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| 20.03.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Von Nomaden und Antinomaden | ||
| Zwei Künstler zweier Generationen aus Bratislava im Mini-Porträt - Roman Ondák (39) und Stano Filko (68). | ||
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Am Tag, nachdem zwölf Reisebusse etwa 500 Leute für
wenige Stunden nur zur Vernissage des zweiten Teils der
"Kontakt"-Ausstellung von Wien nach Bratislava gebracht hatten und
Francesca Habsburg in einem klammen Partyzelt vor dem zur Kunsthalle
umgewidmeten ehemaligen Industriebau im grenzurbanen Nowhereland getanzt
hatte, traf die "Presse" am Samstag zwei in der Schau vertretene
slowakische Künstler, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten.
Roman Ondák, Ende 30, zählt zu den erfolgreichsten
jüngeren Künstlern der Slowakei, ist Teil der durch die Welt hetzenden
internationalen Kunstszene mit Galerien in Paris (GB Agency) und Wien
(Martin Janda), am 28. Juli eröffnet seine Einzelschau im Projektraum
der Tate Modern in London. Ein Treffen in seinem Atelier aber habe gar
keinen Zweck, meint er - Ideen kann man nicht sehen, Ondáks Kunst entsteht
vor Ort. Wegzuziehen aus Bratislava, wo im Sommer mit der "Priestor Galerie" vermutlich der einzige, auch kommerziell arbeitende Raum für junge Kunst schließen muss, daran denkt Ondák allerdings nicht. Zu sehr ist er hier verwurzelt, wird seine Kunst von der Gesellschaft seiner Heimat gespeist. Er mache zwar keine explizit politische Kunst, lasse sich aber von den Umständen inspirieren, erklärt er. Im Jahr 2000 etwa, als ihm die Reiseunlust der Slowaken auffiel: Ondák fotografierte Bekannte, gemütlich posierend in ihren Wohnungen - und druckte diese "Antinomaden" auf Gratis-Postkarten zum Verschicken. Von 1988 bis 1989 studierte er noch unter kommunistischem
Regime auf der Akademie, geprägt vom sozialistischen Realismus. Dann wurde
alles anders, die Professoren ausgetauscht, die künstlerische Freiheit
eingeführt. Die Schlüsselfigur seiner Karriere ist Kathrin Rhomberg, einst
Kuratorin der Secession und der "Manifesta 3" in Ljubljana. Auf ihre
Einladung hin borgte er sich etwa 2001 in Bratislava gegen Leihgebühr acht
Skodas aus, überstellte sie nach Wien und parkte sie als eine Art
soziokulturelles Denk-Mal hinter der Secession. Eine andere Generation, sowie eine andere, traditioneller zu nennende Künstlerrolle, verkörpert Stano Filko. 1937 in Hradna geboren, gilt der durch einen Bypass geschwächte, physisch einst wohl ungemein mächtige Mann neben Július Koller als Urvater der slowakischen Konzeptkunst. Seit den Sechzigern arbeitet Filko an seinem Gesamtkunstwerk, seinem höchsteigenen, pseudo-wissenschaftlichen, pseudo-philosophischen, jedenfalls in fünf Dimensionen und zwölf Farben auswuchernden Kosmos, eindrucksvoll manifestiert in seinem Sommeratelier. Ein Gemisch aus westlicher und fernöstlicher Philosophie prägt seine utopischen, kontemplativen Würfe, in deren Zentrum oft der klinische Tod steht, den Filko als Jugendlicher zweimal überlebte. Obwohl er 1982 nach New York emigrierte, von wo er gleich
nach Fall des Eisernen Vorhangs zurückkehrte, ist der in einer "globalen
Sprache" aus Slowakisch, Deutsch, Englisch und Russisch denkende Künstler
in Ondáks Sinn wohl ein Antinomade. Allerdings nur physisch. Denn
künstlerisch kennt Filko keine Grenzen. Es ist ein mittleres Drama, dass
diesen großen "documenta 7"- und Biennale-Venedig-Teilnehmer von 2005
keine Galerie vertritt. sp |
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