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Mumok will Kunsthalle: Wem gehört das MQ?

07.07.2009 | 09:17 | MIRJAM MARITS UND RAINER NOWAK (Die Presse)

Mumok-Direktor Köb und Ministerin Schmied wollen die Räumlichkeiten der Kunsthalle. Deren Chef Matt will sein Museum aber nicht ins Künstlerhaus übersiedeln lassen. Und die Stadt? Wartet ab.

WIEN.Pünktlich mit dem Sommerbeginn gibt es eine Debatte um die Museumsordnung im Wiener Museumsquartier: Wer wo auf wie vielen Quadratmetern residiert, erregt die Kulturpolitik. Ausgangspunkt: Edelbert Köb, Direktor des Museums Moderner Kunst (Mumok), hat Platzprobleme und braucht mehr Ausstellungsfläche für die Sammlung seines Hauses. Laut Plan des Kunstministeriums soll er die bekommen, eine Option ist, die Kunsthalle im Museumsquartier zu übernehmen, Gerald Matts Ausstellungsraum soll wiederum im Künstlerhaus unterkommen. Doch der will ganz und gar nicht. Zu Recht. Genau diese Debatte ist auch vergangenes Jahr geführt worden.

1 Ist das Museum Moderner Kunst wirklich zu klein?

Ja. Das war es schon 2001, als das Mumok ins Quartier übersiedelte. Seither hat das Museum mit 4300 m Ausstellungsfläche um 40 Prozent weniger Platz als in den beiden früheren Standorten (Palais Liechtenstein, 20er Haus), heißt es im Mumok. Allein für die „raumfressenden Großskulpturen und Installationen“ (Köb) bräuchte das Museum 6000 m Fläche. Der Großteil der 8000 Werke lagert in Depots am MQ-Areal und an einem weiteren Standort in Wien. Absurd, findet Köb, dass ausgerechnet das Museum moderner Kunst, „das ja täglich wachsen sollte und den größten Platzbedarf hat, als einziges Bundesmuseum geschrumpft ist“. Würde das Mumok tatsächlich die Räume der Kunsthalle beziehen, hätte man rund 1700 m mehr. Reicht das? Natürlich nicht, sagt Köb. „Aber es wäre ein erster Schritt.“ Und nicht Köbs einzige Idee. Doch die anderen (wie eine Dependance in der St. Marx Rinderhalle, siehe Artikel unten) bleiben, was sie seit Jahren sind: unrealisierte Visionen.

2 Wo soll die Kunsthalle hin? Und ist das wirklich schlecht für das MQ?

Das Künstlerhaus, das als neuer Standort genannt wird, kommt für Kunsthalle-Direktor Gerald Matt derzeit nicht infrage. Weil er den Standort im MQ a.) nicht aufgeben will. Und man b.) die dort beheimatete „Gesellschaft bildender Künstler“ – eventuell samt Kino und Theater – auf Standortsuche schicken müsste.

„Ich kann doch nicht hergehen und über fremde Flächen verfügen.“ Und überhaupt: „Zuallerst“, sagt Matt, „müsste es einmal Gespräche zwischen Mumok und Kunsthalle geben.“ Und dann „müsste man uns schon sehr viel anbieten, dass wir überhaupt darüber nachdenken“. Ist ein Umzug doch denkbar? Immerhin hätte auch die Kunsthalle gern mehr Platz. Matt: „Genauso könnte ich mir vorstellen, dass das Mumok auszieht und wir die Flächen übernehmen.“ Aber das, sagt Matt, „würde ich erst mit Köb besprechen.“ Und nicht, wie Köb, mit einem „Luftschloss“ an die Medien gehen. Wobei ein MQ ohne Kunsthalle „zu einer weiteren Musealisierung“ des MQ führen würde. Findet Matt. MQ-Direktor Wolfgang Waldner sieht das ein wenig anders. „Es ist gut, dass im MQ zeitgenössische Kunst stattfindet. Ob das von der Kunsthalle oder dem Mumok ausgeht, sehe ich entspannt.“ Außerdem gebe es mit „über 60 Kultureinrichtungen im MQ“ wie dem Architekturzentrum und dem quartier21 („das der Matt immer verhindern will“) abseits der Kunsthalle viel zeitgenössische Kunst und Kultur im MQ. Die wiederum abseits vom MQ nicht alle so toll finden.

3 Und was passiert mit dem Künstlerhaus?

Der quasi basisdemokratische Verein hat zwar viele Mitglieder, aber wenige bekannte Künstler in den eigenen Reihe, Ausnahme der Regel: Hermann Nitsch. Das schwierige Management eines solchen Vereins bringt nicht zuletzt wirtschaftliche Probleme und wenig Publikum. Dennoch will die Gruppe nicht aufgeben und sich von einem neuen Hausherrn wie Gerald Matt in den Keller verräumen lassen.

4 Was sagt die Stadt Wien überhaupt dazu?

Die hält trotz laufender Gespräche offiziell wenig von der Mumok-Übernahme der Kunsthalle-Flächen. Diese sei „weder spruchreif noch konkret“, lässt der zuständige Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny über eine Sprecherin ausrichten. Überdies „ist die Kunsthalle eine wichtige Einrichtung, die im MQ bleiben soll“. Mailath-Pokornys Meinung ist dabei nicht ganz unerheblich: Die Entscheidung, ob und wie sich Flächen innerhalb des MQ von einem zum anderen Museum verschieben, treffen Bund und Stadt – als MQ-Eigentümer – gemeinsam.

5 Warum setzt sich die Kunstministerin nicht durch?

Claudia Schmied bleibt beim Übersiedlungsplan, der sei „gut und vernünftig“. Derzeit seien viele Emotionen im Spiel, man werde in Gesprächen an einer Lösung arbeiten, um das Ziel zu erreichen, so der Sprecher Schmieds vorsichtig.


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