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24.07.2003 - Ausstellung
Kunstraum
GALERIE 422 GMUNDEN: COOL/KLASSISCH - GALERIE WINTER: TREND BIEDERMEIER


In einem feinen spannungsvollen Verhältnis zwischen Malerei und neuen Medien werden die Bildwelten von Herbert Brandl und Rudi Molacek am Ufer des Traunsees gegenübergestellt: Cool, sinnlich, klassisch, jedoch stets das Tafelbild im Fokus. Rudi Molacek nimmt eine diskursive Position in der Malerei ein. Wenn auch Naturgemälde, wie etwa Blumenstilleben, sein Werk prägen, ist stets die Reflexion über die Malerei das zentrale Thema, wobei neue Medien den Platz von Pinsel, Ölfarbe und Leinwand einnehmen können. Klassisch betriebene Malerei, wie auch von Herbert Brandl, ist taktil, sinnlich und die Materie ist stets präsent. Das sind wesentliche Züge des Mediums, die den Illusionismus, die Abbildung von Wirklichkeit nicht unbedingt mit einbeziehen müssen. Molaceks aktuelle digitale Prints sind ohne taktile Stofflichkeit; wie auch in der Fotografie bestimmt die fiktive Ausdehnung und das Nicht-Wahrnehmen-Können der Oberfläche die Bildstruktur. Digitale Daten imitieren wuchtige Pinselhiebe und Farbschlieren, die sich in einer fulminanten Tiefenstaffelung aufbauen. Ihr irisierendes Schimmern erinnert an die flirrende Wasseroberfläche eines Sees, womöglich am Fuße des Berges. Herbert Brandls Berg-Malerei ist stets ein Vexierbild zwischen der Fulminanz koloristischer Farbräume und der Illusion eines romantisch aufgeladenen Naturereignisses. Seit einiger Zeit setzt der Maler den Berg ins Zentrum seiner Bildikonografie: die Herausforderung ist es, den Berg als emotional, historisch und symbolisch stark besetztes Motiv aufzugreifen und in freie Malerei zu transformieren - gleichsam den alleinigen Malvorgang aufs neue auf sich zu nehmen und den "Koloss" Malerei mit all seiner Geschichte und seinen Errungenschaften schlussendlich zu bezwingen, oder zumindest an ihm teilhaben zu können. Hinzu kommt der stetige Konflikt zwischen der Malerei per se und der Realisierung des Sujets. Oft zerschlägt der Künstler den Gegenstand: mit breiten Pinseln streift er über die Leinwand, lässt ihre groben Fährten bewusst offen stehen, abstrahiert das vorgegebene Motiv, um die Materie und deren virtuose koloristisch malerische Oberflächentextur zur Geltung kommen zu lassen. (Gmunden, An der Traunbrücke 9; bis 3. August)

GALERIE WINTER: TREND BIEDERMEIER

In einer medial vielfältigen Auswahl - Video, Malerei, Zeichnung und Fotografie - wird dem Phänomen des Biedermeiers auf den Grund gegangen - "Biedermeier, oder was?" Dabei ergeben sich durchwegs dichte Positionen, die auch, wie der Titel andeutet, in eine leicht ironische Richtung tendieren können. Dies ist vor allem in den feinen Kugelschreiberzeichnungen von Stoyan Dobrev zu erkennen, wenn er ähnlich einer Wandteppichstruktur idyllische Panoramalandschaften darstellt. Mit dem "Adlerauge" begibt sich der Betrachter auf die Spur und entdeckt allerlei Szenerien: Wildschweine, Adlerhorste. Chantal Michel fotografiert "alte Schinken" aus dem 19. Jahrhundert, die in einem deutschen Auktionshaus zur Versteigerung gelangen. Die junge, in Wien lebende Französin Beatrice Dreux stellt einem "biederen" Blumenstilleben einen locker gemalten Frauenakt entgegen. Konservativ versus Sinnlichkeit. Annelies Strba zeigt Fotografien romantischer Blumenfelder, die eine durchaus sensible, malerische Note gewinnen. (VII., Breite Gasse 17; bis 1. August) Florian Steininger



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