Kostspielige Nabelschau

38 Einzelausstellungen und 10.000 Aufführungen in vier Städten sollen ein neues Bild auf die Schweiz entwerfen. Das Budget dafür beträgt rund eine Milliarde Euro.


Ab 15. Mai leistet sich die Schweiz nach einer Pause von fast 40 Jahren wieder eine Landesausstellung. Bis zum 20. Oktober werfen die Eidgenossen in 38 Einzelausstellungen auf fünf Ausstellungsgeländen, den so genannten "Arteplages", und rund 10.000 Aufführungen von Theater, Tanz, Musik und mehr im Drei-Seen-Land im Westen der Schweiz einen "Blick auf sich selbst". Aber auch über "das Spiegelbild des Blicks von außen", wie der Schweizer Botschafter in Österreich, Johann Bucher, heute, Donnerstag, bei einer Pressepräsentation der "expo.02" in Wien meinte. Neben zahlreicher Schweizer Beteiligung sind auch namhafte internationale Größen wie Laurie Anderson oder Robert Wilson bei der expo vertreten.

Lange Vorgeschichte

Die Vorbereitungen der Mega-Schau waren von Terminverschiebungen und Finanzierungsproblemen geprägt. 1995 in Auftrag gegeben, war die insgesamt sechste Schweizer Landesausstellung eigentlich für 2001 geplant, jedoch im Jänner 2000 aus Zeit- und Budgetgründen auf 2002 verschoben worden. Die Hälfte des nunmehrigen Gesamtbudgets von rund 930 Mill. Euro sollten ursprünglich Sponsoren beibringen, doch obwohl so viele Sponsorengelder wie nie zuvor in der Schweiz gesammelt wurden, konnte dieser Betrag nicht aufgebracht werden.

Finanzierungsprobleme

Öffentliche Nachfinanzierungen und politische Verwerfungen waren die Folge, der letzte Zusatzkredit in der Höhe von 120 Mill. Franken (81,7 Mill. Euro) wurde erst im März dieses Jahres vom Schweizer Nationalrat gewährt. Nun sind die Kosten zu je einem Drittel auf Sponsoren, Bund und Einnahmen verteilt.

Etwaige Ausfälle bei den Einnahmen würden ebenfalls vom Bund abgedeckt, wie die aus Österreich stammende künstlerische Leiterin der Expo-Ausstellungen, Eva Afuhs, versicherte. Rund vier Millionen Besucher und zehn Millionen verkaufte Tickets werden bei der unter der künstlerischen Leitung von Martin Heller, der 1999 der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist nachfolgte, realisierten "expo.02" erwartet - "sehr moderat geschätzt", so Afuhs. Insgesamt 8.000 Mitarbeiter werden zur "expo.02" beitragen.

Arteplage Biel
Arteplage Biel

Multilokale Präsentation

Die "expo.02" ist die erste Schweizer Landesausstellung, die in mehreren Städten stattfindet. Biel, Murten, Neuchatel (wo die Expo-Zentrale beheimatet ist) und Yverdon-les-Bains sind die Standorte der fixen Arteplages, eine mobile fünfte Arteplage wird auf den verbindenden Seen unterwegs sein. Jeder Standort hat ein eigenes Motto: "Macht und Freiheit" in Biel, "Augenblick und Ewigkeit" in Murten, "Natur und Künstlichkeit" in Neuchatel, "Ich und das Universum" in Yverdon-les-Bains sowie "Sinn und Bewegung" in der mobilen Arteplage Jura. Bis auf die letztere befinden sich die "Arteplages" - der Begriff ergibt sich aus "Kunst" und "Strand" - jeweils zu einem Teil am Wasser und einem Teil am Ufer.

Le Palais de l'Equilibrie in Neuchatel
Le Palais de l'Equilibrie in Neuchatel

Fortwährende Neudefinition

Ziel der Landesausstellungen sei, dass die Schweiz sich "selbst befragt und selbst darstellt, nicht im Sinne des Triumphalischen, sondern der eigenen Identität", schilderte Bucher. So wurden beispielsweise für das Projekt "sWISH*" die Schweizer im vergangenen Jahr nach ihren Wünschen für die Schweiz befragt, die Ergebnisse werden auf der "expo.02" präsentiert. Diese Selbstschau sei für die Schweiz besonders wichtig, da sich in ihr unabhängige Kulturen zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen hätten, die es immer wieder neu zu definieren gelte, so Afuhs. Die Gründe für diesen Zusammenschluss seien ursprünglich keine kulturellen oder politischen, sondern "rein wirtschaftliche" gewesen. Daher sei die regelmäßige Frage nach den kulturellen Gemeinsamkeiten "so wichtig".

Link: expo.02

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