Dem direkten Vergleich kann angewandte Kunst gegenüber bildender nicht standhalten. Das zeigen die weltweiten Umsätze deutlich. Und doch gibt es nationale Unterschiede und führen die Faktoren Qualität und Rarität die Regie. Bei Sotheby's findet sich unter den zehn höchsten Zuschlägen kein Kunsthandwerk, und bei Christie's wird man erst auf Platz 15 fündig:
Im November wechselte in Hongkong eine chinesische Keramikschale aus dem 18. Jahrhundert für gigantische 19,67 Millionen Dollar den Besitzer und wurde damit zum weltweit teuersten Objekt angewandter Kunst 2006. In Österreich hat es - siehe Tabelle - dagegen in der zu Ende gehenden Saison kein einziges Objekt in die Liste der 20 höchsten Zuschläge geschafft. Noch im vergangenen Jahr listete man einen von Kolo Moser und Josef Hoffmann für die Wiener Werkstätte entworfenen Luster (345.000 Euro / im Kinsky) auf Platz sieben.
Im Detail dürfte es allerdings eher an einem gesunkenen Preisniveau als an mangelnder Nachfrage liegen, feierte man doch an allen österreichischen Auktionsplätzen Rekordumsätze. Das Dorotheum durfte sich solche bei Skulpturen ebenso wie bei Design, Silber und Jugendstil notieren. In letzterer Sparte verbuchte man den höchsten Zuschlag für einen Deckenluster von Dagobert Peche, den eine Schar von Bietern bis auf 120.000 Euro steigerte.
"Leider", schmunzelte Wolfgang Bauer (Bel Etage, Wien), dem Unterbieter zu, der erst bei 45.000 Euro eingestiegen war. Aber insgesamt quittiert auch der auf Jugendstil spezialisierte Händler diese Entwicklung mit Wohlwollen. Im Herbst hatte er bei der Biennale des Antiquaires in Paris sein erfolgreiches Debüt gegeben. Neben dem kaufmännischen Erfolg freute ihn vor allem die Anerkennung des Publikums: "Die Begeisterung für den Wiener Jugendstil und seine Qualitäten war wirklich enorm."
Mögen sich die Auswirkungen auf internationale Ebene fortsetzen, ist man geneigt zu hoffen. Eine Mehrzahl der Top-Ergebnisse für Jugendstil erzielt "im Kinsky" schon jetzt mit internationalen Sammlern. Insofern bildet das jüngste, eine Konfektdose von Kolo Moser in Form eines Ostereis, eine Ausnahme. 2003 hatte die für Karl Wittgenstein ausgeführte Arbeit im Dorotheum für netto 28.000 Euro den Besitzer gewechselt und stand nun mit einer Taxe von 40.000 bis 70.000 Euro zum Verkauf.
Vorweg, sie blieb in Österreich, und der heimische Sammler musste hart gegen internationale Konkurrenz kämpfen. Zur Freude Otto-Hans Resslers, der erst bei netto 115.000 Euro sein "zum Dritten" verlautbarte (Kaufpreis 140.000 Euro). (kron / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.12.2006)