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Albertina/Säulenhalle: "Los Alamos", von William Eggleston, bis 24. April

Der Farbglanz des Bedeutungslosen

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Eine Fotoausstellung in der Säulenhalle der Albertina widmet sich mit William Eggleston und seiner Serie "Los Alamos" einem Schwerpunktthema des Hauses: Im Herbst wird dann ein Überblick der "Street Photography" zu sehen sein.

Das österreichische Webverzeichnis! Bei dem Ort "Los Alamos" denkt man zunächst an einen Westernklassiker oder an den Bau der amerikanischen Atombombe. Nichts davon ist in den großen Farbaufnahmen des 1939 in Memphis geborenen Künstlers zu finden: Es sind meist Ausschnitte von Autos, Markisen, Hauswänden, Menschen an der Straße oder in Lokalen und Spielkasinos. Die Ikonografie der Pop-Art führt eine zerbeulte Coca-Cola-Dose, eine Ketchuptube, gleichrandig vor mit einem Cadillac oder einem Stück Stoff - das gilt auch für die zeitgleiche Malerei, etwa Rosenquist.
Wichtig aber ist die Glut der Farben, der Werbecharakter, obwohl Trivialität und Warencharakter gleichzeitig hinterfragt werden. 1966 bis 1974 hat Eggleston, manchmal auch in Begleitung von Dennis Hopper, an dessen "Easy Rider"-Film die Atmosphäre auch erinnert, seine Heimat und die Südstaatenstädte Los Angeles, New Orleans, Las Vegas oder eben auch Los Alamos abgefahren. Teilweise hat er die langweiligen Szenen vom Auto aus aufgenommen. Später wurden die Negative von ihm "verlegt" und erst eine Steuerfahndung brachte sie wieder zum Vorschein - doch da er eine alte Werbetechnik, das "Dye-Transfer-Verfahren" von Kodak eingesetzt hatte, um nachzufärben, diese Firma aber schon Anfang der 90er damit aufgehört hatte, musste alte Druckererfahrung aufgefrischt werden. Sechs Serien gibt es nun von dem monumentalen "Los Alamos"-Zyklus (etwa 2.200 Fotos), einen besitzt das Museum Ludwig in Köln und dieser wandert nun auch bis 24. April samt quadratischem Riesenkatalog nach Wien.
Eggleston gehört ohne Zweifel zu den derzeit bekanntesten Fotografen Amerikas, seit seiner MOMA-Ausstellung 1976 ist er kometenhaft aufgestiegen und gilt als "Must". Ansprechend ist er weniger, wenngleich das Hinwegsehen über Umweltprobleme, Atomangst, Vietnamkrieg, Watergate, Mondflugprogramm der NASA Soziales und Politisches ausklammern, ist der Anspruch der "demokratischen Kamera" kein geringer. Nichtidylle, Antiutopie, Identitätsfragen, Leere und Einsamkeit des amerikanischen Alltags ist klar eingefangen. Die Konzentration auf die Glut der Farbe, auf das Triviale, Ungeschminkte, bringt ihn natürlich auch mit der Gleichwertigkeit und Selbstbefragung der Malerei auf eine Ebene. Eben Zeitgeist.

Erschienen am: 15.04.2005

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