| Gesellschaftskritik via Zeichenstift | |
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Ein Porträt des Avantgarde-Künstlers Raymond Pettibon
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Raymond Pettibons Zeichnungen erinnern
unwillkürlich an Comics. Zugleich scheint es, als würde er dieses Genre
befragen, parodieren oder gar auf zynische Weise kommentieren. Denn
Pettibons Kunst ist Gesellschaftskritik mit dem Zeichenstift.
Wenn eine Frau ein Baby in den Armen hält, dann hat dieses
Teufelshörner. Wenn ein Vater an seine Tochter denkt, dann sind mitunter
sexuelle Vorstellungen im Spiel. In einer anderen Szene zeigt sich eine Frau glücklich darüber, dass
sich ihr Geliebter erschossen hat, und in manchen seiner Zeichnungen
wiederum stellt Pettibon Polizeigewalt gegen Jugendliche dar oder
porträtiert mit wenigen Strichen Punks und Rockmusiker. Beginn mit Booklets Aus dieser Welt kommt Raymond Pettibon, der eigentlich Raymond Gin
heißt. 1977 jedoch, nach Abschluss des Wirtschaftsstudiums an der
University of California in Los Angeles, wo er Karikaturist bei einer
Universitätszeitung war, begann er den Künstlernamen Pettibon anzunehmen
und gab seine Zeichnungen in selbst gemachten Booklets heraus.
Weg von der Universität trieb es Pettibon in die von England mit
beeinflusste Punk-Subkultur. Sein Bruder war Musiker bei der für die 80er
Jahre bedeutenden Gruppe Black Flag. Kunst der Skepsis Parallel zur Westcoast-Variation von Punk-Rock drückte Raymond Pettibon
in seinen Zeichnungen seine Verachtung gegenüber dem naiven Optimismus
regressiver Hippiekultur aus. Er distanzierte sich aber auch bald vom
anarchistischen Dogmatismus der Punks. Aus der Sicht des Skeptikers
hinterfragt er bis in die Gegenwart hinein eingefahrene Lebensentwürfe,
wie den Kleingeist des Handelns zwischen den Menschen.
Während Pettibon in seiner Frühphase Hippies als Gangster und Killer
darstellt, um die brutale gesellschaftliche Realität hinter
verlorengegangenen Hoffungen offen zu legen, zieht er später dann eine
Verbindungslinie zum Film Noir der 50er Jahre. In den 80er Jahren gestaltete Raymond Pettibon das Cover der LP "Goo"
der Pop-Gruppe Sonic
Youth. Das erhöhte Pettibons Bedeutung im Feld der
Independent-Gitarren-Musik. MAK-Schau In der Ausstellung in der Galerie des MAK nehmen Pettibons frühe
Arbeiten, die er als Fanzine-ähnliche Hefte in einer Auflage von jeweils
rund 100 Stück herausgegeben hat, eine zentrale Bedeutung ein. Diese
Hefte, die man als Kommentar zur Jugendkultur nach der Hippie-Ära lesen
kann, waren früher im Vertriebsprogramm des legendären SST-Platten-Lables
enthalten. Jetzt sind unzählige Zeichnungen daraus im Buchformat
erschienen. Tipps: Raymond Pettibon, "The Books - Aus dem Archiv der Hefte", Hrsg. von
Roberto Ohrt, Verlag Walter König, Köln. ATS 710,- / Euro 50,10. ISBN
3883753599.
Die Ausstellung in der MAK Galerie ist bis
2.3.2001 zu sehen. Für einen zweiten Teil (7.3. - 6.5.2001) schafft
Pettibon eine originale Wandzeichnung ebenfalls in der MAK-Galerie. | ||||||||||