ERNST P. STROBL Wien (SN). Hans Haider, der scheidende Verbund-Generaldirektor, ist überzeugt, dass die Künstler Kunst machten, um sie auszustellen. Und deshalb sollten die Sammler ihre Schätze nicht im Depot einbunkern. Nach dieser Devise hat der Energiekonzern Verbund nun erstmals seine Kunstsammlung öffentlich zugänglich gemacht. Im Museum für angewandte Kunst (MAK) hat Direktor Peter Noever seine Vorbehalte aufgegeben, eine "Corporate Collection" eines Unternehmens zu präsentieren.
Die Vorsicht Noevers war wohl auch darin begründet, dass es die Sammlung des Verbundes erst seit 2004 gibt. Allerdings stellt das Unternehmen jährlich eine Million Euro zur Verfügung, da können die drei Verantwortlichen - Gabriele Schor als Sammlungsleiterin, Sean Rainbird, der Direktor der Staatsgalerie Stuttgart, und Philipp Kaiser, Kurator des Museums der Gegenwartskunst Basel - auf hohem Niveau auf Einkaufstour gehen. Das Motto der Ausstellung "Held Together With Water" stammt von Lawrence Weiner, der Konzeptkünstler hat den Schriftzug in den Boden des MAK-Eingangsbereiches eingelassen. "Zusammengehalten durch Wasser" passt nicht schlecht für einen Konzern, der Wasserkraftwerke baut.
Die Sammlungstätigkeit ist international orientiert und nach Möglichkeit nicht auf einzelne Gustostücke, sondern auf ganze Werkgruppen ausgerichtet. "Tiefe statt Breite" lautet deshalb auch das Sammlungsmotto. So geriet etwa das Frühwerk der New Yorker Fotokünstlerin Cindy Sherman in den Besitz des Stromkonzerns, die in Schwarz-Weiß-Fotos aus den 70er Jahren ihre Verwandlungskünste festhielt. (Selbst-)Darstellungsmedium und Medienkritik in einem. Ohne das ikonenhaft verbreitete Bild "Aktionshose : Genitalpanik" von Valie Export kommt keine Ausstellung aus, auch der Verbund besitzt es. Eine dritte Feministin, die auffällt, ist Birgit Jürgenssen, der das MAK bereits eine Einzelausstellung gewidmet hat. Unter den Frauen der Abteilung "Performanz" fällt natürlich der junge Salzburger Künstler Markus Schinwald auf. Er stellte eine lebensgroße Männer-"Marionette" hin, deren Motor leider stillsteht.
Bewegte Bilder gibt es zur Genüge, in zahlreichen Videokojen sind DVDs zu sehen, darunter erstmals in Europa Francis Alÿs neunteilige Videoinstallation "Choques", auf der der Künstler über seinen Hund stolpert. Auf Striche konzentriert sich Fred Sandback, man muss sich konzentrieren, um nicht darüber zu stolpern. Insgesamt sind 35 künstlerische Positionen zu betrachten, nicht alles ist spannend, das Niveau ist aber ausgezeichnet.







