"Es muss wohl etliche Dinge geben, bei
denen ein heißes Bad nicht weiterhilft, aber mir sind nicht viele
bekannt", sagt die belgische Modedesignerin Veronique Branquino. Bei
Liebeskummer und allgemeinem Lebensüberdruss, aber auch einfach nur zum
Nachdenken steigt sie in die heiße Badewanne. Denn nirgends anderswo fühlt
sie sich so mit sich eins.
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| V. Branquinho, Phoenix
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Was liegt also näher als Modedesign
und Badkultur miteinander zu verquicken. So getan im Wiener Unit F Büro
für Mode, das ab 2. Februar Visionen von vier jungen Designern, die
allesamt zur internationalen Fashion-Avantgarde gehören, zu diesem Thema
zeigt.
Grenzüberschneidende Installationen
Mode im engeren Sinn wird freilich nicht vorgeführt. Das würde auch den
Intentionen von Unit F widersprechen, das die Vernetzung von Mode, Kunst,
Fotografie, Musik und neuen Technologien erreichen will. Vielmehr sollen
die grenzüberschneidenden Installationen einerseits Hinweise auf das
Umfeld geben, in dem die Modekreationen der Designer entstehen, und
andererseits die zunehmende Tendenz der Mode zeigen, sich mit Bedeutung
aufzuladen.
Soap on a Rope
Dem eng gefassten Modebegriff am nächsten kommt noch der 1973 in Kansas
City geborene Jeremy Scott, der mit seinen vor allem von den achtziger
Jahren inspirierten Kreationen mittlerweile als Paradiesvogel der Pariser
Modeszene gilt. Das Foto eines männlichen Models mit Scotts "Soap on a
Rope" um den Hals schoss ein Freund, Karl Lagerfeld.
"Ich habe eine Glycerinseife verwendet, die nach Wald oder Zeder
riecht. Das hat für mich etwas sehr Männliches", erläutert Scott das Foto.
Dass er ein Foto beisteuert, ist kein Zufall. "Ich war immer schon
besessen von Bildern und denke mir bei meinen Modeschauen immer Szenen
aus, die gut auf Fotos wirken", so Scott. Außerdem zu sehen: Ein weißer
Bademantel in einem Plexiglaskasten, der auf dem Rücken mit Scotts Logo in
Goldlettern bestickt ist.
Isolation und Selbstbegegnung
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| Raf Simons, Isolated Heroes No.1
Robbie |
Der belgische Stardesigner Raf
Simons schließlich hat eine schwarz-weiße Installation ohne Titel
entwickelt, die sich mit dem Badezimmer als Raum der Isolation und der
Begegnung mit sich selbst beschäftigt. Untermalt wird das Ganze mit heißem
Rock von Motörhead und deren Logos.
Inspirationsquelle Horrorfilm
Inspiriert haben Simons, der seit vergangenen Herbst Gastprofessor an
der Universität für Angewandte Kunst in Wien ist, aber auch Szenen aus
Horrorfilmen. Also nicht gerade das, was dem Werbe-Klischee von
Badezimmern entspricht. Nette Menschen mit wunderschönen Körpern sucht man
vergebens. "Ich wollte etwas finden, dass mit der Welt in Verbindung
steht, die ich repräsentiere. Und das sind eben nicht Kleidung oder Jungen
in Duschen und solche Dinge."
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| Bernhard Willhelm, Gehäkeltes
Badezimmer |
Bernhard Willhelm wiederum
steuert ein "gehäkeltes Badezimmer" bei. Seine Vorstellung von einem
perfekten Bad, das er an einem perfekten Tag allerdings nie vor zwei Uhr
nachmittags betritt.
Symbol für Reinheit
Veronique Branquinho - Jahrgang 1973 - nähert sich dem Thema
literarisch. Zwei Schwarz-Weiß-Foto-Triptychen beziehen sich auf Sylvia
Plaths Roman "Die Glasglocke", in dem die Autorin das Baden als seelischen
Reinigungs- und Heilungsprozess beschreibt. "Phönix 1" zeigt ein Mädchen,
das in einer mit klarem Wasser gefüllten Badewanne liegt. In "Phönix 2"
(siehe erstes Bild) erhebt sich das Mädchen wie eine Galionsfigur in einem
weißen Gewand aus der Badewanne. Symbol für ihre wiedererlangte
Reinheit.
Wirtschaft und Mode
Die Ausstellung, die zuvor bereits im Pariser Kaufhaus Colette zu sehen
war, ist übrigens ein Projekt der deutschen Bad-Armaturenfirma Dornbracht,
die im Rahmen der "Statements"-Reihe seit 1997 Künstler, Musiker,
Schriftsteller, Fotografen und Designer einlädt, freie Interpretationen
zum Thema Badkultur zu entwickeln. Im Anschluss an Wien wandert die Schau
nach Berlin und New York. Der begleitende Katalog enthält Interviews mit
den Designern.
Links: Unit F
Unit
F bei ORF ON Kultur