„Besuch der Ausstellung freigegeben ab 16 Jahren“, warnt das Innsbrucker „aut“. Und wirklich jugendfrei sind die Werke, die Cornelius Kolig aus seinem Kärntner „Paradies“ ins „heilige Land Tirol“ mitgebracht hat, auch nicht ganz. Müssen sie auch nicht sein, ist für den 68-Jährigen das Paradies doch prinzipiell amoralisch, denn: „Es wertet nicht.“ Aus diesem privaten „Paradies“ vertrieben und dem voyeuristischen Blick des Betrachters ausgesetzt, mutet Koligs Kunst allerdings doch eher sonderbar und in ihrem Aktionismus etwas gestrig an. Besonders, wenn – warum auch immer – Vorhänge um seine Objekte gezogen werden.
Etwa um „Spende Blut“: ein silbernes, innen rot ausgeschlagenes Kreuz, in das durch ein Loch gebrauchte Tampons zu werfen sind. Oder um „Alle Macht geht vom Fleisch aus“: Messer, Hämmer und Gabeln bilden eine monströsen Maschine, dazu da, ein Stück Fleisch zu penetrieren. Wobei die pralle Orchideenblüte im Zentrum klar macht, worum es geht: um Sex und das Kreuz mit diesem, um die Frau als zum Unterleib reduziertes, benutztes, missbrauchtes Stück Fleisch. Stilisiert zum Fetisch von einem Mann, der so vielleicht seine Angst vor dem Weiblichen bzw. seiner eigenen Endlichkeit kanalisiert. Dabei kann das auf den ersten Blick oft durchaus poetisch daherkommen. Wenn Kolig etwa ein monumentales „Hochzeitsfoto“ an die Wand pinnt bzw. auf eines der riesigen Fenster des „aut“ aufzieht. Es besteht aus einem wie eine Blume drapierten, weiten, pinken Rock mit einem Loch im Zentrum; beim Fensterbild ist dieser Leerraum durch einen nackten weiblichen, die Beine lasziv spreizenden Unterleib ausgefüllt. Womit es mit der Poesie schon wieder aus ist. Zwischen Wand und Fenster tummelt sich ein „Mutant“, ein geschlechts- und farbloses, monströs aufgeblasenes Etwas, das durch die kleinste Beschädigung in sich zusammenfallen würde.
In seiner Kunst gehe es um Bloßlegung und Verstärkung der sinnlichen Momente des Lebens, seiner Schönheit und seiner Schrecken, um Wollust und Ekel, Liebe und Gewalt, Krankheit, Leid, Tod, berauschte Existenzergriffenheit, Stoffwechsel, Gestank und Wohlgerüche, um Tasten, Schmecken und Hören, sagt Kolig. Er zelebriert sie seit 1979 auf rund 6000 Quadratmetern im heimatlichen Vorderberg: ein skurriles Gesamtkunstwerk in Form eines Schädels.
Für die Innsbrucker Ausstellung hat Sasha Pirker einen Film über dieses Privatparadies gedreht. Kunst, Natur und Architektur verfilzen hier zu einem morbiden, zwischen Sakralem und Profanem schwankenden, von Kolig und 20 Katzen bevölkerten Kosmos. Dort bekommen auch die skurrilsten Maschinen ihre Stimmigkeit. Im musealen „white cube“ aber will man die vergoldeten Kothaufen samt benutztem Klopapier eigentlich nicht mehr sehen, genauso wenig wie die „Urinstangen“, die roten Kerzen, die den Schriftzug „FUT“ ergeben, oder das „Laokoonthische Susaphon“, das mittels Darmwinden zum Klingen gebracht werden soll.
Dass der ehemalige Weiler-Schüler Kolig ein exzellenter Zeichner ist, zeigen seine kraftvoll expressiven Bilder von Gesichtern in seliger Verzückung oder Fingern, die ebenso lustvoll am Werk sind.
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