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13.11.2003 - Kultur&Medien / Ausstellung
Kunstraum

HILGER CONTEMPORARY: RUINEN

Von den Sowjets zerschossene Paläste, zerstörte Straßen, Wüstenei: Motive wie diese hält Brian McKee in seinem Großformat-Zyklus "Detritus" in der neuen Hilger-Galerie "Contemporary" fest. Mehrere Wochen reiste er dafür durchs Nachkriegs-Afghanistan. Eine schwere Plattenkamera ermöglichte ihm, die Aufnahmen wie Gemälde zu komponieren. Menschen bildet der junge Amerikaner fast nie ab, umso präziser aber ist jede Einzelheit ins Bild gesetzt. In ihrer pastelligen Farbigkeit, mit ihren flirrenden Lichtsituationen wirken diese Fotografien fast rokokohaft. Zugleich erinnern die Sujets an antike Monumente. Einzig die Spuren der Geschichte - die "Detritus" untrüglich eingeschrieben sind - weisen sie als beklemmende Dokumente der jüngsten Vergangenheit aus (I., Dorotheergasse 5; bis 19. Dezember).

KNOLL GALERIE: PARADOXE

Die Künstlervita als Soap-Opera? Kai Kaljo aus Estland probierte das Konzept aus - und landete mit dem Video "A loser" einen Riesenerfolg. "Ich heiße Kai Kaljo, bin Künstlerin." - "Ich wiege 92 Kilo." Jeder Satz der zierlichen Frau wird durch Tonbandgelächter unterbrochen. Die Verkehrung scheinbar gesicherter Annahmen ist das Prinzip, das Kaljos Videos und Fotos zugrunde liegt. Da scheint etwa eine Schwimmerin durch Hochjagen der Bandgeschwindigkeit in einen wilden Strudel zu geraten. Auf den Kopf gestellt scheint die Gesellschaft, als eine von einem Bischof geführte Gruppe zu Janis-Joplin-Rhythmen durch die Straßen tanzt. "AD" heißt das Video: Anno domini? Oder doch "Advertising"? Weniger kraftvoll sind dagegen Kai Kaljos Digitalprints, bei denen es sich teils um Standbilder, teils um beiläufige Aufnahmen handelt (VI., Gumpendorfer Straße 18; bis 29. November).

GALERIE HIMMELPFORTE: TRAUM

In Mythen und Märchen verborgenes Kulturgut ist Ausgangsbasis für die Figurenwelt des Nicolas Dings. Da steckt ein Hase im Brautkleid, ein schwarzes Figürchen ist in eine Amphore gepresst, ein anderes schwingt schaukelnd durch den Raum, zwei Lügner mit Pinocchio-Nasen starren einander aus einem Sockel wachsend an, Tiroler "Manda" posieren in weißen Anzügen vor Leiter und Stühlchen. Als Material verwendet der Holländer Ready-Mades - Kannen, Nägel, Glocken - und klassische Werkstoffe: Lehm, Bronze, Porzellan, getriebenes Blech. Nicolas Dings Stärke ist die Erzeugung einer höchst eigenen, schwebenden Poesie. Fallweise greift der Künstler allerdings auch zu tief in die Klamottenkiste - zum Beispiel mit einem über und über mit Schellen benähten Seidenhemd (I., Himmelpfortgasse 17; bis 15. November). Johanna Hofleitner

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