VN Fr, 24.9.2004

Politik
Lokal
Sport
Markt
Kultur
Welt

Chronik
Leserbriefe
TV
VN-Heimat

Anzeigen
eVN.vol.at
eVN-Offline






Kultur 

Jede Kunst ist eben politisch

Andrea Bowers im Magazin 4

VON ARIANE GRABHER

Bregenz (VN) Auf der "Angst des Vergessens" gründet das Werk der amerikanischen Künstlerin Andrea Bowers. Den Verstrickungen von Kunst und Politik ist auch ihre Schau "Soft Blockades" im Magazin 4 gewidmet, die heute eröffnet wird.

"Soft Blockades Part 2" ("Part 1" wurde in Los Angeles realisiert) umfasst Zeichnungen, Videos, eine Art Skizzenbuch und eine Skulptur von Andrea Bowers.

Gut aufbereitet und inszeniert, sind alle Arbeiten demselben großen Themenkomplex unterstellt. "Inhaltlich geht es um gewaltfreien, um passiven Widerstand", so die Künstlerin. "Diese Form des Protestes hat mit Vertretern wie Gandhi eine lange Geschichte, doch fokussiert meine Arbeit Auftreten und Aktionen von feministischen Gruppen und Frauenbewegungen in den 70 ern und frühen 80 er Jahren."

Zugewebte Türen

Auf eine medienwirksame Aktion der Frauengruppe "Weavers Alliance", die die Türen des Pentagons symbolisch zugewebt haben, bezieht sich die raumtrennende Skulptur "Defense of Necessity".

Ein gequilteter, gewobener Vorhang, mit einem aufgesteppten Maschendrahtzaunmuster verweist nicht nur auf den Aspekt eines traditionell von Frauenhand fabrizierten Werkes. Er bildet eine "Soft Blockade" im Raum (der Begriff bezeichnet auch eine Kette von Körpern, eine menschliche Barrikade bei

Demonstrationen). Ergänzt wird er durch das in derselben Technik eingefasste Skizzenbuch, das gesammelte Dokumente enthält, sowie eine Inszenierung im Raum, bei der farbige Folien mit Begriffen aus der Terminologie des passiven Widerstandes die Fenster bedecken. Den bildwirksamen und inszenatorischen Höhepunkt der Schau bildet das erstmals in Europa gezeigte Video "Nonviolent Civil Disobedience Training" (2004), als eine Art Workshop, für dessen wechselndes Rollenspiel Bowers Tänzer mit klassischer Ausbildung und Aktivisten, die passiven Widerstand unterrichten, auswählte.

Fast intim präsentieren sich die kleinformatigen Zeichnungen, deren Motiv in fotorealistischer Manier gerade einmal eine Ecke des Blattes ausfüllt. In der aufwändigen Zeichenarbeit, die über 100 Stunden in Anspruch nimmt, spiegelt sich der Respekt der Künstlerin für das Thema.

Kunst als Widerstand

Noch etwas wird in den Zeichnungen deutlich: auch wenn man den Kontext ihrer Entstehung nicht genau kennt, so geben die Dinge immer mehrere Bedeutungen an die Hand. Ein Charakteristikum, den diversen Lesarten zum Trotz, bleibt dabei stets die politische Dimension. "Jede Kunst ist politisch, auch abstrakte Kunst", sagt Andrea Bowers. "Die Kunst war immer, auch in der Geschichte, Teil des Widerstandes. Was mich betrifft, so bin ich in erster Linie Künstlerin, und dann erst politische Aktivistin."

Die Ausstellung von Andrea Bowers wird heute, 19 Uhr, eröffnet und ist im Magazin 4 in Bregenz bis 31. Oktober zu sehen, geöffnet Mi bis Fr 16 bis 19, Sa, So und Feiertag 12 bis 16 Uhr.

ZUR PERSON

Künstlerin Andrea Bowers

Geboren: 1965 in Wilmington, Ohio Ausbildung: California Institute of Arts, State University in Ohio Einzelausstellungen: u. a. in New York, Los Angeles, Berlin, Basel Gruppenausstellung: u. a. Whitney Museum New York, ZKM Karlsruhe Wohnort: Los Angeles

Die Kunst war immer, auch in der Geschichte, Teil des Widerstandes.

ANDREA BOWERS

Bowers: Eine Form des Protestes . . . (Foto: Magazin 4)




Kultur 

Zum Seitenbeginn