| Textarchiv OÖNachrichten | www.nachrichten.at/archiv |
| Hauptausgabe vom 25.06.2003 - Seite 007
|
| LENTOS: Museumsdirektor Peter Baum zu den
Vorwürfen wegen möglicher Sammlungs-Mankos
Frauen nur spärlich, Fröhlich gar nicht! VON IRENE JUDMAYER
Exklusiv brachten wir gestern die Sensationsmeldung: Der "Linzer" Schiele konnte bei der Auktion von Sotheby's London am Montagabend durch einen anonymen Käufer einen Rekordpreis erzielen. 18 Millionen Euro, die inklusive der üblichen prozentuellen Zuschläge noch auf bis zu 21 Millionen anwachsen könnten!
Das ist das Doppelte von dem, was die Sotheby's-Experten geschätzt hatten. Wobei der Linzer Lentos-Direktor Peter Baum in den OÖN bereits auf die bildmaterialbedingte Differenz zwischen Museumskauf und Privatkauf hingewiesen hatte.
"Interessant wäre dieses Werk sicher für Ronald Lauders Sabarsky-Museum in New York ¼" - sinniert Baum heute. Doch die Tatsache, dass die "Krumauer Landschaft" überraschend den Höchstpreis für ein jemals verkauftes Werk von Egon Schiele erzielt hat, lässt eher den Schluss auf eine Privatperson zu. "Möglicherweise ein Japaner!" - bestätigt Baum, der sich im OÖN-Gespräch auch den massiven Vorwürfen zur Eröffnungsausstellung des Kunstmuseums Lentos stellt. Die da lauten: 1. Es wären zu wenig Künstlerinnen präsent. 2. Der oö. Künstler Fritz Fröhlich habe keinen Platz in der Sammlung.
"Eine Ausstellung kann nicht danach beurteilt werden, was fehlt, man muss darauf eingehen, was da ist!" - kontert Baum: "der Fundus eines Museums ist so etwas wie ein Arbeitsmaterial, auf das je nach Absicht zugegriffen wird. Auch das Publikum soll das im Kontext sehen. Es werden Teile daraus gezeigt, um etwas Bestimmtes zu präsentieren. Zum Beispiel einen thematischen Vergleich etc."
Subjektive Entscheidung
Bei der derzeit laufenden Ausstellung seien - so Baum - bei den großen Arbeiten (= Gemälden, Objekten) etwa ein Zehntel der gigantischen Sammlung des Lentos zu sehen. Von der Graphik ca. 2 Prozent. "Da sind viel wichtigere Leute als Fröhlich heraus gefallen. Emil Nolde etwa oder Max Weiler." Drei Werke von Fröhlich seien im Depot des Lentos: "Bei allen Versuchen, eine Sammlung nach objektiven Maßstäben aufzubauen: Es ist doch immer auch eine subjektive Entscheidung, welchen Künstler jemand schätzt."
Davon den Schluss abzuleiten, dass Baum Künstlerinnen weniger schätze, sei aber falsch: "Wenn ich den Museumsbestand überblicke, haben wir einen sehr hohen Prozentsatz an Frauen. Aber bei der Zusammenstellung so einer Ausstellung geht es nicht nach Quoten. Diesmal sind ca. 14 Frauen beteiligt. Aber das hängt von der Sachlage und den ausgestellten Kunst-Perioden ab." In der jüngeren Kunst-Generation sei der Frauen-Anteil höher, was sich auch in den aktuellen Ankäufen niederschlagen könne. Soferne dies in die Ankaufspolitik des Lentos hineinpasst.
Dazu Baum: "Wenn es die Qualität zuließ, habe ich in letzter Zeit jedenfalls wesentlich mehr Arbeiten von Frauen angekauft als bisher. Wenn ich von Leitfiguren wie Lassnig oder Export einmal absehe."
Fröhlich: in der Sammlung ja, in der Ausstellung nicht Foto: Raika |
| © |