| Die Fülle der Welt | |
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Der Tod des großen österreichischen Malers Max Weiler, der am Montag
90-jährig in Wien verstarb, sorgt für Bestürzung.
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"Die Intensität seiner prächtigen Bilder
zeugt von einem Einfühlungsvermögen, das nur wirklich großen Künstlern
gegeben ist", würdigt Bundespräsident Thomas Klestil den
Verstorbenen, "Österreich verliert mit Max Weiler nicht nur einen
bedeutenden Maler, sondern auch einen einzigartigen Fürsprecher der
Harmonie von Mensch und Natur.
In einer geradezu verschwenderischen Sprache von Farben und Formen hat
Max Weiler es verstanden, die Fülle der Welt künstlerisch zu verarbeiten.
Er war stets in der und für die Öffentlichkeit tätig - als Lehrer an der
Hochschule ebenso wie als Gestalter des öffentlichen Raumes." Grenzgänger "Mit Max Weiler verlieren wir einen der großen Zeitgenossen der
österreichischen Kunst. Seine Arbeiten haben Tausende Menschen begeistert
und fasziniert", sagte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in einer
ersten Reaktion, "Max Weiler konnte wie kaum ein anderer die Natur in der
Harmonie ihrer Farben perfekt umsetzen. Er war ein Grenzgänger und einer,
der sich nie einordnen ließ. Max Weiler war ein großer Unbequemer. Das
machte auch die Qualität seiner Werke aus."
Der Bundeskanzler, in dessen Arbeitszimmer das großformatige
Weiler-Gemälde "Oktober" hängt, hatte Max Weiler im September des
Vorjahres anlässlich Weilers 90. Geburtstages im Rahmen eines Festaktes im
Bundeskanzleramt das Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für
Verdienste der Republik überreicht. Schüssel erinnerte sich damals an die
Eröffnung der Weiler-Schau in Peking, "als Tausende Menschen stundenlang
Schlange standen, um die Bilder Max Weilers zu bewundern." "Was Max Weiler
zu sagen hatte, geht weit über den Beitrag zur österreichischen
Kunstgeschichte hinaus und wird die, die seine Malerei lieben, immer
beschäftigen", so Schüssel. Hohes Ansehen Auch Kunst-Staatssekretär Franz Morak reagierte auf den Montag
Abend bekannt gewordenen Tod des Künstlers: "Mit Max Weiler verliert
Österreich einen seiner größten Maler und entscheidenden Impulsgeber für
die österreichische Kunstwelt, der auch international hohes Ansehen
genoss", so Morak.
"Weiler hat jenseits künstlerischer Modeströmungen einen einzigartigen
Beitrag zur österreichischen Kunst dieses Jahrhunderts geliefert, in dem
sich ein wichtiges Kapitel der Kunst- und Kulturgeschichte dieses Landes
widerspiegelt. Ich war stets ein Bewunderer der Arbeiten von Max Weiler,
der mit seinem vielfältigen Schaffen und auch durch seine Tätigkeit als
Hochschulprofessor sehr viele Menschen ansprechen und bewegen konnte." Seine Spuren bleiben Auch Bildungsministerin Elisabeth Gehrer würdigte das Leben und
Schaffen Max Weilers. "Weiler hat durch sein weit über die Malerei
hinausgehendes Wirken Spuren im geistig-kulturellen Leben Österreichs
gelegt wie kaum eine andere Persönlichkeit und die bildende Kunst im 20.
Jahrhundert entscheidend beeinflusst", sagte Gehrer, "Mit Weiler ist ein
großer Künstler von uns gegangen. Das Werk, das er uns hinterlässt, wird
aber dafür sorgen, dass er uns als vorbildlicher Österreicher in
Erinnerung bleiben wird". Trauer auch in Wien
Als bestürzenden Verlust für die Kunst und für Wien bezeichnete
Kulturstadtrat Peter Marboe den Tod von Max Weiler. Die Stadt
trauere um einen ihrer größten Künstler. Weiler, der vor rund einem Jahr
mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Wien ausgezeichnet wurde, zähle zu
jenen künstlerischen Persönlichkeiten, denen Wien seinen Ruf als
Kulturstadt und im besonderen auch als Stadt der bildenden Kunst
verdanke. Weiler habe als Künstler die Gabe gehabt, die Menschen zu faszinieren,
für seine Kunst und für die Kunst im allgemeinen zu begeistern. Er sei
aber auch ein Künstler gewesen, der seinen Weg mit unbeirrbarer Konsequenz
gegangen sei. Dies gelte nicht nur für die Kunst, sondern auch für andere
Bereiche seines Lebens, in denen er sich stets humanitären Prinzipien
verpflichtet gefühlt habe. Reaktion aus Tirol Tirol trauere um den Wegbereiter und Vorkämpfer der modernen Kunst Max
Weiler. Dieser Künstler habe Widerspruch hervorgerufen, sei aber
unbeirrbar seinen Weg gegangen, würdigte Landeshauptmann Wendelin
Weingartner den verstorbenen Künstler. Weilers Oeuvre habe viele Wandlungen durchgemacht. Seine bahnbrechenden
Fresken der Theresienkirche und des Hauptbahnhofs in Innsbruck seien
unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend auf Unverständnis und
Ablehnung gestoßen. Die Abstrahierung der Formen und Farben seien vom
Publikum großteils als schockierend empfunden worden. Als Wandmaler des
"großen Stils" sei der Künstler zuletzt mit dem Triptychon für das Casino
Innsbruck Anfang der 90er Jahre in Erscheinung getreten. Weiler habe als
unermüdlicher Künstler gegolten, der bis ins hohe Alter in seinem Atelier
aktiv gewesen sei, resümierte Weingartner. Verlust für die Kunstwelt "Er war ein Maler, der sich seine Suppe selber gekocht hat", sagte der
Maler und Aktionskünstler Hermann Nitsch über seinen verstorbenen
Kollegen, den er persönlich gekannt hatte und der seiner, Nitschs Arbeit,
trotz ihrer Radikalität immer aufgeschlossen gegenübergestanden wäre. "Er
war ein großer Maler, ein Maler, der sich zwischen den Zeiten und zwischen
den Strömungen wunderbar entwickelt hat", betonte Nitsch, der auf Weilers
umfangreiche Lehrtätigkeit verwies: "Er war auch ein sehr guter Lehrer,
der Generationen von Schülern herangebildet hat." Immenses Oeuvre "Max Weiler war fünf Jahrzehnte lang eine fixe Größe in der
Österreichischen Kunst", stellte der Direktor der Österreichischen
Galerie, Gerbert Frodl, anlässlich des Ablebens des Künstlers fest.
Beeindruckend am immensen Oeuvre des Künstlers sei auch, dass er sich
selbst immer treu geblieben sei. Zu Weilers großem Verdienst zähle es,
dass seine Wiedergabe der Natur in einer quasi abstrakten Manier auch ein
breites Publikum nachvollziehen konnte. Das, was Kardinal Franz König an
Weilers Arbeit hervorgehoben habe - dass spürbar werde, dass er aus dem
Herz heraus arbeite, dass er eine innere Überzeugung ausgedrückt habe,
"war sicher einer der Gründe dafür, warum der Künstler so gut vom Publikum
angenommen wurde." "Mit ihm ist gleichsam eine ganze Künstlergeneration abgetreten",
meinte der Industrielle und Kunstsammler Karlheinz Essl, der
hervorhob, dass Weiler "vor allem durch die intensive Tätigkeit seiner
Frau Yvonne in den letzten Jahren jene Bedeutung erlangt hat, die ihm
zusteht". Essl weiter: "Ich finde, er war einer der ganz großen Maler der
Moderne in Österreich. Er hat die Kunst des 20. Jahrhunderts stark mit
geprägt, auch die nachfolgenden Künstlergenerationen." Tipp
Ö1
-Programmänderung aus aktuellem Anlass: Und ORF 2 zeigt im Rahmen der "Matinee am Sonntag" am 4. Februar um
9.05 Uhr ein filmisches Porträt des Malers: "Max Weiler - Das Blatt ist
meine ganze Welt". | ||||||||||||