Wider die zlatkoisierte Welt

Ausstellungen geschlossen, Diskussion eröffnet.


"Museen ohne Zukunft. MAK ohne Kompromisse": Unter dieses Motto hat der Direktor des Museums für Angewandte Kunst (MAK) in Wien, Peter Noever, am Donnerstag sein jährliches Pressegespräch gestellt, das der Bilanz und Vorschau gewidmet ist und das traditionell auf den 1. Februar, dem Tag seines Amtsantritts vor 15 Jahren, gelegt wird.

Peter Noever / ©Bild: APA
Peter Noever / ©Bild: APA
Nach einem Jahr der Ausgliederung und der Selbstständigkeit als wissenschaftliche Anstalt, reagiert Noever auf jenen, wie er betonte, international feststellbaren Rechtfertigungsdruck, unter den nicht nur die Museen, sondern Kunst und Kultur an sich geraten sind, mit der vorübergehenden Schließung der Ausstellungshalle.

Diskurs im leeren Raum

Statt dessen sollen im Rahmen eines Symposions in den leeren Ausstellungshallen Künstler, Kritiker, Theoretiker, Philosophen über "Das diskursive Museum" als Ort der Reflexion, des Diskurses und der konstruktiven Auseinandersetzung diskutieren. Die Ausstellungshalle wird erst wieder am 30. Mai mit der Ausstellung "Dennis Hopper. A System of Moments" wiedereröffnet - ein bereits für das Vorjahr geplantes Projekt, das aus budgetären Gründen verschoben werden musste.

Lieber schließen, als "halbe" Ausstellungen zu machen und Kompromisse einzugehen, lautet Noevers Motto und die Verteidigung des Museums. "Das Museum als einziger Ort, wo kulturelle Kompetenz gedeihen kann, befindet sich weltweit in fortwährendem Belagerungszustand. Die Kapitulation des Geistes vor der Unterhaltungsindustrie droht Wirklichkeit zu werden".

Coop-Solidarität

"MAK o Muerte" (MAK oder Tod, Anm. d. Red.) betitelte Wolf D. Prix (Coop Himmelblau) seine Solidaritätsadresse: Museen von heute seien "keine Veranstaltungsbühnen für Quotenidioten". "Sie sind vielmehr unersetzliche Gebäude einer Kultur, die den Alptraum einer zlatkoisierten Welt nicht Realität werden lässt".

Die Ausgliederung selbst nannte Noever als den "einzig möglichen Weg, aus dem kameralistischen System auszubrechen". Sie sei jedoch "völlig undifferenziert erfolgt". Nicht zuletzt auch, was den budgetären Rahmen und die Deckelung des Budgets betrifft.

Kleineres Budget

112 Millionen Schilling wurden dem Museum für angewandte Kunst im Jahr 2000 zur Verfügung gestellt (einschließlich einer Basisabgeltung für den Start als wissenschaftliche Anstalt). In den nächsten Jahren bleibt dieses Budget mit 110 Millionen Schilling gedeckelt. Sieben Millionen konnten an Erlösen budgetiert werden, sonstige Erträge (Verpachtungen, Fundraising) betrugen 4,3 Millionen Schilling.

Dem stehen anfallende Mehrkosten für eine eigene neue Administration / Buchhaltung, Lohnverrechnung, Steuerberatung und für die nach dem Ausfall der Bundeshaftung notwendig gewordenen Versicherungen gegenüber. Um diese Mehrkosten tragen zu können ist in der Museumsordnung die "nachhaltige Erhöhung des Eigendeckungsbeitrages" als wirtschaftliche Zielvorgabe verankert. Um neue Ertragsfelder zu schaffen, fehlt es aber auch an Geld für Investitionen, wie die Verlegung und Neugestaltung des MAK-Shops.

Ankauf Null

Um 2000 überhaupt ein Ausstellungsbudget von 17 Millionen Schilling aufzubringen, mussten die Sammlungsankäufe zur Gänze gestrichen werden (abgesehen von bereits eingegangenen vertraglichen Verpflichtungen von 2,9 Mill. S). Neuerwerbungen werden auch gestrichen bleiben müssen.

Ein Sammlungsstopp sei auf die Dauer tödlich für das Museum, meinte der neu gewählte Sprecher der Kustodenkonferenz Johannes Wieninger: "Wir sind eine wissenschaftliche Anstalt und die Sammlungen tragen dazu bei, dass das Museum Zukunft hat". Zum Vergleich wurde eine Statistik vorgelegt, in der das Ausstellungsbudget von 1996 noch mit 27,2 Millionen Schilling und das Ankaufsbudget mit 10,9 Millionen Schilling ausgewiesen wird.

"Der Staat kann sich nicht aus der Verantwortung drücken", zumal es die immer wieder beschworenen Möglichkeiten für Fundraising und Sponsoring hier nicht gebe. "Dieses System ist hier nicht etablierbar. Wenn sich in den USA jeder verpflichtet fühlt, für Kunst etwas zu tun, so glaubt man in Österreich, es genügt ein Opernabonnement, um dieser Verpflichtung gerecht zu werden", meinte Noever.

Hopper-Schau

Das Ausstellungsprogramm des "vorübergehend geschlossenen" Hauses, das mit der neuen Struktur auch die Position einer Chefkuratorin - Daniela Zyman - eingeführt hat, ist dennoch ein vielfältiges: Neben der Dennis Hopper gewidmeten Ausstellung (30.5. - 7.10), wird in der Ausstellungshalle "Die Welt von Charles und Rey Eames" präsentiert (27.6.-30.9.). Diese dem amerikanischen Architekten- und Designerpaar gewidmete Schau wurde von der US-Kongressbibliothek gestaltet.

Franz West

Ab 14. November präsentiert das MAK eine große Retrospektive, die dem in Wien geborenen Architekten R. M. Schindler gewidmet ist. Sie wird auch in Los Angeles und New York gezeigt. Die Hopper-Retrospektive, die gemeinsam mit dem Stedeljik Museum in Amsterdam erarbeitet wird, geht auch nach Moskau. "Gnadenlos" ist eine Ausstellung betitelt, die zum Jahresende Franz West gewidmet ist.

MAK-Galerie

Raymond Pettibon, Yun Yang, Swetlana Heger & Palmen Dejanov sowie Liam Gillick werden Projekte für die MAK-Galerie gestalten. Indische Kalendermalerei und das grafische Werk von Josef Binder in den USA präsentiert der MAK-Kunstblättersaal. In den Studiensammlungen wird das Augenmerk auf eine Neuaufstellung der Glaskunst, auf Emailkunst oder auf Keramiken von Franz Josef Altenburg gelenkt. Christbaumschmuck des 20. Jahrhunderts wird zur nächsten Adventzeit im Geymüllerschlössl gezeigt.

"CAT", das Projekt der Adaptierung des Flak-Turms Arenbergpark in ein internationales Zentrum zeitgenössischer Kunst, das im Vorjahr in Ausstellungen in New York und Los Angeles vorgestellt wurde, wird heuer in Wien und anschließend in Moskau präsentiert.

Link:
Die Museumsdebatte bei ORF ON Kultur

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