Die Fülle der Welt

Der Tod des großen österreichischen Malers Max Weiler, der am Montag 90-jährig in Wien verstarb, sorgt für Bestürzung.


"Die Intensität seiner prächtigen Bilder zeugt von einem Einfühlungsvermögen, das nur wirklich großen Künstlern gegeben ist", würdigt Bundespräsident Thomas Klestil den Verstorbenen, "Österreich verliert mit Max Weiler nicht nur einen bedeutenden Maler, sondern auch einen einzigartigen Fürsprecher der Harmonie von Mensch und Natur.

Verleihung des
Verleihung des "Großen Silbernen Ehrenzeichens mit dem Stern", 1995 / ©Bild: APA

In einer geradezu verschwenderischen Sprache von Farben und Formen hat Max Weiler es verstanden, die Fülle der Welt künstlerisch zu verarbeiten. Er war stets in der und für die Öffentlichkeit tätig - als Lehrer an der Hochschule ebenso wie als Gestalter des öffentlichen Raumes."

Grenzgänger

"Mit Max Weiler verlieren wir einen der großen Zeitgenossen der österreichischen Kunst. Seine Arbeiten haben Tausende Menschen begeistert und fasziniert", sagte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in einer ersten Reaktion, "Max Weiler konnte wie kaum ein anderer die Natur in der Harmonie ihrer Farben perfekt umsetzen. Er war ein Grenzgänger und einer, der sich nie einordnen ließ. Max Weiler war ein großer Unbequemer. Das machte auch die Qualität seiner Werke aus."

Bundeskanzler Schüssel und Max Weiler, 2000 / ©Bild: APA
Bundeskanzler Schüssel und Max Weiler, 2000 / ©Bild: APA

Der Bundeskanzler, in dessen Arbeitszimmer das großformatige Weiler-Gemälde "Oktober" hängt, hatte Max Weiler im September des Vorjahres anlässlich Weilers 90. Geburtstages im Rahmen eines Festaktes im Bundeskanzleramt das Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste der Republik überreicht. Schüssel erinnerte sich damals an die Eröffnung der Weiler-Schau in Peking, "als Tausende Menschen stundenlang Schlange standen, um die Bilder Max Weilers zu bewundern." "Was Max Weiler zu sagen hatte, geht weit über den Beitrag zur österreichischen Kunstgeschichte hinaus und wird die, die seine Malerei lieben, immer beschäftigen", so Schüssel.

Hohes Ansehen

Auch Kunst-Staatssekretär Franz Morak reagierte auf den Montag Abend bekannt gewordenen Tod des Künstlers: "Mit Max Weiler verliert Österreich einen seiner größten Maler und entscheidenden Impulsgeber für die österreichische Kunstwelt, der auch international hohes Ansehen genoss", so Morak.

"Blauer Baum" / ©Bild: APA

"Weiler hat jenseits künstlerischer Modeströmungen einen einzigartigen Beitrag zur österreichischen Kunst dieses Jahrhunderts geliefert, in dem sich ein wichtiges Kapitel der Kunst- und Kulturgeschichte dieses Landes widerspiegelt. Ich war stets ein Bewunderer der Arbeiten von Max Weiler, der mit seinem vielfältigen Schaffen und auch durch seine Tätigkeit als Hochschulprofessor sehr viele Menschen ansprechen und bewegen konnte."

Seine Spuren bleiben

Auch Bildungsministerin Elisabeth Gehrer würdigte das Leben und Schaffen Max Weilers. "Weiler hat durch sein weit über die Malerei hinausgehendes Wirken Spuren im geistig-kulturellen Leben Österreichs gelegt wie kaum eine andere Persönlichkeit und die bildende Kunst im 20. Jahrhundert entscheidend beeinflusst", sagte Gehrer, "Mit Weiler ist ein großer Künstler von uns gegangen. Das Werk, das er uns hinterlässt, wird aber dafür sorgen, dass er uns als vorbildlicher Österreicher in Erinnerung bleiben wird".

Trauer auch in Wien

Verleihung der Ehrenbürgerkunde durch Wr.  Bürgermeister Häupl, 2000 / ©Bild: APA
Verleihung der Ehrenbürgerkunde durch Wr. Bürgermeister Häupl, 2000 / ©Bild: APA

Als bestürzenden Verlust für die Kunst und für Wien bezeichnete Kulturstadtrat Peter Marboe den Tod von Max Weiler. Die Stadt trauere um einen ihrer größten Künstler. Weiler, der vor rund einem Jahr mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Wien ausgezeichnet wurde, zähle zu jenen künstlerischen Persönlichkeiten, denen Wien seinen Ruf als Kulturstadt und im besonderen auch als Stadt der bildenden Kunst verdanke.

Weiler habe als Künstler die Gabe gehabt, die Menschen zu faszinieren, für seine Kunst und für die Kunst im allgemeinen zu begeistern. Er sei aber auch ein Künstler gewesen, der seinen Weg mit unbeirrbarer Konsequenz gegangen sei. Dies gelte nicht nur für die Kunst, sondern auch für andere Bereiche seines Lebens, in denen er sich stets humanitären Prinzipien verpflichtet gefühlt habe.

Reaktion aus Tirol

Tirol trauere um den Wegbereiter und Vorkämpfer der modernen Kunst Max Weiler. Dieser Künstler habe Widerspruch hervorgerufen, sei aber unbeirrbar seinen Weg gegangen, würdigte Landeshauptmann Wendelin Weingartner den verstorbenen Künstler.

Weilers Oeuvre habe viele Wandlungen durchgemacht. Seine bahnbrechenden Fresken der Theresienkirche und des Hauptbahnhofs in Innsbruck seien unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend auf Unverständnis und Ablehnung gestoßen. Die Abstrahierung der Formen und Farben seien vom Publikum großteils als schockierend empfunden worden. Als Wandmaler des "großen Stils" sei der Künstler zuletzt mit dem Triptychon für das Casino Innsbruck Anfang der 90er Jahre in Erscheinung getreten. Weiler habe als unermüdlicher Künstler gegolten, der bis ins hohe Alter in seinem Atelier aktiv gewesen sei, resümierte Weingartner.

Verlust für die Kunstwelt

"Er war ein Maler, der sich seine Suppe selber gekocht hat", sagte der Maler und Aktionskünstler Hermann Nitsch über seinen verstorbenen Kollegen, den er persönlich gekannt hatte und der seiner, Nitschs Arbeit, trotz ihrer Radikalität immer aufgeschlossen gegenübergestanden wäre. "Er war ein großer Maler, ein Maler, der sich zwischen den Zeiten und zwischen den Strömungen wunderbar entwickelt hat", betonte Nitsch, der auf Weilers umfangreiche Lehrtätigkeit verwies: "Er war auch ein sehr guter Lehrer, der Generationen von Schülern herangebildet hat."

Immenses Oeuvre

"Max Weiler war fünf Jahrzehnte lang eine fixe Größe in der Österreichischen Kunst", stellte der Direktor der Österreichischen Galerie, Gerbert Frodl, anlässlich des Ablebens des Künstlers fest. Beeindruckend am immensen Oeuvre des Künstlers sei auch, dass er sich selbst immer treu geblieben sei. Zu Weilers großem Verdienst zähle es, dass seine Wiedergabe der Natur in einer quasi abstrakten Manier auch ein breites Publikum nachvollziehen konnte. Das, was Kardinal Franz König an Weilers Arbeit hervorgehoben habe - dass spürbar werde, dass er aus dem Herz heraus arbeite, dass er eine innere Überzeugung ausgedrückt habe, "war sicher einer der Gründe dafür, warum der Künstler so gut vom Publikum angenommen wurde."

"Mit ihm ist gleichsam eine ganze Künstlergeneration abgetreten", meinte der Industrielle und Kunstsammler Karlheinz Essl, der hervorhob, dass Weiler "vor allem durch die intensive Tätigkeit seiner Frau Yvonne in den letzten Jahren jene Bedeutung erlangt hat, die ihm zusteht". Essl weiter: "Ich finde, er war einer der ganz großen Maler der Moderne in Österreich. Er hat die Kunst des 20. Jahrhunderts stark mit geprägt, auch die nachfolgenden Künstlergenerationen."

Tipp

Ö1 -Programmänderung aus aktuellem Anlass:
"Hörbilder", Samstag, 3.2.01: 9.05 - 10.00 Uhr, "Schatten. Schemen. Dämonen." Die Bildwelten des Max Weiler. Von Peter Zimmermann, WH vom 27.11.1999.

Und ORF 2 zeigt im Rahmen der "Matinee am Sonntag" am 4. Februar um 9.05 Uhr ein filmisches Porträt des Malers: "Max Weiler - Das Blatt ist meine ganze Welt".

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