| Wien (APA) - "Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt. Der weite
Weg entschuldigt Euer Säumen": Alt-Vizekanzler und
-Wissenschaftsminister Erhard Busek als Festredner bemühte am
Samstag Schillers "Wallenstein" zur Eröffnung des Museums
moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (MUMOK) im
MuseumsQuartier, um sich als einer der Gründerväter dieses
Hauses und des MQ auch des "weiten Wegs" und seiner
Hindernisse (und Verhinderungsversuche) zu erinnern.
So leistete Busek in der Reihe der Danksagungen an die
Weggefährten zu diesem Haus, beginnend von verstorbenen
Unterrichtsminister Heinrich Drimmel, ohne den Schwanzers
Expopavillon nicht als Museum des 20. Jahrhunderts in Wien
aufgestellt worden wäre, und der verstorbenen
Wissenschaftsministerin Herta Firnberg, die die "Courage"
hatte, das Museum moderner Kunst im Palais Liechtenstein zu
etablieren und die Partnerschaft mit dem Sammler- und
Stifterehepaar Peter und Irene Ludwig einzugehen, auch "einen
schrägen Dank an jene, die es medial bekämpft haben". "Wir
haben es jetzt dieses Museum moderner Kunst". Er lade dazu
ein, über alle möglichen Kritiken hinwegzugehen, die in diesen
Tagen darüber hinwegfegen, meinte Busek nach seinen
Betrachtungen "österreichischer Befindlichkeiten".
Der Würdigung, dass dieses Museum von einer
"Unverwechselbarkeit" gekennzeichnet sei, dass man hier nicht
wiederum auf das stoße, was in so vielen Museen gleichförmig
obligatorisch sei, schlossen sich alle Redner an. Und alle
betonten die gesamteuropäische Dimension der Sammlung, die -
und hier wurde von allen die Arbeit von Direktor Lorand Hegyi
hervorgehoben - einen speziellen Schwerpunkt auf Mitteleuropa,
bei Künstlern aus Ost- und Südeuropa gebildet habe.
"Diese Sammlung repräsentiert statt banaler Klischees die
Struktur der mitteleuropäischen Moderne", meinte Paul Lendvai,
sie schlage transnationale Brücken. Jean-Hubert Martin
(vormals Centre Pompidou und nun Direktor des erst vor wenigen
Tagen eröffneten Museum Kunst Palast in Düsseldorf) hob das
"globale Repertoire" des Hauses hervor, das über die
"Nato-Kunst" hinweggewachsen sei und das mit speziellen
Schwerpunkten aufwarten könne: Dank der Schenkungen des
Ehepaar Ludwigs (Pop Art, Hyperrealismus), dank der Sammlung
Hahn (Fluxus und Nouveau Realism), dank der Ankaufsmittel der
Stiftung Ludwig, mit der es möglich wurde, dass hier eine
Kollektion der Arte povera zu finden ist, die auch in Italien
ihresgleichen suche, die wohl größte Werkblock von Bertrand
Lavier, bedeutende Arbeiten von Tony Cragg, Franz West, Ilya
Kabakov oder Gilbert und George, die dem Museum Akzente
Verleihen.
Lavier, Kabakov und Gilbert und George waren denn auch
unter den Künstlern, die zur Eröffnung kamen, ebenso wie viele
Museumsleiter. Den Auftakt zum Eröffnungsfest machte die
Videopräsentation "The World of Gilbert und George" in
Anwesenheit der Künstler, die im Global Village (am lokalen
Beispiel London) die Frage nach Glück und Schönheit und dem
Glücklich-Sein stellen müssen und denen, die dabei draußen
bleiben, und die in diesen Tagen unvorhergesehen einen
Kommentar zu dieser Welt, ihrer Gewalt und ihren Mangel an
Solidarität lieferten.
Bildungsministerin Gehrer als Eröffnungsrednerin bekannte
sich "zur wichtigen Aufgabe, die Kunst und Kultur zu fördern"
und versicherte, dass man nun nach dem Erreichen eines
wichtigen Zieles weitere vor Augen habe. Sie verwies auf die
zusätzichen 800 Millionen Schilling für Investitionen in den
Ausbau von Museen. Unter Applaus versprach die Ministerin
auch, dass das 20er Haus weiter für Ausstellungen zur
Verfügung stehen und alsbald saniert werde. Auch sie betonte,
dass "die Sammlung eine bedeutende Rolle in der Entwicklung zu
einem gemeinsamen Europa" spiele, sie sei "eine Chance, dass
wir unsere alten Wurzeln wieder finden, alte Freundschaften
neu beleben". Ihr besonderer Dank galt Stifterin Irene Ludwig
und deren verstorbenem Gatten Peter Ludwig, dem mit der
Errichtung des Hauses "ein bleibendes Denkmal" gesetzt werden
konnte. |