„Elles@centrepompidou“ heißt eine beneidenswerte Ausstellung, die das Pariser Museum zurzeit allein dem weiblichen Teil seiner Sammlung widmet. Ein solches Statement gab es von derart offizieller Seite noch nie. Dafür muss man sonst in den „Untergrund“ gehen beziehungsweise in die Off-Szene ausweichen.
In Wien etwa in eine Passage am Bauernmarkt, wo seit Mai der Kunstverein Coco (Contemporary Concerns) zwei Ausstellungsräume und eine Bar betreibt. Die Eröffnungsschau von Kurator Severin Dünser und Künstler Christian Kobald widmet sich ebenfalls allein den Künstlerinnen, wobei sich die beiden der befremdlichen Rolle, dass zwei Männer über lauter Frauen bestimmen, durchaus bewusst waren und offensiv gegenzusteuern versuchten.
Indem sie den eingeladenen Künstlerinnen so viel Freiraum wie
möglich zugestanden. Auch der Ausstellungstitel „Revolver“, der sich
vom Englischen ableitet und umkreisen, sich um etwas drehen bedeutet,
betont die respektvolle Annäherung der beiden. Und umschreibt das
Konzept: Die Künstlerinnen waren aufgefordert, zusätzlich zu einer
Arbeit auch Dinge zu schicken, die mit der Entstehung der Arbeit zu tun
hatten. „Was schwirrt, dreht sich um Arbeiten herum?“, fragten sich die
Kuratoren. Das können Bücher, Plattencover oder die Songs sein, die sie
im Atelier hören, wie Betty Tompkins sie per iPod schickte.
Zensurstar.
Die 1945 geborene US-Künstlerin ist ein Zensurstar der frühen
feministischen Kunst. Ihre in den 70er-Jahren fotorealistisch gemalten,
großformatigen „Fuck Paintings“ wurden erst in diesem Jahrtausend
bekannt und scheitern regelmäßig am Pornografieverdacht bei
Zollkontrollen, zuletzt in Japan. 1973 übrigens auch in Frankreich.
Heute hängt ihr „Fuck Painting No. 1“ im Centre Pompidou, in der
„elles“-Ausstellung. Und eines eben bei Coco.
In jeder Hinsicht abstrakter geht die Sache Lorna Macintyre an; sie huldigt Apollo, dem Gott der Künste und der sittlichen Reinheit. Mit ihrer äußerst fragilen Harfeninstallation, die aus einem Steinsockel, einem Stahlbogen und einer daran hängenden goldenen Kugel besteht, zeigt sie aber auch, wie all dieses Hehre nur durch eine Berührung zerbrechen kann.
Sehr wohl zugreifen darf, soll man bei Nina Beiers Plastilinkopf.
Hier soll aus dem kollektiven Gedächtnis heraus ein junges Männerbild
entstehen. Diese Ausstellung mit insgesamt elf Künstlerinnen und elf
anspruchsvollen Arbeiten samt Umkreisungen stecken das Niveau dieses
jungen Kunstvereins jedenfalls hoch. Unterstützer, Förderer und
„Wohltäter“ werden noch gesucht.
Bis 12.7., Do–Sa 16–20h, Bar 18–2h.
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