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Schwarz auf Weiss: Florian Pumhösl

03.03.2011 | 18:13 | von Johanna Hofleitner (Die Presse - Schaufenster)

Im Mumok legt Florian Pumhösl eine Fährte durch die Abstraktion – und startet einen Dialog zwischen der Sammlung und eigenen neuen Werken.

Sechs, sieben, acht. Oder genau genommen: „6 7 8“. Ganz puristisch finden sich die drei Zahlen schwarz auf weiß auf der Einladungskarte von Florian Pumhösls aktueller Mumok-Personale. Gebaut aus Kreissegmenten, Geraden und Winkeln, die sich ihrerseits blockhaft zu Flächen organisieren, sticht ihre bauhäuslerische Anmutung sofort ins Auge. Eine Notiz auf der Rückseite verrät die Quelle des Schriftzugs: „Details aus einem Schriftentwurf von Joos Schmidt, ca. 1930. Sammlung Egidio Marzona, Berlin“ – ein Schriftentwurf des deutschen Typografen und Bauhaus-Lehrers, dem der aufmerksame Museumsbesucher auf Ebene 8, im Rahmen der Sonderschau „Abstrakter Raum“ wiederbegegnen wird, nachdem er vorher höchstwahrscheinlich auf den Ebenen 6 und 7 die eigentliche Pumhösl-Personale durchstreift hat.
Nicht, dass es der 40-Jährige, der spätestens seit seiner Teilnahme an der documenta 11 (2007) als einer der erfolgreichsten Künstler seiner Generation gilt, auf Zahlenrätsel abgesehen hätte. Doch im Fall seines Mumok-Auftritts ist die Zahlenfolge nicht bloß Wegweiser, sondern ebenso Schlüssel zum Verständnis seiner Arbeit. Denn Pumhösl, der sich mit einem bewusst minimalistisch gehaltenen Ausstellungskonzept aus exakt drei neuen Arbeiten bewusst dem Konzept der Mid-Career entgegenstellt, positioniert sich mit seinen Beitrag dezidiert auch in Bezug zur parallel gezeigten Sammlungspräsentation „Abstrakter Raum. Formationen der klassischen Moderne“.

Immer abstrakt. Zusammen mit Matthias Mi-chalka, dem hauseigenen Kurator, zeichnet er als künstlerischer Gastkurator für die Zusammenstellung der Schau verantwortlich. „Eigentlich ist der Beitrag Teil des Gesamtprojekts ,Neuhängung der klassischen Moderne‘ des Mumok“, sagt er. „Wir haben aber versucht, neue Themen anzureißen und die hauseigenen Bestände, von denen historisch bedingt (die Sammlung ist vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden) oft nur ein Stück vorhanden ist, mit Leihgaben aus Museums-, aber auch Privatsammlungen in den Nachbarländern Slowakei, Tschechien, Ungarn oder Deutschland zu ergänzen – durchaus auch übergreifend, interdisziplinär, über den Tellerrand der Kunst hinausblickend. Dass dabei Werke im Vordergrund stehen, die in Verhältnis zur Abstraktion stehen, trifft sich perfekt mit meinem Interesse an der Abstraktion, die ja mein künstlerischer Arbeitsschwerpunkt ist.“ Die Künstlerkuratorenschaft im Mumok korrespondiert unter diesem Aspekt perfekt mit seiner komplexen Arbeitsweise. Immer wieder hatte Florian Pumhösl auch in früheren Projekten Werke anderer Künstler miteinbezogen, die in direktem Zusammenhang mit der jeweiligen Fragestellung der Ausstellung standen – so integrierte er etwa in eine seiner ersten großen One-Man-Shows, „Humanistische und ökologische Republik“ 2000 in der Secession, neben afrikanischen Moderne-Zitaten auch eine Plastik von Henry Moore, um Fragen gesellschaftlicher Utopien zu umkreisen. In seinem documenta-Beitrag „Modernologie“ wiederum, dessen raumgreifende Inszenierung das „Triangular Atelier“ (1926) des japanischen Künstlers und Gestalters Murayama Tomoyoshi sowie die schwarzen Wände der „Sturm“-Ausstellung in Tokio 1914 zitierte, befanden sich einige historische Leihgaben. Darunter eine japanische Kriegspropaganda-Zeitschrift aus den 1940er-Jahren, „die den faschistischen Missbrauch moderner Bildsprachen belegt“ sowie „work 6, 7, and 8“ der Künstlerin Atsuko Tanaka von 1956, was, so Pumhösl, „den Bogen zur Wiederaufnahme avantgardistischer Strategien in der Mitte der 50er-Jahre schlägt“.
Durch die Möglichkeit, die Sammlungsausstellung mitzukuratieren, konnte Pumhösl nun aus dem Vollen der Moderne schöpfen. Warum immer wieder diese Referenzen? Warum gerade die Moderne? „Das ist mein Arbeitsschwerpunkt – ein zeitgenössisches Verhältnis zur Moderne zu untersuchen“, sagt er. „Wie kann man als postkonzeptualistischer Künstler darüber arbeiten? In dem Sinn geht es in meiner Arbeit immer um Fragen der Abstraktion.“

Nie abstrakt. Das spiegelt sich auch in den neuen Installationen – etwa „Diminution“, einem Zyklus von 48 Glasbildern, in dem es in Anlehnung an die Kompositionslehre um die Wiederholung und Verkleinerung eines Motivs am Beispiel schwarzer Linien und Kurven geht. Ebenso in der auf einer Gouache Alexander Rodtschenkos basierenden Filminstallation „Expressiver Rhythmus“ und im Animationsfilm „Tracts“, der die abstrakte Rhythmik barocker Tanznotation zitiert. „Mich interessiert dabei: Was passiert mit einer Arbeit, wenn man sie in einen anderen Zusammenhang stellt? Wie entwickelt sich etwas? Interessant zu sehen ist dabei: Was nicht in der Arbeit steckt, gibt es nicht.“ Wichtig ist ihm dabei stets eines: „Ich will keine abstrakten Bilder machen, sondern Bilder über Abstraktion. Das finde ich als Möglichkeit spannend, nicht als historische Form. Dabei interessiert mich vor allem die Frage: Wie viel Geschichte kann man auf einen Tisch legen, bis dieser zusammenbricht?“


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