Wiener Auktionshäuser offerieren Arbeiten von
Wilhelm Thöny und Franz Graf
Distanz und Verbundenheit
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Wilhelm Thönys "Haus in Sanary-sur-Mer" (1935/36), zu ersteigern beim
Auktionshaus im Kinsky.
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Von Nina Schedlmayer

Österreichische Kunst von internationalem Rang bei Wiener Auktionen.

Versteigerungen am 22. und 23. Juni.
"Tief
im Süden wartet unser ein verträumter Ort mit Palmen, Feigenbäumen und
den silbergrauen Oliven. Seine zauberische Bucht und die äußerst billige
Lebenshaltung ziehen Intellektuelle, Dichter und Maler dorthin." Dies
bemerkte der österreichische Maler Wilhelm Thöny (1888–1949) in den 30er
Jahren über seinen Sehnsuchtsort Sanary-sur-Mer an der südfranzösischen
Küste. Thöny, in Graz geboren und Mitbegründer der dortigen Secession,
wurde es 1931 in Österreich zu eng – Provinzialität und Nationalismus
ließen ihn in die Kunstmetropole Paris gehen, wo er in Kontakt mit
Avantgarde-Strömungen kam.
Thönys französische Zeit ist, so meint Wieland Schmied in seiner
Monografie, "die fruchtbarste und vielleicht auch glücklichste Periode
seines Lebens". Im Trubel der Großstadt und im Licht des Südens löste
sich Thönys Strich, wurden seine Bilder luftiger – wie sich in dem
Gemälde "Haus in Sanary-sur-Mer" von 1935/36, das am 22. Juni im Kinsky
in Wien versteigert wird (Taxe 40.000 Euro), mustergültig zeigt.
Bedeutsame Leerstellen
Die Offenheit und Lockerheit einer Komposition wie "Haus in
Sanary-sur-Mer" lassen das Bild wie eine Ölskizze, wie ein Aquarell
erscheinen. "Wie in den Zeichnungen", notiert Schmied, "stört es den
Künstler nicht, wenn zwischen den farbigen Chiffren und Tupfen Partien
leer stehen bleiben und der Grund der Leinwand oder des Kartons
mitspielt." Die Bedeutung von Leerstellen lässt sich auch in Thönys
undatiertem Selbstporträt erkennen: einer Tuschezeichnung, die ebenfalls
im Kinsky offeriert wird (1500).
Einen Tag später wird auch im Dorotheum eine Arbeit von Thöny
versteigert – "Abendgesellschaft" (2000), eine ebenfalls undatierte
Federzeichnung, auf der Uniformierte und Frauen im Abendkleid, nervös
gestrichelt, miteinander ganz offensichtlich nicht kommunizieren,
sondern bloß repräsentativ herumzustehen scheinen; ein gelungener
Kommentar auf die New Yorker High Society.
Wenn Wieland Schmied für Thönys Kunst eine "Ambivalenz von Distanz
und Verbundenheit" als charakteristisch erachtet, so könnte diese
Einschätzung ebenso auf die Arbeiten des 1954 geborenen Franz Graf
zutreffen. Auch von ihm werden im Kinsky und im Dorotheum zwei Arbeiten
versteigert – eine "Skulptur-Installation" von 1994 (8000) und eine
unbetitelte Serie mit Zeichnungen von 1996 (15 Blätter zu jeweils 41,5
mal 27,5 cm, Taxe: 8000 Euro). Graf ist im Wiener Kunstbetrieb längst
eine legendäre Erscheinung – dennoch sind seine Werke noch relativ
günstig, vergleicht man sie etwa mit Arbeiten von Erwin Wurm, in der
Auktion im Kinsky etwa durch die Kleinskulptur "Guggenheim-melting"
vertreten (30.000), im Dorotheum durch eine kleine Zeichnung von 1986
(33 mal 25,5 cm, 2800). Doch anders als die recht zugänglichen Arbeiten
des gleichaltrigen Wurm sind jene von Franz Graf sperriger. Dennoch ist
für Otto Hans Ressler, Direktor des Auktionshauses im Kinsky, "fast
nicht nachvollziehbar, warum er nicht mehr kostet".
Grafs künstlerische Methode ist, wie in der "Skulptur-Installation"
geradezu exemplarisch sichtbar wird, das Sampling, der Remix – er
"agiert wie ein polyphoner Synthesizer", schreibt Hans-Peter Wipplinger,
Direktor der Kunsthalle Krems. Hier etwa setzt er eine Texttafel,
verschiedene Fotografien, die er mit geometrischen Figuren versetzt, und
ein Muster aus sechs Kreisen in einen dreidimensionalen Bezug
zueinander. Bis auf ganz wenige Ausnahmen arbeitet Graf stets in
Schwarz-Weiß, auch in seiner Serie im Dorotheum.
Ornament mit Provokation
Diese führt ebenso beispielhaft sein künstlerisches Prinzip vor –
nämlich die Frage danach, auf welche unterschiedliche Arten Dinge
kombiniert werden können und in welche Kommunikation sie dadurch treten.
Graf spielt darin musterartig verschiedene Kreisformen durch. Seit
jeher widmete er sich geometrisch-dekorativen Formen. Doch das
Ornamentale, Dekorative ist nie Selbstzweck; häufig durchsetzt Graf es
auch mit provozierenden oder erschreckenden Inhalten.
Dies lässt sich noch bis 27. Juni in der Kunsthalle Krems beobachten,
die Grafs erste groß angelegte Einzelausstellung ausrichtet. Dafür
ordnete er seine Werke assoziativ an: Da gibt es Ecken, in denen sich
Sex-Motive aneinanderreihen, anderswo akkumuliert er Pflanzen-Ornamente
und Skelett-Fragmente. Hier wird klar, was Donald Kuspit meint, wenn er
schreibt: "Grafs Installationen haftet eine allgemeine Aura von
Weltabgeschiedenheit an, Raum, der mit sich selbst kommuniziert (.. .).
In der Tradition von Nichtobjektivität hat Graf eine neue
geometrisch/räumliche Komplexität entworfen. Sein Schaffen ist eine Art
geometrischer Akt von skulpturaler Darstellung."
Kunst und Auktionen:
In Kooperation mit Kunst und Auktionen .
Printausgabe vom Samstag, 12. Juni 2010
Online
seit: Freitag, 11. Juni 2010 19:58:13
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