Bregenz (VN-ag) In seiner eigenen Galerie K12 auszustellen, damit
hat Werner Marxx Bosch keine Probleme. Auch nicht damit, mit dem
Polyptychon "Transfragmentäre Raumkomposition" eine monumentale
Arbeit aus den 80 er Jahren zu zeigen.
Verschiebungen im Ausstellungsprogramm nutzte Hausherr und
Künstler Werner Marxx Bosch (geboren 1958) kurz entschlossen in
eigener Sache.
Im Zentrum steht ein siebenteiliges, über vier Meter langes
Polyptychon als "Transfragmentäre Raumkomposition", in dem sich die
Idee vom mittelalterlichen Flügelaltar als körperhaftes, räumliches
Gegenüber mit expressiven Malstrukturen und der Weiterentwicklung
malerischer Konzepte kreuzen. Definierten sich die Achtzigerjahre in
der Rückblende künstlerisch dadurch, dass das Gros der Vorarlberger
Künstlerschaft im Sog der Neuen Wilden gemalt hat, so erteilt Werner
Marxx Bosch der Figürlichkeit eine vehemente Absage. Er wendet sich
der abstrakten Malerei zu, die jeglicher inhaltlich-literarischen
Aufladung entbehrt. An die Stelle von Figuration und
Gegenständlichkeit treten Rhythmus, Material, Relief und die
Veränderbarkeit. Raum wird zur fundamentalen Kategorie dieses
Werkkomplexes und ersetzt die eindimensionale Les- bzw.
Interpretierbarkeit. Der Künstler signiert in dieser Zeit noch mit
Werner Boesch und wird sich erst später, in Anlehnung an den in
Lustenau praktizierten Brauch des Hausnamens und seinen Großvater
"Marxx" nennen.
Nicht ganz unpassend dazu ortet er jedoch damals schon seine
künstlerischen Wurzeln in der Beschäftigung mit dem russischen
Konstruktivismus und schreibt zeitgleich auch ein Manifest.
Wesentliche Punkte darin: "Die statische Form muss zerstört werden"
und "Benützt die Farben Rot, Schwarz, Weiß. Es sind die Farben gegen
die Illusion, hart, klar, universell, illusionslos und unendlich ( .
. .)".
Jederzeit veränderbar
Ungebrochen aktuell, was Form und Inhalt anbelangt, und obschon
sich Marxx in der Zwischenzeit künstlerisch wieder neu definiert
hat, lässt sich der Zeitsprung von fast zwanzig Jahren gut
überbrücken. Die Fragen nach dem Erleben von Raum und Zeit scheinen
an keine Epoche gebunden. So verhält es sich auch mit dem in die
Gegenwart gebeamten Werk: Mit verschiebbaren, flexibeln Flügeln, die
die klassische Altarform brechen, ist jede Formation des
Polyptychons nur eine vorläufige, jederzeit veränderbare. Was die
möglichen Konstellationen, die anhand des Modell-Folders
nachgestellt werden können, betrifft, so geschieht das Gleiche auch
mit dem Betrachterstandpunkt. Den einen gültigen Standpunkt gibt es
nicht, mit jeder aktiven Standortveränderung verändert sich auch das
Bild. In welchem Maße und welcher Intensität bleibt dem Zutun des
Betrachters überlassen.