


vergrößern 600x478Readable clothes series von Klára Petra Szabó (Viltin Galéria,
Budapest). Die Zahl der ausstellenden Galerien ist von 114 auf
127 gestiegen.

Wien - "Vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße." Ein wenig fühlte man sich bei der ersten Viennafair-Pressekonferenz im März an diesen irrealen Wohntraum Kurt Tucholskys erinnert: Hin zu offeneren Räumen und weg von der Kojenmesse wolle man. Im Zentrum soll eine Piazza entstehen und rund um die Messe ein Garten. Nein, die Halle A der Wiener Messe ist nicht gewachsen und auch die Zahl der ausstellenden Galerien ist nicht geschrumpft, sondern von 114 auf 127 gestiegen. Auf die unkonventionelle Messetopografie, die all diese Stückerln spielt, darf man also gespannt sein.
Georg Schöllhammer und Hedwig Saxenhuber, die letztes Jahr im September recht spät als Nachfolger von Edek Bartz präsentiert wurden, haben die Viennafair neu aufgestellt. Die Messe mit dem Schwerpunkt "zeitgenössische Kunst aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa" hat mit dem Kuratoren- und Kritikerduo ein marktfernes Team bestellt. Allerdings ist Osteuropa geradezu ein Lebensthema der beiden und für den Messestandort Wien ihrer Ansicht nach genau der richtige Schwerpunkt: Führende Häuser, wie etwa die Tate Modern, haben ihre Sammeltätigkeit in diese Richtung verstärkt, sagt Schöllhammer. Auch für Messen wie die Art Basel und die Art Dubai sei dieser Markt zunehmend von Interesse.
"Wir haben nicht wirklich die Fronten gewechselt", sagt Saxenhuber. Ihre marktferne Position, die einige Galeristen anfangs verunsichert hat, würden sie beibehalten. Zum Beispiel dadurch, dass ein Schwerpunkt auf die Peripherie gelegt werde: Man richte eine Art kunstmarktferne Zone ein, die gemeinsam mit Institutionen aus den CEE-Ländern Künstler vorstellt, die zwar auf internationalen Biennalen vertreten sind, aber keine Galerien hinter sich haben. Während der Viennafair sollen sich dynamisch Kommunikation und Verkaufspartnerschaften mit Galerien ergeben, ist man optimistisch. Ein kleines Bisschen klingt das nach der Hund-sucht-Herrl-Sendung Wer will mich.
Mit vorsichtiger Zurückhaltung begegnen die Galeristen dieser Idee: "Ganz nett", heißt es. Oder "interessant". Als Aussteller sei man schwer beschäftigt und habe eher keine Zeit, auf der Messe neue Positionen zu entdecken, gibt Georg Kargl zu bedenken. Er hoffe aber, dass dieses Angebot funktioniere. Auch Christine König ist skeptisch: Neue Künstler finde man sehr stark aus der eigenen (Galerie-)Biografie heraus.
Vorschusslorbeeren
Andere, wie etwa Galerist Martin Janda, der in den letzten Jahren der Viennafair fernblieb und üblicherweise mehr auf internationale Messeteilnahmen setzt, hat das Konzept so überzeugt, dass sie heuer wieder mit im Boot sind. Vorschusslorbeeren gewährten nicht nur Janda, sondern alle führenden, ja im Grunde fast alle Wiener Galerien. Fehlen tut einer der jungen: Karol Winiarzyks Ressourcen frisst im Moment die Vorbereitung von Clemens Hollerers Venedig-Präsentation. Der Österreicher war für den "Future Generation Art Prize" des sammelnden Oligarchen Victor Pinchuk nominiert und ist nun in einer Gruppenschau im ukrainischen Pavillon zu sehen.
Einen weiteren neuen Schwerpunkt der auch grafisch runderneuerten Viennafair ermöglicht die OMV: Die junge Kunstszene Istanbul wird in einer offenen Architektur präsentiert (Messegestaltung: Johannes Porsch), die an den Han, den Innenhof historischer Karawansereien, angelehnt sein soll.
Und auch das in die Messe eingeflochtene Galerienprojekt curated by fügt sich im dritten Jahr stimmig wie nie in den geografischen Messeschwerpunkt: 21 Kuratoren, insbesondere aus Polen und Rumänien, rücken heuer die kulturellen Berührungspunkte zwischen Wien und Städten wie etwa Budapest, Bukarest, Vilnius oder Zagreb in den Fokus. Der finde international immer größere Beachtung, werde als positiv eingeschätzt, erklärt Galeristin Ursula Krinzinger. "Wenn, dann ist Wien der richtige Platz dafür." Die Viennafair werde zeigen, ob sich der enorme Fokus Ost halten kann, denn "eine Messe ist nur so gut wie ihre Verkaufsergebnisse". (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD/Printausgabe 10.5.2011)
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