Museumsdirektor ist gefeuert
Hedwig Kainberger Wien (SN). Der Direktor des Museums für Angewandte Kunst (MAK), Peter Noever, wird fristlos entlassen. Dies Beschloss das Kuratorium des MAK am Mittwochabend nach einer Krisensitzung, in der ein neuer Prüfbericht von PricewaterhouseCoopers (PwC) erörtert worden war.
Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) ließ nach der Sitzung mitteilen, sie habe den Vorsitzenden des Kuratoriums, Erste-Bank-Chef Andreas Treichl, ermächtigt, den Anstellungsvertrag Peter Noevers mit sofortiger Wirkung aufzulösen.173.000 Euro Schaden Dem Prüfbericht von PricewaterhouseCoopers zufolge wird der Schaden, den Peter Noever dem MAK verursacht hat, wie folgt geschätzt: Rund 127.000 Euro, zudem 46.000 Euro an Lohnsteuer für Sachbezüge sowie 23.000 Euro für Verzugszinsen, insgesamt also 173.000 Euro. Dies sei mit dem von Peter Noever hinterlegten Betrag von 220.000 Euro gedeckt, heißt es in der Presseaussendung des Kuratoriums.
Kern der Vorwürfe sind die Kosten sowie falsch fakturierte Abrechnungen im Zusammenhang mit den Geburtstagsfeiern von Noevers Mutter, die im MAK abgehalten worden sind.
„Darüber hinaus wurde – mit Ausnahme einer Rechnung in Höhe von rund 630 Euro für eine als privat eingestufte Veranstaltung im Rahmen einer Dienstreise nach Los Angeles – durch PwC keine missbräuchliche Verwendung von Ressourcen des MAK festgestellt“, heißt es in der Pressemitteilung des Kuratoriums.Abfertigung verloren Das Kuratorium hat einstimmig festgestellt, dass das Verhalten von Peter Noever gegen Paragraph 27 des Angestelltengesetzes verstoße. Darin sind die Gründe für vorzeitigen Entlassung aufgelistet, wie Untreue oder Vertrauensbruch.
Mit der Entlassung endet jeder Gehaltsanspruch, auch verliert Peter Noever jeglichen Anspruch auf Abfertigung.
Das Kuratorium des MAK hält zudem fest, dass Peter Noever nach Bekanntwerden der Vorwürfe selbst „tätige Reue“ gezeigt habe und 220.000 für etwaige Schäden hinterlegt habe. Daher komme es zu keiner finanziellen Schädigung des Museums oder der Steuerzahler.
Die Untersuchungen im MAK werden demnächst weitergehen: Im Bundesrechnungshof wird die Prüfung vorbereitet. Nach den Salzburger Festspielen sei das MAK das nächste Projekt für die Kulturabteilung des Rechnungshofs, bestätigte Leopold Mayr vom Rechnungshof den SN.
Kulturministerin Claudia Schmied nahm an der Sitzung des Kuratoriums am Mittwochnachmittag nicht teil. Sie weile bei der Diagonale in Graz und halte dann einen Vortrag in Bruck an der Mur, teilte ihre Sprecherin Sigrid Wilhelm den SN mit.
Die Mitglieder des Kuratoriums des MAK sind: Erste-Bank-Chef Andreas Treichl als Vorsitzender, der stellvertretende Verbund-Generaldirektor Johannes Sereinig, Claudia Biegler vom Wiener Stadtschulrat, Heinz Hofer-Wittmann von den Wittmann Möbelwerkstätten, MAK-Betriebsrat Georg Mayer, die Frankfurter Kunstsammlerin Claudia Oetker, Wolfgang Polzhuber vom Wirtschaftsministerium, August Ruhs von der Universität Wien und Alexander Zeuner vom Finanzministerium.











