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27.07.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung
"Da plage ich mich mit der Moderne"
VON ALMUTH SPIEGLER
Salzburg. Exklusive Privatsammler, alteingesessene Galerien und eine neue Messe.

D
ie Strände von Krk müssen heuer warten - der Wiener Galerist Ernst Hilger, der 1972 gemeinsam mit den heutigen Besitzern Mario und Waltraud Mauroner die Galerie Academia in der Salzburger Residenz gründete, ist heuer erstmals auch selbst wieder geschäftlich in der Festspielstadt präsent: In der "Sala Terrena" der Universität zeigt er unter dem Titel "Human Touch" einen Querschnitt durch sein Programm - darunter die düstren Malereien von Julie Monaco und die animierten Zauberbilder von John Gerrard. Die teure Miete teilt er sich mit einem Nobel-Uhrenproduzenten und einem Juwelier.

Hilger ist neben Salzburg-Stammgast Heike Curtze, wie jedes Jahr in der Wiener Philharmoniker-Gasse 2, heuer die einzige Wiener Galerie, die sich den heißen Festspielsommer antut. Vor einigen Jahren mischten sich unter die über 30 Salzburger Galerien noch regelmäßig Gäste - Lukas Feichtner etwa, Mayer Kainer oder die deutschen "Magers Sprüth". Zu viel zu tun mit Messen ist die häufigste Erklärung. Oder fehlende attraktive Räume.

Daran scheiterte heuer auch Ursula Krinzinger, die "etwas sehr Großes" mit internationalen Kollegen geplant hatte - wie schon 2002 übrigens. Und wieder ging es mit der "zentralen Location" schief. "Ein Salzburger Spiel", meint die Galeristin, die allein schon "zwei, drei" Festspielsommer in Salzburg bestritten hat, zur "Presse". Mehr will sie über ihr Projekt nicht sagen - und hofft auf nächstes Jahr. Denn: "Das Geschäft war für mich immer gut, trotz des Aufwands."

Kein Wunder - in Salzburg leben Kunstsammler wie Berater Anton Schmölzer, Herbert Gaar (Hugo Boss Österreich) oder Nobel-Blumenhändler Josef Neuhauser. Unter dem Festspielpublikum befinden sich sowieso immer wieder Kunst-Kenner - und in letzter Zeit siedelt sich auch fix immer mehr internationale Klientel in der Mozartstadt an. Jüngster Zuwachs ist "Muck" Flick, der zwar nicht wie Bruder "Mick" Zeitgenössisches, dafür aber u. a. alte Kunst sammelt.

Ein Sektor, der gemeinsam mit der klassischen Moderne in Salzburg ebenfalls hochrangig abgedeckt ist - zu Ostern gibt es die erfolgreiche Antiquitätenmesse in der Residenz, ab 1. August wird der Münchner Altmeister-Großhändler Bernheimer im Schlosshotel Fuschl eine kleine Filiale betreiben. Und neben der traditionsreichen Galerie Welz findet sich seit 1994 mit "Salis & Vertes" eine der führenden Adressen für europäische Kunst des späten 19. und des 20. Jahrhunderts am Alten Markt. Ende 2006 aber heißt es umziehen für Laszlo von Vertes und Thomas von Salis - in den ersten Stock eines schönen Barockhauses am Mozartplatz 4.

In der gleichen internationalen Kategorie, nur im zeitgenössischen Bereich, spielt natürlich Thaddaeus Ropac, Österreichs erfolgreichster Galerist, der sich neben seinem Schlösschen am Mirabellplatz noch ein Flaggschiff in Paris leistet. Sein Ex-Mitarbeiter Nikolaus Ruzicska sperrte vor zwei Jahren eine eigene Galerie auf (Faistauerg. 12) - und ist zufrieden. Obwohl ihm "immer mehr bewusst ist, dass Salzburg nicht Teil des boomenden Kunstmarkts ist. Wenn meine Galerie etwa in London stünde, wäre ich vor den Eröffnungen ausverkauft", sagt er zu "Presse". So konzentriert er sich vermehrt auf seine Stammkunden.

An der neuen Kunstmesse "Art Salzburg" wird auch er - wie fast alle Salzburger Galerien - nicht teilnehmen: "Das Konzept hat mich nicht überzeugt." Von 12. bis 15. August gastieren im "MECs Mode & Eventcenter" 32 Galerien, darunter Artmark, Suppan, Knoll. Die Auswahl wurde unter Vorsitz von Albertina-Chef Klaus A. Schröder getroffen.

Ebenfalls nicht auf der Messe zu finden sein wird Ferdinand Altnöder, der seit 23 Jahren in der Sigmund Hafner Gasse 3 österreichische Künstler wie Mosbacher oder Oberhuber vertritt. Von ihm kommt die stärkste Kritik am Salzburger Markt: Seine großteils in Wien lebende Klientel kommt nicht mehr wie früher zu den Festspielen. "Das Publikum legt mehr auf Sehen und Gesehenwerden wert als auf Kultur", meint er. "Unter Mortier hat sich das Publikum verjüngt, war offener, ausgeschlossener. Unter Ruzicka ist es wieder konservativer geworden - da plage ich mich mit der Moderne mehr."

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