30.10.2002 12:03
Otto Mauer-Preis 2002 an Dorit Margreiter
Für Ausloten des "Verhältnisses unterschiedlicher
Lebensprogramme in den verschiedenen Kulturen aus"
Wien - Der Msgr. Otto Mauer-Preis für bildende Kunst,
der heuer durch den Otto Mauer Fonds zum 22. Mal vergeben wird, geht an die
österreichische Künstlerin Dorit Margreiter. Der Preis, der mit 11.000 Euro
dotiert ist und für das bisherige Gesamtwerk von Künstlerinnen und Künstlern
unter 40 Jahren vergeben wird, soll am 20. November durch Christoph Kardinal
Schönborn in den Festräumen des Erzbischöflichen Palais überreicht werden.
Jury-Begründung
"In einem breiten Feld von Mitbewerbern
hebt sie eine konzeptuelle Position hervor, die zentrale Fragen des kulturellen
Lebens bearbeitet", heißt es in der Begründung der Jury, die ihren Entschluss
einstimmig traf, "Margreiter wirft in ihren Installationen und Videoarbeiten den
Blick auf die Grenzen zwischen amerikanischem und österreichischem Alltag;
selbst teilweise asiatischer Herkunft lotet sie das Verhältnis unterschiedlicher
Lebensprogramme in den verschiedenen Kulturen aus, die im Prozess der
Globalisierung heute immer mehr in einen Bedingungszusammenhang geraten. Wie
nehmen solche unterschiedlichen kulturellen Regeln Einfluss auf die Konstruktion
unserer Identität?"
Weiter heißt es in der Begründung: "Die Jury betont
mit ihrer Auswahl ein besonders präzises Verhältnis von zeitgenössischer Theorie
und ästhetischer Form im Werk von Dorit Margreiter. Obwohl dieses Werk von
aktuellen Theorietendenzen beeinflusst ist und zeitgenössische Denkmodelle etwa
zu Identität oder Gender-Thematik einbezieht, wirkt es nie illustrativ oder
begrifflich überfrachtet. In seiner Anschaulichkeit stellt es eine gelungene
Weiterentwicklung konzeptueller Ästhetik der siebziger und neunziger Jahre dar.
Es ist der Jury ein Anliegen, am Beispiel des Werkes von Dorit Margreiter auf
die Möglichkeit einer genauen Verwendung von Medien wie Video oder Fotografie
hinzuweisen, die bei der Preisträgerin durch Konzentration und "Verlangsamung"
zu einer suggestiven Sprachlichkeit verdichtet
werden."
Biographisches
Dorit Margreiter (Jahrgang 1967)
lebt in Wien und studierte hier an der Universität für angewandte Kunst. 1993
zeigte sie in Prag ihre Installation "Mein Schlafzimmer in Prag".
Studienaufenthalte führten sie 1995/96 nach Japan, 1997/98 nach Berlin und 2001
nach Los Angeles. Im gleichen Jahr wurde sie mit dem Georg Eisler Preis
ausgezeichnet und hatte in der Innsbrucker Galerie im Taxispalais ihre erste
große Einzelausstellung "Everyday Life", in der sie ihre Auseinandersetzung mit
Architektur und den neuen Medien darstellte.
Der Otto Mauer-Preis wird
seit 1981 durch den Otto Mauer Fonds der Erzdiözese Wien verliehen, der unter
der Ägide von Kardinal Franz König gegründet wurde. Damit soll das Wirken von
Monsignore Otto Mauer, der sich intensiv um einen Dialog der Kirche mit Kunst
und Wissenschaft einsetzte, fortgeführt werden. 2000 gewann Florian Pumhösl den
Preis, im Vorjahr ging die Auszeichnung an Michael Kienzer. (APA)