

Peter Pakesch, Intendant des Grazer Joanneums.
Andrea Schurian sprach mit ihm über den Konflikt mit Peter Weibel und die Köb-Nachfolge.
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Standard: Nächstes Jahr steht das Universalmuseum Joanneum unter dem Generalthema "So lebt der Mensch" : Wie vermeidet man bei diesem Titel, unter den alles und nichts zu subsumieren ist, die fast zwangsläufige Beliebigkeit?
Pakesch: Unser Konzept ist tatsächlich sehr weit gefasst, es geht um Lebensbedingungen, Lebenskonditionen. Im Kunsthaus etwa wird sehr drastisch über Existenzbedingungen des Menschen heute und den von Hannah Arendt geprägten Begriff der "Human Condition" verhandelt. Auf der anderen Seite wird es beispielsweise im Volkskundemuseum eine Ausstellung geben unter dem Titel L(i)eben; wo die Geschichte der Homosexualität in der Steiermark aufgearbeitet wird.
Standard: Die Neue Galerie wird vorübergehend geschlossen, ehe sie ins Joanneumsviertel übersiedelt, das 2011 - rechtzeitig zur 200-Jahr-Feier des Joanneums - fertig sein soll. Peter Weibel, Chefkurator der Neuen Galerie, äußert sich in Interviews wenig froh darüber. Haben Sie beide keine Zeit, das intern zu bereden?
Pakesch: Die Punkte, über die er sich aufregt, kamen unerwartet und widersprechen all dem, was wir in Gesprächen in letzter Zeit gemeinsam entwickelt haben. Die Übersiedlung ins Joanneumsviertel hat die Neue Galerie mit großem Interesse verfolgt. Jetzt ist Peter Weibel mit einigen architektonischen Lösungen nicht mehr zufrieden. Von meiner Seite gäbe es jedenfalls genügend Möglichkeiten und Angebote, sich zu treffen. Und bei den meisten inhaltlichen Fragen gibt es aus meiner Sicht auch kaum Differenzen.
Standard: Er fühlt sich als Chefkurator der Neuen Galerie benachteiligt ...
Pakesch: ... obwohl die Neue Galerie mehr als alle anderen Abteilungen gewachsen ist - bei gleichbleibendem Budget des Joanneums. Das Ausrichten einer großen monografischen Ausstellung, die es vorher in dem Ausmaß an dem Haus nicht gegeben hat - nämlich seine eigene Personale vor vier Jahren, die er sogar selbst kuratiert hat -, kann man nicht wirklich als Marginalisierung bezeichnen.
Standard: In Wien wird seit Jahren an einer Museumsordnung herumgedoktert; einige Direktoren sind einander spinnefeind. Wie sehen Sie das aus sicherer Distanz: Soll die Ministerin die Museumsprofile verordnen?
Pakesch: Verordnen nicht. Aber es macht Sinn, wenn der Eigentümer bestimmte Hauptthemen vorgibt. Die Museumsordnung, wie sie auf Bundesebene gelebt wird, hat noch mit jener der 1920er-Jahre zu tun, da ist museumspolitisch bisher nicht wirklich viel weitergegangen. Andererseits wurden museale Spezifika - Albertina, Mak nicht in dem Sinn, wie sie gewachsen sind, weiterentwickelt, sondern eher in Richtung Mainstream.
Standard: Wie schwierig ist es, Qualität zu bieten, wenn von der Politik Quoten erwartet werden?
Pakesch: Für mich ist unsere derzeitige Warhol-Ausstellung ein Beispiel dafür, dass man große Namen mit hoher Qualität machen kann. Das halte ich sowieso für wichtig: Je wichtiger und bedeutender ein Künstler, umso höher muss die Qualität sein, was bei vielen Ausstellungen nicht der Fall ist. Ich halte es generell für schwieriger, wirklich gute Ausstellungen mit großen Namen zu machen. Für den Erfolg eines Museums halte ich es für wichtig, ein heterogenes Programm zu bieten. Das heißt, anspruchsvolle Ausstellungen zu machen und sie mit sogenannten Rennern zu unterfüttern. Nur zu zeigen, was die Besucher sowieso sehen wollen, ist meiner Meinung nach nicht nachhaltig; irgendwann gehen die Blockbuster-Themen aus, und dann fällt das Publikum in ein tiefes Loch.
Standard: Einige wichtige Direktorenposten in Wien sind vakant, die Nachfolge Köbs im Mumok ist noch offen.
Pakesch: Es wird von großer Bedeutung sein, wer das Mumok künftig leiten wird. Gegenwartskunst ist, nach Edelbert Köb, nicht mehr ohne Mumok zu denken. Köb hat es geschafft, das Mumok ins Zentrum zu rücken. Die Besetzung wird auch eine große Außenwirkung haben und wichtig sein im internationalen Kontext.
Standard: Werden Sie sich bewerben?
Pakesch: Nein. Ich habe keine Bewerbung abgegeben.
Standard: Was, wenn Sie von der Ministerin gefragt werden?
Pakesch: Ich denke, dass ich hier in Graz eine Riesenaufgabe habe, die ich auf jeden Fall bis über das Jubiläum 2011 hinaus verfolgen will. Wir stehen budgetär vor großen Herausforderungen; wir haben den vierten kulturpolitischen Wechsel innerhalb von sechs Jahren gehabt. Es herrscht im Museum derzeit viel Unsicherheit. Ich würde es als unfair empfinden, jetzt wegzugehen.
(DER STANDARD/Printausgabe, 01.12.2009)
Zur Person:
Geboren 1955 in Graz, eröffnete Peter Pakesch
1981 seine erste Galerie in Wien mit Künstlern wie Franz West, Martin
Kippenberger, Herbert Brandl und Heimo Zobernig. 1986 gründete er mit
dem Grazer Kulturpolitiker Helmut Strobl den Grazer Kunstverein; Von
1996 bis 2002 leitete er die Basler Kunsthalle. Seit 2003 ist er
Intendant des Joanneums.
Die
öffentliche Wahrnehmung des Jüdischen Museums Wien soll national wie
international stark zunehmen: Ab Juli 2010 will ORF-Journalistin
Danielle Spera ihre Bekanntheit und gute Vernetzung für dieses Ziel
nutzen.
Bandbreite reicht vom barrierefreien Zugang bis zur Präzisierung der Tätigkeit der Direktorenkonferenz
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hier gibt es ein Interview zu Pakesch' aktuellen Ausstellung: http://www.castyourart.com/index.php... haus-graz/
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