VN Sa, 3.7.2004

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Kultur 

In die Gegenwart gebeamt

Variantenreiche Raumkomposition von Werner Marxx in der Galerie K12

Bregenz (VN-ag) In seiner eigenen Galerie K12 auszustellen, damit hat Werner Marxx Bosch keine Probleme. Auch nicht damit, mit dem Polyptychon "Transfragmentäre Raumkomposition" eine monumentale Arbeit aus den 80 er Jahren zu zeigen.

Verschiebungen im Ausstellungsprogramm nutzte Hausherr und Künstler Werner Marxx Bosch (geboren 1958) kurz entschlossen in eigener Sache.

Im Zentrum steht ein siebenteiliges, über vier Meter langes Polyptychon als "Transfragmentäre Raumkomposition", in dem sich die Idee vom mittelalterlichen Flügelaltar als körperhaftes, räumliches Gegenüber mit expressiven Malstrukturen und der Weiterentwicklung malerischer Konzepte kreuzen. Definierten sich die Achtzigerjahre in der Rückblende künstlerisch dadurch, dass das Gros der Vorarlberger Künstlerschaft im Sog der Neuen Wilden gemalt hat, so erteilt Werner Marxx Bosch der Figürlichkeit eine vehemente Absage. Er wendet sich der abstrakten Malerei zu, die jeglicher inhaltlich-literarischen Aufladung entbehrt. An die Stelle von Figuration und Gegenständlichkeit treten Rhythmus, Material, Relief und die Veränderbarkeit. Raum wird zur fundamentalen Kategorie dieses Werkkomplexes und ersetzt die eindimensionale Les- bzw. Interpretierbarkeit. Der Künstler signiert in dieser Zeit noch mit Werner Boesch und wird sich erst später, in Anlehnung an den in Lustenau praktizierten Brauch des Hausnamens und seinen Großvater "Marxx" nennen.

Nicht ganz unpassend dazu ortet er jedoch damals schon seine künstlerischen Wurzeln in der Beschäftigung mit dem russischen Konstruktivismus und schreibt zeitgleich auch ein Manifest. Wesentliche Punkte darin: "Die statische Form muss zerstört werden" und "Benützt die Farben Rot, Schwarz, Weiß. Es sind die Farben gegen die Illusion, hart, klar, universell, illusionslos und unendlich ( . . .)".

Jederzeit veränderbar

Ungebrochen aktuell, was Form und Inhalt anbelangt, und obschon sich Marxx in der Zwischenzeit künstlerisch wieder neu definiert hat, lässt sich der Zeitsprung von fast zwanzig Jahren gut überbrücken. Die Fragen nach dem Erleben von Raum und Zeit scheinen an keine Epoche gebunden. So verhält es sich auch mit dem in die Gegenwart gebeamten Werk: Mit verschiebbaren, flexibeln Flügeln, die die klassische Altarform brechen, ist jede Formation des Polyptychons nur eine vorläufige, jederzeit veränderbare. Was die möglichen Konstellationen, die anhand des Modell-Folders nachgestellt werden können, betrifft, so geschieht das Gleiche auch mit dem Betrachterstandpunkt. Den einen gültigen Standpunkt gibt es nicht, mit jeder aktiven Standortveränderung verändert sich auch das Bild. In welchem Maße und welcher Intensität bleibt dem Zutun des Betrachters überlassen.

Die Ausstellung "Polyptychon II/ Transfragmentäre Raumkomposition" von Werner Marxx Bosch ist in der Galerie K12 in Bregenz, Kirchstraße, bis 24. Juli zu sehen, geöffnet Mittwoch bis Freitag 17 bis 20, Samstag 15 bis 19 Uhr.

Polyptychon von Werner Marxx Bosch: Vehemente Absage an die Figürlichkeit. (Foto: Ariane Grabher)




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