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Österreichische Galerie - Atelier Augarten: Umgang mit Trauer

Antikes Thema, gekleidet in das Gewand zeitgenössischer Kunst

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

300 Jahre Wiener Zeitung!Die Ausstellung "Trauer" lief passend in der Zeit um Ostern an und wird bis 27. Juni im Atelier im Augarten zu sehen sein. Sie beginnt mit den Werken zweier früh verstorbener Künstler, Bas Jan Adler, der schon in den siebziger Jahren über den Film versuchte, Leid durch tonlose Trauergesten künstlerisch einzufangen, und Felix Gonzales-Torres, den Kubaner, der in New York 1996 an Aids verstorben ist. Letzterer hat mit einer hängenden Installation von 42 Glühbirnen in einem nestartigen Knäuel die feierliche Trauer um seinen Partner mit Reminiszenzen an die Festtagsinszenierungen an Geschäftslokalen in seiner Heimat verbunden. Interessant ist auch ein Foto aus Wiener Privatbesitz, in dem der Künstler das Grab Gertrude Steins und ihrer Gefährtin Alice B. Toklas als kleines Blumensemble eingefangen hat.
Die Darstellbarkeit des alten Themas ist auch gegenwärtig in der Auslotung zwischen Sprachlosigkeit und expressiver Geste verblieben, die Pathosformeln sind allerdings hinter den technischen Errungenschaften Neuer Medien teilweise verborgen und zeigen somit die Abwendung der Kunst vom Erhabenen; allerdings bleibt die Stimmung der Melancholie sehr wohl erhalten: Arte memoria ist auch in der Tradition unserer Zeit im weiteren Schaffen von Mahnmalen (wenn auch in veränderter Form) zu finden.
Tacita Dean geht mit einer Fotoserie nach Postkarten aus dem Ersten Weltkrieg über das Individuelle des Leidens hinaus; die Serie mit Katastrophen und Zerstörungen spielt auf den traurigen Ausgang im russischen Film (im Gegensatz zum positiven Ende im amerikanischen) an. William Kentridge aus Johannisburg zeigt in seinem Documenta-Beitrag einen eindrücklichen Versuch, Italo Svevos "Zeno Cosini" und Triest mit seiner Heimatstadt und den Problemen um die Apartheid zu verbinden; sein bevorzugtes Kunstmittel, die Kohlezeichnung, bringt durch ihre Erscheinung auch in den einzelnen Blättern wie "Il ritorno d'Ulisse in patria" (nach Monteverdis Oper) bereits eine dunkle Komponente mit sich; die zweite resultiert aus dem Abspielen des Films im dunklen kleinen Kinoraum, in dem BetrachterInnen auf ihre emotionalen und sinnlich-haptischen Seiten aufmerksam werden.
Zoran Naskovski aus Belgrad gelingt mit seinem Video und Zeitunsausschnitten zu "Death in Dallas" (mit zusammengeschnittenen TV-Beiträgen zum Mord an J. F. Kennedy 1963), eine Brücke zum jüngsten Präsidentenmord in seinem Land zu schlagen; dies passiert auch über den traditionellen serbischen Trauergesang als Begleitmusik.
Dazu sind die traurigen Kinderzeichnungen des Japaners Yoshitomo Nara und ein Video des Architektenteams Nicole Six & Paul Petritsch gereiht, in dem die zerstörende Wirkung der Trauer durch das Hacken von Eis um den Protagonisten (als sich selbst Isolierenden) vermittelt wird. Eine anspruchsvolle internationale Zusammenschau über mehrere Jahrzehnte, die durch eine Publikation mit Texten zum Thema von Freud, Barthes und Derrida (im Passagenverlag) begleitet wird. Nur der Bruch mit dem Ernst und die Ambivalenz von Verlust und Abschied wird zugunsten der dunklen Grundstimmung ausgelassen, auch wenn die Gegenwartskunst die andere Seite oft ironisch bespiegelt; aber es wäre wohl die Fortsetzung der an die intimen Räume angepassten Schau.

Erschienen am: 03.06.2003

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