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Salzburger Nachrichten am 22. August 2006 - Bereich: Kultur
Im Licht vereint sich Kunst mit künstlich Die Salzburger Galerie Nikolaus Ruzicska zeigt eine neue Ausstellung der Wiener Lichtkünstlerin Brigitte Kowanz GUDRUN WEINZIERL Gudrun Weinzierl Salzburg (SN). Die Künstlerin Brigitte Kowanz macht seit mehr als fünfundzwanzig Jahren Kunstwerke aus künstlichem Licht, das zugleich Material, Medium und Thema ist. Anlässlich einer Ausstellung ihrer Werke in der Salzburger Galerie Ruzicska, die Ende der Vorwoche eröffnet wurde, erläutert sie ihre Arbeit im SN-Gespräch. Künstliches Licht als Material und Inhalt der Bildenden Kunst wie auch in der Gestaltung von Bühnenräumen wird seit rund 120 Jahren eingesetzt. Es ist längst nichts Neues mehr. Was reizte Sie an diesem Stoff? Kowanz: Meine Aufmerksamkeit, mich mit dem Licht zu beschäftigen, kam aus Fotografie, Film und Video, neuen Medien - also aus Bereichen, für die Licht der Träger der Bilder ist. In einer kurzen Phase arbeitete ich daran, Malerei in Lichtbilder aufzulösen, dazu verwendete ich erstmals Kunstlichter, spezielle Fluoreszenzlichter, die sich scheinbar vom Grund loslösten und im Raum frei schwebten. Ab dann hat sich das Licht verselbstständigt, und es wurde zu meinem Material, mit dem ich skulptural, installativ oder malerisch konzeptuell weiterarbeitete. Das Faszinierende an Licht ist der Ursprung jeder Sichtbarkeit, das Licht selbst ist aber nicht wahrnehmbar. Licht braucht immer Material, um sich zu zeigen. Licht war schon immer Thema der Malerei. Licht lenkte die Aufmerksamkeit des Betrachters oft auf das Symbolische oder das Spirituelle. Gibt es auch in Ihren Werken diese metaphorische Verwendung? Kowanz: Licht ist insofern für mich Metapher, als es Leben ist. Mein Interesse hat sich aber verschoben, hin zum Informationsgehalt des Lichtes. Das selbst ist wieder eine Metapher für das Kennen und Erkennen. In unserer Gesellschaft ist Licht ein Träger für Informationen. Licht hat eine Doppelnatur, es kann sich als Welle zeigen, und es kann sich als Teilchen zeigen. Diese Grundlage setzt sich fort als Metapher des Realen und des Immateriellen, des Sichtbaren und des Unsichtbaren zugleich.Obwohl Lichtkunst steril und entmenschlicht wirkt, braucht sie Betrachter. Sind Spiegel das Bindeglied? Kowanz: Spiegel setze ich ein, um Grenzen zu überbrücken und sie aufzulösen. Sie führen und vermehren das Licht. Als Betrachter befindet man sich im realen Raum, und durch die Spiegel erfährt man den Zutritt in den virtuellen Raum der Installation. Endlose Spiegelungen heben einen immer weiter hinein in den endlosen Raum.In der Salzburger Galerie Ruzicska haben Sie für diesen Ausstellungsraum diese Installation geschaffen. Was ist die Botschaft dieser Lichtobjekte? Kowanz: Die einzelnen Objekte stehen zueinander und zur Architektur des Raumes in Bezug, sind aber auch einzeln zu lesen. Anders als in der Arbeit mit LEDs ("Light Emitting Diode" oder Leuchtdiode, das sind sehr helle, einfarbige Leuchtkörper) geht es beim Einsatz von Neonlicht um körperhaftes Licht. Die Neonröhre ist ein Körper und wirkt mit ihrem Licht linear und expansiv, während das LED punktförmig und statisch wahrgenommen wird. Thematisch geht es um Lichtzeichen, Lichtcodes und ihre Wirkung im Raum: Das Ellipsoid am Eingang besteht aus einer dreidimensional zusammengesetzten Neonschrift: Wiederholt ist in Handschrift das Wort "motion" (Bewegung) zu entziffern. "Motion" wird in Verbindung gebracht mit der Wahrnehmung von "change" (Wechsel), dargestellt durch leuchtende Notenlinien. Zwischen den Neonlinien tauchen reflektierend die Noten c, h, a, g, e auf. Je nach Blickwinkel wechselt die Reflexionsfolie der Noten zwischen silbrig grau und gleißend weiß, so dass man fast auch die Tonhöhen akustisch zu erleben glaubt. Die den Noten gegenüberliegende Wand bricht die Notenlinien auf, die Noten werden zu einer alphanumerischen Information: "Change" wird durch die Zahlen 3, 8, 1, 5, 7, 14 deutlich gemacht. Bewegung und Wechsel im realen wie virtuellen Raum werden durch vier weitere Lichtobjekte in eine andere Bedeutungsebene gehoben. Mittels Voll- bzw. Zweiwegspiegeln wird der Raum in die Unendlichkeit ausgedehnt, Lichtstäbe und geschwungene Lichtlinien, auch Lichtschrift wird lesbar: Ein leuchtender Stern wurde aus dem Wort "exit" geformt, spiegelt sich mehr-, hundert- , tausendfach, unendlich oft und öffnet so dem Betrachter den Blick in den endlosen Raum.Information: Ausstellung in der Galerie Ruzicska, Faistauergasse 12, Salzburg, bis 30. September. Anlässlich dieser Ausstellung erscheint im September eine Monografie über das Werk Brigitte Kowanz'. |