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