Salzburger Nachrichten am 4. Oktober 2005 - Bereich: kultur
Lentos-Chefin unter Druck

Die Besucherzahlen im Museum Lentos sinken, die Einnahmen schrumpfen. Linzer Politiker stellen das Management sowie die Ausrichtung in Frage.

Berthold SchmidLinz (SN). Bleibt Stella Rollig dem Linzer Museum Lentos als künstlerische Leiterin bis zum Ende ihrer Vertragszeit 2009 erhalten? Wird ihr Agnes Husslein nachfolgen, die mit Jahresende 2005 ihr Engagement in Salzburg beendet?

"Die Besucherzahlen und die lukrierten Eintrittsgelder sind erschreckend niedrig", so beschrieb der Linzer Stadtrat Klaus Luger (SPÖ) die nach seiner Meinung dramatische Situation. 28.160 Besucher und 84.000 Euro an Einnahmen im ersten Halbjahr 2005 seien angesichts von einem Jahresziel von 240.000 Euro zu wenig. Im Jahr davor hätten immerhin noch 81.005 Menschen das Lentos besucht. Die Stadt Linz, die für das Lentos sowie das kleinere Museum Nordico pro Jahr drei Millionen Euro zuschießt, will keine weiteren Abgänge finanzieren müssen. Etwa 85.000 Euro zusätzlichen Abgang habe das Lentos für das erste Halbjahr 2005 bereits gemeldet.

Vizebürgermeister und Kulturreferent Erich Watzl (ÖVP) sieht Stella Rollig als Lentos-Chefin vorerst nicht gefährdet: "Sie hat einen Vertrag bis 2009, und ich glaube nicht an eine vorzeitige Auflösung ihres Vertrages, aber wir werden über weitere Vorgaben und Ziele miteinander sprechen", sagte er im SN-Gespräch. "Können diese nicht erreicht werden, wird man nach anderen Lösungen suchen müssen."

Dass Agnes Husslein, deren Vertrag als Direktorin des Salzburger Museums der Moderne heuer ausläuft, Stella Rollig beerben könnte, wie seit Tagen kolportiert wird, ist unwidersprochen. Husslein sagte am Montag den SN: "Ich habe davon gehört, und ich bin nach allen Seiten hin offen und interessiert."

Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) sagte den SN: "Ich kenne Frau Husslein persönlich nicht, habe mit ihr nie gesprochen. Doch die Diskussion hat einen realen Hintergrund. Wir werden jetzt abwarten, wie sich das beschlossene Programm fürs nächste Jahr entwickelt. Tatsache ist, dass sich die Attraktivität des Lentos deutlich verbessern muss. Ändert sich nichts, wird das Management und die inhaltliche Ausrichtung in Frage zu stellen sein."

Hier liegt die Chance für Agnes Husslein: Mit einer Besucherzahl von bislang 75.254 im heurigen Jahr schlägt das Museum der Moderne auf dem Mönchsberg das Lentos um Längen. 72.000 Menschen waren 2004 in drei Monaten nach der Eröffnung ins neue Museum auf den Mönchsberg geströmt.

Die Antwort von Stella Rollig: Es sei klar, dass nach einer Eröffnung anfänglich hohe Besucherzahlen zurückgehen. "Ein Museum zeichnet sich mit verschiedenen Erfolgsfaktoren aus", sagte sie. "Das Lentos hat bereits sehr schöne Veranstaltungen gehabt und ist in den internationalen Medien gut vertreten. Im Herbst werden wir an zwei EU-Projekten beteiligt sein. Jetzt gilt es, uns weiter zu positionieren und stabile Zahlen zu erreichen."