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Kunstberichte

Stadtindianer und Geschichtsmythen

Schirn Kunsthalle Frankfurt und Städelsches Kunstinstitut: Max Beckmanns Aquarelle und Pastelle
Illustration
- Max Beckmann: Selbstporträt (Gouache auf Pappe, 1938).  Foto: VG Bild-Kunst, Bonn

Max Beckmann: Selbstporträt (Gouache auf Pappe, 1938). Foto: VG Bild-Kunst, Bonn

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Frankfurt ohne Max Beckmann wäre wie trockenes Brot. Trotzdem sind die Papierarbeiten des Künstlers bisher auch dort wenig berücksichtigt worden. Die Kuratoren Mayen Beckmann und Siegfried Gohr mussten für ihr Werkverzeichnis in weltweit verstreuten Sammlungen suchen und entdeckten bis jetzt Unbekanntes.

Dabei erwies sich auch die Annahme als Irrtum, nach der Beckmann (1884-1950) als einer der bekanntesten Vertreter der klassischen Moderne allein mit seinen Bildern neue Wege ging. Die Grafiken, bisher nur als Paraphrasen wichtiger Gemälde angesehen, waren seine eigentlichen Ideenträger. Sie sind innovativ und humorvoll, ließen spontanes Arbeiten zu.

Das kommt drei Ausstellungen zu Gute, die derzeit in Frankfurt stattfinden: Aquarelle und Pastelle werden in der Schirn präsentiert, die frühe Druckgrafik wird im Städel parallel gezeigt, außerdem ergänzend eine Gegenüberstellung der "Apokalypse" mit neuen Arbeiten des bekannten deutschen Gegenwartskünstlers Thomas Demand im Museum moderner Kunst Frankfurt bis 27. August.

Kriegserfahrungen

Am Beginn stehen einige stark symbolistische Blätter und die hauptsächlich grafischen Arbeiten, mit denen Beckmann sein traumatisches Erleben des 1. Weltkrieges abarbeitete. Dies wirkte sich aber nicht nur auf die Themen, sondern auch auf eine Sprengung von Bildraum und Perspektive aus, der Weg in expressive Ausdrucksweise, sogar Zersplitterung von Motiven und hart kantenden Linien, war vollzogen. Ab hier erkennt jeder Beckmann als Beckmann, vorher nicht. Allegorische Szenen wie die biblischen Gleichnisse vom "Verlorenen Sohn" verdecken unausdrückbar Erlebtes.
#Geändertes Weltbild

Erst 1920 änderte sich die durch Gewalt, Nacht, Chaos und Pessimismus bestimmte Welt in Beckmanns ruhigen Frankfurter Jahren. 1925-1933 war er Professor an der Städelschule, die polemischen Anklagen wurden durch Themen wie Badende, Akte, Landschaften, Stillleben und Interieurs abgelöst. Immer bleibt aber in seiner großbürgerlichen Rolle auch die Polemik gegenüber einer Maskerade der Gesellschaft bestehen. Der Clown und Frauen mit Kerzen, eine bedrückende erotische Szene, "Begegnung in der Nacht" (1928), auf schwarzem Papier, zeigen eine pessimistische Grundverfassung, wohl auch bedingt durch das politische Chaos und die Armut der Zeit.

Farbe und Mythos machten sich ab 1925 bemerkbar und ab 1933 folgen die Aquarelle zum "Odysseus" oder "Raub der Europa", der "Schlangenkönig und Hirschkäferbraut". Sie sind Zeichen seiner Ablenkung von der kommenden Katastrophe.

Im Krieg, auf der Flucht vor den Nationalsozialisten, widmete sich Beckmann Goethes "Faust II". Im Amsterdamer und New Yorker Exil kombinierte er Tusche mit Aquarell und Gouache, aber auch Kohle. Experimentell fantastisch zum einen und sehr privat in Landschaft und Porträt zeigt sich der Künstler bis zu seinem Tod in New York 1950. Höllen, Alp-Träume, Hotelzimmer, ein Opfermahl und "Die Hunde werden größer" (1947) runden ein fulminantes Lebenswerk ab.

Schirn Kunsthalle Frankfurt

Bis 28. Mai

Städelsches Kunstinstitut

Der frühe Max Beckmann

Bis 11. Juni

Fulminant!

Mittwoch, 29. März 2006


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