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| 20.03.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Provinzialität und Genie | ||
| VON PAUL KRUNTORAD | ||
| Herbert Boeckl. Am Markt und in der Kunstgeschichte. | ||
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A Herbert Boeckl ist der jüngste im Quintett der Maler, die am Anfang der österreichischen Moderne stehen: Schiele und Kokoschka sind heute weltberühmt, Richard Gerstl und Max Oppenheimer wurden lange Zeit als Geheimtipps gehandelt. Aber es war Boeckl, der in den ersten beiden Jahrzehnten nach Kriegsende in Österreich die größte Präsenz hatte. Vom Ständestaat 1935 an die Akademie berufen, gab Boeckl nach Hitlers Einmarsch seine Meisterklasse auf und wich in den unauffälligeren "Abendakt" aus. An der Ausstellung Kärntner Malerei, 1941 in Salzburg, nahm er, anders als die Maler des Nötscher Kreises, vorsichtigerweise gar nicht teil. Aus Selbstschutz wurde er 1941 Mitglied der NSDAP. Fünf Mal nahm er von 1932 bis 1964 an der Biennale Venedig teil. Und auch nach seinem Tod gab es kaum ein Jahr ohne größere Boeckl-Ausstellung. Seine eigenwillige Persönlichkeit wurde bald zur Legende,
die das Einzigartige seines Talents überschattete. Man rechnet ihn dem
Expressionismus zu, doch in der Frühzeit entstand eine Werkgruppe, die
diese Zuordnung ebenso sprengt wie die Bilder der letzten zwei Jahrzehnte.
Zwischen 1928 und 1945 geriet Boeckl in eine Krise, die er durch
Frömmigkeit zu überwinden suchte. Seine Rekatholisierung stand allerdings
im Einklang mit der Ideologie des Ständestaats, der sie ihm mit
österreichischem Staatspreis und Akademieprofessur lohnte. Das früheste Bild der Belvedere-Schau, "Bruno Grimschitz" (1915), macht verständlich, warum Schiele seinen jüngeren Kollegen an seinen Kunsthändler weiterempfahl, ebenso wie das bei Hassfurther gezeigte "Bildnis Kurt Plahna" (1917). Von 1920 bis 1931 war Boeckl bei Gustav Nebehay unter Vertrag. In dieser Zeit erwarb der Direktor der Österreichischen Galerie, Franz Martin Haberditzl, die Schlüsselbilder, die heute im Belvedere hängen. Mit dem "Stillleben mit toter Krähe" und "Stillleben mit
toter Taube" (Leopold Museum) sowie dem "Eichelhäher", einer privaten
Leihgabe an Hassfurther, näherte sich Boeckl früh den Grenzen der
Gegenständlichkeit. Den Weg in die Abstraktion freilich mochte er ebenso
wenig gehen wie die anderen Expressionisten seiner Generation. Er wurde
einerseits konventioneller in der Behandlung der Sujets, andererseits
frappierte schon beim jungen Maler die Sicherheit, mit der er sich die
Lektionen der französischen Moderne, insbesondere Cézannes, aneignete
(abzulesen an der Version des Belvedere-"Erzbergs"). Boeckl, dessen Werk
die Spannung zwischen Provinzialität und superber Begabung zeigt, war kein
Intellektueller, doch etliche nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene
Bilder zeigen seine Fähigkeit zur analytischen Durchdringung, etwa die
Serie "Dominikaner" (1948). Nur 24 der 74 bei Hassfurther ausgestellten Werke sind käuflich, mit Spitzenpreisen (240.000 bzw. 230.000 €) für "Vier Töchter des Künstlers" (1930) und die Ölskizze "Die Leiche eines Jünglings" (1931). Zwar gelangen Boeckl-Bilder regelmäßig in Auktionshäuser, doch vor allem in heimische wie Dorotheum und "Im Kinsky". Es war in der Vergangenheit Hassfurther selbst, der bemerkenswerte Ergebnisse erzielte, mit 1994 umgerechnet 280.000 € für den "Steinbruch bei Töschling I" (heute Sammlung Leopold). Im gleichen Jahr - dem Jahr der Retrospektive im Kunstforum - brachte bei Sotheby's ein "Stillleben mit Stör und Aal" (1928) rund 90.000 Pfund. Angesichts dieser geringen Frequenz des Angebots im Kunsthandel ist allerdings keine Tendenz ablesbar. Jedenfalls keine steigende. |
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