Bregenz
(VN-cd) Ein Alpenpanorama hat Tone Fink für die
Ausstellung "Medium Berge" im Bregenzer Künstlerhaus geschaffen,
dazu Bergskulpturen aus edlem Himalayapapier. Wer die Ausstellung
nun besucht, wird nur noch das rohe Metallgerüst zu sehen bekommen,
die Skulpturen bzw. deren Haut wurde Samstagnacht im Rahmen einer
Kunstaktion verbrannt.
Für Tone Fink war es ein Akt, der ihm ordentlich
Überwindung kostete. Kunstwerke zu verbrennen, das sei als
öffentliche Aktion ja nun wirklich etwas ausgelaugt. Der Künstler
weiß es, will auch nicht in dieses Eck gedrängt werden.
Das graphische Innenleben
Fink, dem Papier als Hülle verschiedener Arbeiten (seien
es Skulpturen, Gewänder, Masken, Möbel, fahr- oder schwenkbare
Objekte) so vertraut geworden ist wie die eigene Haut, ging es dabei
freilich auch um das Aufzeigen der Vergänglichkeit. Bevor die Berge
in Flammen aufgingen, dienten sie den Performern als Gehäuse und
hätten von dem Umstehenden noch intensiver "begriffen" werden
können.
Seine Berge - Teile eines Vorarlberg-Panoramas, mit dem er den
Ausverkauf der Alpen thematisiert - geben nach dem Brandakt nun ihr
Geheimnis preis. Das Gerüst aus Metall, das eigentliche, graphische
Innenleben dieser dreidimensionalen Malerei mit Papier, Lehm oder
Farbe, wurde sichtbar. Die Aktion lief im Rahmen der von Oscar
Sandner kuratierten Sommerausstellung "Medium Berge - Das Mallory
Projekt" im Bregenzer Künstlerhaus. Schauplatz war der Tizian-Platz
vor dem Kunsthaus.
Dort nahmen auch Julius Deutschbauer und Gerhard Spring
Aufstellung, um ihre scheinbar zum Dialog gewordene "Bergpredigt"
vorzutragen: "Dass der Teufel die Kunst hole! - Eher glauben wir
noch, dass die Kunst sich den Teufel geholt hat" (O-Ton). Die
pointierte Auseinandersetzung mit Kunstbetrieb, Politikerreden und
den Banalitäten im Kunst- und Medienalltag lässt sich in der
Ausstellung (dort liegen sicher noch Plakate auf) nachlesen.
Nachdem Bregenz gerade die Festspieleröffnung hinter sich
gebracht hat, wäre es noch interessant gewesen, die beiden in jenen
(Kultur-)Politikerrollen zu sehen, in die sie gelegentlich
schlüpfen, um die österreichische Misere transparent zu machen.
Deutschbauer/Spring: Bergpredigt zum Kunstbetrieb.
Berge aus edlem Himalayapapier wurden verbrannt: Tone Fink und
das Vergängliche.
(Foto: VN/Dietrich)