06.01.2003 20:54
"Delogierung" der Kärntner Landesgalerie
Haider plant ein "Museum moderner Kunst"
Klagenfurt - Die Räumlichkeiten der Kärntner
Landesgalerie in der Klagenfurter Burg, die seit geraumer Zeit renoviert,
umgebaut und modernisiert werden, sollen künftig ein Museum moderner Kunst
beherbergen. Dies erklärte Erika Napetschnig, die interimistische Leiterin der
Kulturabteilung des Landes Kärnten, in einer Aussendung. Sie reagierte damit auf
Vorwürfe, die von den Sozialdemokraten erhoben worden waren.
Laut Nicole
Cernic, Kultursprecherin der Kärntner SP, hätte Landeshauptmann Jörg Haider die
von Arnulf Rohsmann geleitete Landesgalerie per Dienstanweisung "überfallsartig"
aus ihren Räumen verwiesen und ihre Aufgabenbereiche eingeschränkt: "Der
Kulturreferent plant, das Kerngeschäft, also die Galerietätigkeit, zu
eliminieren und die Kompetenz der Landesgalerie auf die Aktualisierung des
Depotbestandes und die Erstellung eines jährlichen Kataloges zu
reduzieren."
"Besonders bedenklich" würde Cernic eine Passage in der
Dienstordnung stimmen, die sich auf die Veräußerung von Sammlungsgegenständen
beziehe. Ein Verkauf war bisher nur mit Zustimmung der Regierung möglich,
nunmehr reiche offensichtlich die Zustimmung des Kulturreferenten aus. Es sei zu
befürchten, dass die Veräußerung von Kulturgütern kein Tabuthema mehr sei - "und
man so Budgetlöcher stopfen" wolle.
Napetschnig, Haiders ehemalige
Büromitarbeiterin und Wunschkandidatin für die Leitung der Kulturabteilung,
konterte, dass weder von einer Veräußerung von Kulturgütern noch von einer
"Delogierung der Landesgalerie" die Rede sein könne und sprach von "Panikmache".
Die Dienstanweisung besage lediglich, dass die Landesgalerie mit neuen Aufgaben
betraut werde. Es handle sich dabei natürlich auch nicht um eine
"überfallsartige" Aktion, sondern um eine Konsequenz der Neuorganisation der
Kulturabteilung selbst. Der Umbau beziehungsweise die Erweiterung der
Räumlichkeiten in der Burg bringe die Notwendigkeit einer Neuausrichtung mit
sich. Erklärtes Ziel sei es, die Landesgalerie als Museum moderner Kunst zu
führen. Die Eröffnung der Räumlichkeiten werde planmäßig in der zweiten
Jahreshälfte erfolgen.
Zudem werde sich die Landesgalerie künftig um den
Aufbau einer Artothek kümmern. Dies bedeute, dass sämtliche Kunstwerke, die sich
im Besitz des Landes befinden, sichergestellt, inventarisiert und fachgerecht
bearbeitet würden. Spekulationen über eine Veräußerung von Kulturgütern seien
völlig unbegründet. Die Kunstwerke würden sich nach wie vor im Landeseigentum
befinden.
Ob Rohsmann daher künftig auch Leiter des Museums moderner
Kunst sein werde, war am Wochenende nicht in Erfahrung zu bringen. Der Direktor
selbst gestattete sich nur einen knappen Kommentar: Er habe Sprechverbot.
(trenk/DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2003)