| Ein wuchtiges Werk | |
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Der Österreich-Pavillon wird Freitagnachmittag offiziell eröffnet. Bruno Gironcoli ist trotz angeschlagener Gesundheit in Venedig. |
"Sprechen kann ich nicht mehr, mir ist zu
heiß." Mit dem, was Bruno Gironcoli zum Abschluss seines kurzen Statements
bei der Pressekonferenz Donnerstagvormittag im Österreich-Pavillon der
Giardini in Venedig sagte, sprach er den Anwesenden aus der Seele. Unter glühender Hitze wurde der erste Presse-Besichtigungstag der 50.
Kunstbiennale absolviert. Gironcoli in Venedig Überraschend war das persönliche Erscheinen des 66-jährigen Kärntner
Bildhauers in Venedig - hatte man auf Grund seines angegriffenen
Gesundheitszustandes doch angenommen, er müsse in Österreich bleiben. Vor
dem Pavillon empfangen zwei silbrig glänzende Großskulpturen die Besucher
und führen in die surreale und symbolbeladene Welt des Künstlers ein:
Titellose Aluminiumgüsse voller Formen und Fabelwesen bis hin zu Zitaten
aus der alpenländischen Flora aus den Jahren 2001 und 2003.
Im Hoffmann-Pavillon selbst, den Gironcoli auf Grund seiner, dem
wuchtigen skulpturalen Werk nicht ganz gewachsenen Dimensionen als
"wunderbaren Kiosk" bezeichnete, sind weitere Beispiele seines Schaffens
ausgestellt: die "Eisenfigur" (1985-90) etwa, "Die Eltern mit zwei
Tischaufsätzen" (1989/90) oder Beispiele aus den 70er Jahren. "Wir haben
uns bewusst dazu entschieden, keine Arbeiten auf Papier zu zeigen",
erläuterte Kuratorin Bettina M. Busse.
Reibungsloser Aufbau Österreich-Kommissär Kasper König betonte, wie "erstaunlich
reibungslos" der Aufbau, der bei den großen Skulpturen durch die
Oberlichte erfolgte, geklappt habe. "Aufwändig und teuer war nur der
Transport", meinte König, der hofft, dass es in zwei Jahren eine
internationale Wanderausstellung von Gironcoli-Werken geben wird. Zur
Biennale-Präsentation ist ein Katalog im Verlag der Buchhandlung
Walther König, Köln, erschienen.
Kritiker zu Gironcolis Venedig-Schau "Hier, in den Giardini, wo junge Karrieren oft ihren letzten Kick
bekommen, um an der wenige Tage später eröffnenden Kunstmesse in Basel die
Preise in die Höhe schießen zu lassen, wirkt der 66jährige Bildhauer fast
verloren", mokiert die Presse: "Und doch soll er hier antreten gegen die
Ungerechtigkeit und Jugendsucht des Kunstmarktes, soll jetzt noch eine
versäumte internationale Laufbahn nachholen." Der Standard ist eher angetan als die Konkurrenz: "Auf nichts
angewiesen, scheinen die massiven Tanker dennoch alles aufzunehmen, sich
einzuverleiben. Vögel, Madonnen, Klomuscheln und Besen, dazwischen amorph
organische Strukturen in Hausschuhen, zwitschernde Vogerl, kecke
Schnörksel, Ösen, Schweinderl, Suppenlöffel: Der Planet Gironcoli führt
alles seiner Bestimmung zu." Das Einverleiben erscheine als
"Glücksversprechen, Geborgenheit und Individualität scheinen sich
auszuschließen. Alles befindet sich in Ruhe, vielleicht ja am Ziel aller
Triebe." Link:
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