Mehr als nur Luft

Auf die schwierige Frage "Was ist Kunst?" meint Gerwald Rockenschaub nur lakonisch: "Definitley something."
Von Sabine Oppolzer.


Ein voluminöser, durchsichtiger PVC-Würfel dominiert den Hauptraum der BAWAG-Foundation. Das ist der neueste Typus der aufblasbaren Arbeiten von Gerwald Rockenschaub.

Aufblasbares Objekt, 2000 (Zum Vergrößern anklicken)
Aufblasbares Objekt, 2000 (Zum Vergrößern anklicken)

Mit einer Kubatur von 4 mal 4 Metern reicht er vom Boden bis zur Decke und zeigt dem Betrachter durch einen Raster von Schnüren die perspektivische Verjüngung nach hinten. Es ist eine der ersten Installationen, mit denen Gerwald Rockenschaub das Konstruktionsprinzip seiner Arbeit zeigt.

"Wenn ich diesen Raster, diese Schnüre und Noppen nicht hätte, würde das Ganze eine Kugel werden", erklärt Rockenschaub seine Arbeit. "Die Konstruktion wird dadurch erst möglich und ich wollte das einfach mal zeigen."

Genauer Grenzüberschreiter

Rockenschaubs oberstes Gebot heißt Präzision. In seinen Arbeiten gibt es keine überflüssigen Zentimeter oder rhetorisches Beiwerk. Er liefert Modelle, ob diese nun wie Malerei oder Skulptur aussehen, ob es Rauminstallationen oder Soundtracks sind.

Gerwald Rockenschaub
Gerwald Rockenschaub

Bereits Ende der 80er Jahre hatte der Konzeptionist Gerwald Rockenschaub durch eine Gegenüberstellung von Musik und Bildender Kunst das traditionelle Künstlerbild revolutioniert, indem er im Rahmen seiner Ausstellungen obsessives DJing betrieb. Später sollte das unter dem Label Crossover bekannt werden.

Spaß muss sein

Heute hat er davon wieder Abstand genommen, widmet sich - abgesehen von einigen Audioproduktionen - ganz der Bildenden Kunst. "So etwas macht man ein oder zwei Mal und dann ist es bekannt. Dann ist es aber auch nicht mehr lustig, weil die Grenzüberschreitung ist bereits erfolgt", kommentiert Rockenschaub seine Ausflüge ins DJ-Geschäft. "Ich ziehe mich also wieder zurück und versuche, die Grenzen anderwärtig auszuloten".

Folienbild / ©Bild: Gerwald Rockenschaub
Folienbild / ©Bild: Gerwald Rockenschaub

Scherenschnitte

Rockenschaubs erneutes Interesse am Bild zeigt sich an einer Serie computergenerierter Wandobjekte, die in einem anderen Raum zu sehen sind. Sie stellen in Anlehnung an den Ausstellungstitel "Variatios on Classic" Landschaftsbilder dar und bestehen aus selbstklebenden Farbfolien, die händisch aufgeklebt wurden.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Für Gerwald Rockenschaub sind diese Bilder "eine Mischung aus digital und analog". Er gibt damit auch einen Hinweis auf die technologische Basis zeitgenössischer Kunst.

Link: BAWAG Foundation

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