01.06.2003 21:40
Startschuss für das Gironcoli-Museum
Eröffnung im Park des oststeirischen Schlosses Herberstein Ende 2004
geplant
Herberstein - Nicht erst die Nominierung von Bruno Gironcoli als
Teilnehmer Österreichs bei der Biennale Venedig, die am 15. Juni eröffnet wird,
gab den Ausschlag. Und wieder einmal war es Emil Breisach, kürzlich 80 Jahre alt
gewordener Gründungspräsident des Forum Stadtpark, Mentor der Kunst und
Initiator der Ausstellung Meisterwerke der Steirischen Moderne, (siehe Artikel:
Die im Dunkeln
sieht man doch") der die Idee lieferte: Im Park des oststeirischen Schlosses
Herberstein wird, wie bereits kurz berichtet, ein Museum für die Skulpturen des
1936 in Villach geborenen Bildhauers errichtet.
Es besteht aus zwei
verschränkten Teilen, wie Architekt Hermann Eisenköck erklärt: Die 450 Jahre
alte, unter Denkmalschutz stehende Tenne (800 Quadratmeter) soll in den nächsten
Monaten adaptiert und bis zum Spätherbst 2004 durch einen zweigeschoßigen Neubau
mit rund 1200 Quadratmetern (inklusive Skulpturengarten und eines Raums für
Grafik bzw. Wechselausstellungen) ergänzt werden. 20 bis 30 Großplastiken
dürften Platz finden.
Die jahrelange Suche nach einem dauerhaften
Präsentationsort für die Werke des Plastikers hat damit ein überraschendes Ende
gefunden: Erst vor wenigen Tagen war das Projekt einer "Gironcoli-Kunsthalle" in
Bad Bleiberg gescheitert. Für VP-Kunststaatssekretär Franz Morak stellt das
Museum in Herberstein als einen "Paradefall" dar, da einerseits eine "wichtige
Kunstinitiative" in den Bundesländern gestartet worden sei und andererseits das
propagierte Modell einer Public-Private-Partnership zum Tragen käme. Denn je
eine Million Euro steuern der Bund (der sich bisher angefallene Lagerkosten für
die Skulpturen des Akademieprofessors erspart), das Land Steiermark und Andrea
Herberstein bei.
Die Schlossherrin, die einen über die Region hinaus
bekannten Tierpark betreibt, verpflichtete sich zudem, das Museum ohne
Subventionen zu führen. Mit Gironcoli wurde ein Leihvertrag für zunächst zehn
Jahre - mit Option auf Verlängerung - abgeschlossen.
Der Bildhauer
wünscht sich genug Raum für die Skulpturen - und eine Architektur, die sich
zurückhält. Eisenköck will den Wünschen entsprechen: Die neue Halle wird zum
Teil unteriridisch errichtet und über eine lange Glasfront verfügen. Das Budget
bezeichnet er als ein "sportliches". Realisiert werden könne das Projekt nur
durch viele Sponsoren, die bereits ihre Unterstützung zugesichert
hätten.
Nicht Teil der Präsentation in Herberstein sind jene Werke, die
der Kärntner Bauunternehmer Hans Peter Haselsteiner auf der Wiener Donauplatte
aufstellen möchte. (DER STANDARD, Printausgabe vom 2.6.2003)