Zu streng mit Peter Noever?
D arf man zu einem verdienten Museumsdirektor so garstig sein, wie viele es mit dem ehemaligen MAK-Direktor Peter Noever sind? Darf man einem Mann, der sich für zeitgenössische Kunst starkgemacht hat, die Karriere mit Strafanzeige und Rechnungshof-Bericht vermasseln?
Ein Geschäftsführer – also auch Museumsdirektor Peter Noever, der sich gern „C.E.O.“ genannt hat – ist ein Treuhänder der Macht: Er hat über die Weisungsbefugnis an Mitarbeiter und über das Budget viel, viel mehr Macht als eine Einzelperson. Um gestalten zu können, braucht er diese Macht sowie einen Freiraum. Die Macht hat er ausschließlich im Sinne des Unternehmens einzusetzen, und den Freiraum muss er mit Verantwortungsbewusstsein und Redlichkeit aufwiegen.
Im Falle des MAK müssen die Ressourcen der Kunst den Künstlern und den Museumsbesuchern zugute kommen. Jeder falsch verwendete Cent ist für die Kunst verloren. Jede unnötige Limousinenfahrt, jede überlange Dienstreise, jeder aus Museumsbudget finanzierte Muttergeburtstag hat Kunst oder deren Wahrnehmung verhindert.
Wird zu viel Geld vergeudet, ist dafür der Direktor vom Aufsichtsrat (diesfalls vom Kuratorium) zur Verantwortung zu ziehen. Doch für das MAK gilt noch mehr, nämlich öffentliches Interesse. Denn Kunst ist gesellschaftspolitisch wichtig, und das MAK ist ein subventioniertes Bundesmuseum, sodass jede Supermarktkassiererin dafür Steuer zahlen muss.
Die Causa Peter Noever ist auch deshalb brisant, weil zu fürchten ist, dass damit die Gefilde der Korruption erreicht werden könnten. Korruption bedeutet den Missbrauch von beruflicher Macht zugunsten von ungerechtfertigtem privaten Nutzen.
Sollte also Peter Noever als Direktor eines Museums der Republik Österreich und als jemand, der von dieser exponierten Stelle aus immer wieder viel Geld für die Kunst gefordert hat, tatsächlich in beträchtlichem Ausmaß Ressourcen des MAK missbraucht haben, können Empörung und Strenge nicht groß genug sein.















