Galerien
Palma de Ballorca
(cai) Welcher normale Mensch lässt schon eine Palme vom Plafond hängen?
Pravdoliub Ivanov muss also entweder ein Legastheniker sein oder ein
Künstler. Wieso ein Legastheniker? Na ja, wenn "Palme" dasteht, liest
der vielleicht "Lampe". Aber weil der Ivanov ein Bulgare ist und "Lampe"
ein deutsches Wort, ist er natürlich ein Künstler. Doch
warum rammt er die sperrige Pflanze auch noch durch einen
Basketballkorb? Das ist sicher ein Rätsel. Und die Lösung? Mallorca?
(Dort gibt’s ja diesen Basketballermann. Ach nein, ohne
Basket.) Jedenfalls wird nicht die Zerstörung der Palmenstrände beklagt.
Denn die werden höchstens wegen dem Beachvolleyball zu Sandwüsten. Ein
Basketballkorb frisst keine Ballmen, äh: Palmen. Oh, ich hab’s: Das ist postsozialistischer Surrealismus!
Nach L’art pour l’art schaut nämlich keins der überraschenden Objekte
aus, die Kurator René Block in die Galerie Krinzinger verfrachtet hat.
Vikenti Komitski (auch aus Bulgarien) reißt ein politisches Wörterbuch
aus der Ära des Kommunismus demonstrativ entzwei. Und das Gruppenfoto
vom Kurden Cengiz Tekin, wo verunsicherte Menschen in den Boden und in
Mauernhineinlauschen, zeigt wohl kein lustiges kurdisches
Gesellschaftsspiel. Gut, wenn Gabriela Vanga (Rumänien) einfach eine
Leiter zwischen zwei Spiegel klemmt, ist das nicht grad originell. Jö,
eine Endlosleiter! Und wir befinden uns genau in der Mitte der
Unendlichkeit! Die Heimatländer der Künstler (Rumänien, Bulgarien,
Türkei) verbindet mit Wien übrigens die Donau. Die Türkei kriegt ihr
Wasser halt nur mehr stark verdünnt ab. Gepantscht mit dem ganzen
Schwarzen Meer.
Galerie Krinzinger
Seilerstätte 16
curated by_rené bloc
Bis 18. Juni, Di. – Fr.: 12 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 15 Uhr
Seife oder Leben
(cai) Das grenzt ja bereits an Privatisierung der Geschichte (sofern die wirklich
verstaatlicht ist). Die Kroatin Sanja Ivekovic nimmt die offizielle
Vergangenheit zumindest sehr persönlich wahr. Auf einem Pressefoto (Tito
besucht Zagreb) hat sie die Insubordination von ein paar Bürgern bunt
hervorgehoben. Nein, sie hat keine Nägel von Stinkefingern lackiert,
sondern alle Fenster angemalt, aus denen unerlaubterweise
jemandspechtelt. Der graue Plattenbau ist jetzt quasi ein Mondrian. Und
im Kroatienkrieg hat sie, als Raketen im Anflug waren,
geistesgegenwärtig – eine Seifenoper im TV aufgenommen, wo sich alle,
nur vom eingeblendeten Warnhinweis gestört, ihren Minidramen
hingaben,während die realen Menschen in Lebensgefahr schwebten. Womit
bewiesen wäre: Das wahre Leben ist surrealer als die Kunst. Vom
Österreicher Hannes Zebedin: schlichte "Heldendenkmäler". Umrisse von
Partisanen. Tja, Skifahrer verewigen sich auf der Straße der Sieger in
Beton, Widerstandskämpfer werfen bloß einen Schatten. Und die Kosovarin
Flaka Haliti hat ein Musikvideo gefunden, das die Frage aufwirft: Darf
man gegen das Vergessen ansingen und mit dem Lied Profit machen? Eine
Ausstellung mehr fürs Hirn als fürs Aug.
Galerie Martin Janda
Eschenbachgasse 11
curated by_silvia eiblmayr
Bis 18. Juni, Di. – Fr.: 12 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 15 Uhr
Georgisches Bettenlager
(cai) Nicht einmal ein antikommunistisches Manifestchen – kann das echt
eine Ausstellung aus der "Curated by"-Reihe sein (wo man heuer gen
Osten blickt)?Nur spartanische "Betten" (Stahlgerüste plus Schaumstoff
plus Gips), die den Charme der Bescheidenheit versprühen. Und der
Verstand muss sich bei Thea Djordjadze aus Georgien so wenig
überanstrengen wie in der Matratzenabteilung vom Ikea. Erholsam. Halt!
Das Ganze heißt ja "Casualties"! Opfer! Und der blaue Streifen an den
Wänden rundum? Waten wir durch ein minimalistisches Hochwasser? Geht die
Welt unter?
Galerie Meyer Kainer
Eschenbachgasse 9
curated by_nicolaus schafhausen
Bis 18. Juni, Di. – Fr.: 12 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 15 Uhr
Printausgabe vom Mittwoch, 25. Mai 2011
Online seit: Dienstag, 24. Mai 2011 18:05:00