Bregenz
(VN-ag) Auf die Frage, was er auf die berühmte
einsame Insel mitnehmen würde, antwortet der englische Künstler
Peter Fillingham schlicht mit "Alles". Bregenz ist zwar keine Insel,
das Magazin 4 in gewisser Weise aber schon und so hat Fillingham für
seine aktuelle Installation (fast) alles mitgebracht.
Jung und englisch reiht sich der dingbezogene
Essentialismus von Peter Fillingham (Jahrgang 1964) nicht zwingend
in den hochstilisierten Mainstream der Young British Art ein, wie
bereits seine Teilnahme an der Sommerausstellung des Bregenzer
Kunstvereins "Gymnasion" im vergangenen Jahr bewiesen hat.
Ein Kartengruß seines Großvaters ist nicht nur titelgebend für
seine aktuelle, konzeptuell angelegte Installation, "Our Father Who
Art in Heaven" markiert spielerisch-ernst auch die beiden Pole,
zwischen denen das Werk des Bildhauers oszilliert.
Vision ja, Utopie nein
Noch stehen die Krüge aufgereiht wie in einem Stillleben
von Morandi und die vier großen hölzernen Kisten erinnern an Judd.
Aber nur kurz, denn im wohlsortierten Durcheinander der Installation
stapeln sich Decken und Vorhänge, ein Grill, Streichhölzer, ein
Skateboard, Lampen, Sessel und vieles mehr in den Boxen. Alles
Dinge, die Peter Fillingham lieb sind, aus seinem persönlichen
Besitz und Hausrat. Gebrauchsgegenstände mit Geschichte, vornehmlich
aus den 50ern und 60ern, die der Künstler zusammengetragen hat und
als physisch präsenten Ausgangspunkt für seine Vision einer
perfekten Welt benutzt. Vision ja, Utopie nein, denn der Künstler
ist sich darüber klar, dass das Kunstwerk ein solches ist und auch
nur so und in diesem Umfeld funktionieren kann. "Es gibt viele
Künstler", so Fillingham, "die malen an ihrem Traum. Ich aber lebe
in dem Bild. Für mich ist es kein Traum mehr, sondern Realität."
Die Dinge bleiben . . .
Der Blick in die Vergangenheit, das Heraufbeschwören der
guten alten Zeit? Mitnichten. Für Fillingham richtet sich der Blick
zurück vielmehr auf die schönen Dinge, die immer noch schön sind und
in denen sich die Vergangenheit als eine Dimension offenbart, mit
der es zu leben gilt.
Vorschläge zum Umgang mit den einzelnen Objekten, allen voran den
zahlreich vertretenen Stühlen und Sesseln (zusammensitzen =
Kommunikation), demonstrieren die vor Ort aber auch an touristischen
Plätzen in Bregenz, aufgenommenen Foto- bzw. Diaserien. Die doch
einigermaßen erstaunliche Erkenntnis des Künstlers bei dieser
Aktion: "Die Dinge bleiben immer dieselben, sie verändern sich kein
bisschen mit dem Ort, der Grill ist immer noch schmutzig und ich
habe noch keines der T-Shirts getragen."
Fillingham hat Alltagsgegenstände zusammengetragen.