Das rosa Auto vom fremden Nachbarn
Ein tschechischer Kulturpfad führt vom Siebensternplatz durch den
Adlerhof in diverse Läden, Galerien bis in eine Tierarztpraxis
Es gibt drei Sorten von Passanten: solche, die prinzipiell
wegschauen. Solche, die schimpfen, wenn etwas anders ist. Und drittens jene, die
stehen bleiben, sich das rosa Ding anschauen und sagen: "Ach, das Fat Car von
Erwin Wurm" oder fragen, ob das das einst von Franz West gefärbte Auto sei. Aber
auf den Namen David Cerny, sagt Florian Leibetseder, kommt niemand. Dabei, so
Leibetseder, ist Cerny in Prag ein Begriff: "Man trifft überall auf seine
Arbeiten." Als ausgleichende Ungerechtigkeit sind heimische Künstler in
Tschechien unbekannt. Beides, meint Leibetseder, sei schade. Aber weil Jammern
nicht hilft, hat Leibetseder mitten in Wien einen tschechischen Kulturpfad
kuratiert: Vom Siebensternplatz führt dieser durch den Adlerhof in diverse
Läden, Galerien bis in eine Tierarztpraxis. Die Künstler sind auch vor Ort -
aber das bringt den Wienern nichts: Denn wer spricht hier schon die Sprache des
Nachbarn? (DER STANDARD, Printausgabe, 2.6.2004)
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