VON ARIANE
GRABHER
Bregenz (VN) Auf der "Angst des Vergessens" gründet das Werk der
amerikanischen Künstlerin Andrea Bowers. Den Verstrickungen von
Kunst und Politik ist auch ihre Schau "Soft Blockades" im Magazin 4
gewidmet, die heute eröffnet wird.
"Soft Blockades Part 2" ("Part 1" wurde in Los Angeles
realisiert) umfasst Zeichnungen, Videos, eine Art Skizzenbuch und
eine Skulptur von Andrea Bowers.
Gut aufbereitet und inszeniert, sind alle Arbeiten demselben
großen Themenkomplex unterstellt. "Inhaltlich geht es um
gewaltfreien, um passiven Widerstand", so die Künstlerin. "Diese
Form des Protestes hat mit Vertretern wie Gandhi eine lange
Geschichte, doch fokussiert meine Arbeit Auftreten und Aktionen von
feministischen Gruppen und Frauenbewegungen in den 70 ern und frühen
80 er Jahren."
Zugewebte Türen
Auf eine medienwirksame Aktion der Frauengruppe "Weavers
Alliance", die die Türen des Pentagons symbolisch zugewebt haben,
bezieht sich die raumtrennende Skulptur "Defense of Necessity".
Ein gequilteter, gewobener Vorhang, mit einem aufgesteppten
Maschendrahtzaunmuster verweist nicht nur auf den Aspekt eines
traditionell von Frauenhand fabrizierten Werkes. Er bildet eine
"Soft Blockade" im Raum (der Begriff bezeichnet auch eine Kette von
Körpern, eine menschliche Barrikade bei
Demonstrationen). Ergänzt wird er durch das in derselben Technik
eingefasste Skizzenbuch, das gesammelte Dokumente enthält, sowie
eine Inszenierung im Raum, bei der farbige Folien mit Begriffen aus
der Terminologie des passiven Widerstandes die Fenster bedecken. Den
bildwirksamen und inszenatorischen Höhepunkt der Schau bildet das
erstmals in Europa gezeigte Video "Nonviolent Civil Disobedience
Training" (2004), als eine Art Workshop, für dessen wechselndes
Rollenspiel Bowers Tänzer mit klassischer Ausbildung und Aktivisten,
die passiven Widerstand unterrichten, auswählte.
Fast intim präsentieren sich die kleinformatigen Zeichnungen,
deren Motiv in fotorealistischer Manier gerade einmal eine Ecke des
Blattes ausfüllt. In der aufwändigen Zeichenarbeit, die über 100
Stunden in Anspruch nimmt, spiegelt sich der Respekt der Künstlerin
für das Thema.
Kunst als Widerstand
Noch etwas wird in den Zeichnungen deutlich: auch wenn man den
Kontext ihrer Entstehung nicht genau kennt, so geben die Dinge immer
mehrere Bedeutungen an die Hand. Ein Charakteristikum, den diversen
Lesarten zum Trotz, bleibt dabei stets die politische Dimension.
"Jede Kunst ist politisch, auch abstrakte Kunst", sagt Andrea
Bowers. "Die Kunst war immer, auch in der Geschichte, Teil des
Widerstandes. Was mich betrifft, so bin ich in erster Linie
Künstlerin, und dann erst politische Aktivistin."