Sprechverbot
für Boxen
Parlament zeigt bis
Mitte April "Zeitgenössische Kunst aus Kärnten"
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Nicht nur für
Abgeordnete zugänglich: Im Hohen Haus wird derzeit moderne Malerei
geboten. Foto: Bettina Mayr-Siegl
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Von Brigitte
Borchhardt-Birbaumer
Sie leben zwar in Wien, sind aber alle im Kärnten
der 60er- und 70er-Jahre geboren. Die Künstlerinnen Ina Loitzl und
Katarina Schmidl vertreten Video und plastisches Gestalten, die Brüder
Heiko und Uwe Bressnik schätzen experimentelle Konzepte, Franco Kappl ist
abstrakter Maler und Michael Kos Steinbildhauer. Die gelungene Auswahl für
die nach Wien und Niederösterreich im Parlament präsentierte
"Zeitgenössische Kunst aus Kärnten" traf Ulli Sturm vom Kunstverein in
Klagenfurt. Die Schüler von Peter Weibel, Ernst Caramelle, Arnulf Rainer,
Paolo Piva und anderen sind, trotz ihres Alters, längst am Kunstmarkt
Etablierte.
Loitzl, die als einzige am Salzburger Mozarteum studiert hat, geht in
ihrem Trickfilm "heimat'gfühl" gegen Klischees von Almdudlerromantik,
Jodeln, Gartenzwerg und rot kariertem Tischtuch vor. Heiko Bressnik zeigt
sich ebenso ironisch, wenn er mit Malpigment, aus der zerriebenen Trompete
seines Zwillingsbruders gewonnen, das Instrument auf der Leinwand neu
erstehen lässt. "Das ist keine Pfeife", hatte René Magritte das Abbild
einer Pfeife untertitelt – seine Thematik stellt sich hier erneut. Zudem
zeigt Heiko Bressnik aus Stößen gleicher Fotos erzeugte Reliefs mit der
Darstellung seines Auges: eine Grundsatz-Befragung an Kunstwerk und
Betrachter schlechthin.
Die Erben von Nötsch
Sein Bruder orientiert sich an den Rillen alter Schallplatten und
verwandelt sie in seinen Zeichnungen in "Klangräume": ein ironischer
Seitenblick auf die zeitgeistig verwobene Kunst- und Musikszene. Michael
Kos wiederum schließt seine Boxen aus Krastaler Marmor mit Seilnähten, als
ob es ihnen verboten wäre zu sprechen. Seine modulierten Archetypen tragen
verheißungsvolle Namen wie "diskrete" oder "private Box". Eine andere Form
der Leere benützt Katarina Schmidl: ihr bevorzugtes Material für Köpfe
oder ganze Figuren sind Plastiktrinkhalme. Neuerdings bekommen ihre
tagebuchgleich entstehenden "Zustandsköpfe" auch hyperrealistische Teile,
die erschreckend an medizinische Versuche gemahnen. Franco Kappl bleibt
der einzige, der weniger ironisch als postmodern über die nicht
gegenständliche Malerei nachdenkt. Seine Bilder sind ernster als die
Experimente der anderen. Für alle aber gilt in hohem Maß, dass sie
erfreuliche "Erben des Nötscher Kreises" sind, wie es bei der Eröffnung
hieß – eine Anspielung auf jene Kärntner Malerallianz mit Anton Kolig, die
die Relevanz des heutigen Nachwuchses betont.
Zeitgenössische Kunst aus Kärnten
Säulenhalle Parlament
Bis 12. April (im Rahmen von Parlamentsführungen zu besichtigen)
Kompetente Auswahl.
Donnerstag, 30. März
2006