| Schwerpunkt Gameculture | |
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Ein Interview mit Bruno Beusch, einem der beiden Kuratoren der
electrolobby. |
Nach teilweise heftiger Kritik über den
"Life Science"-Schwerpunkt der vergangenen beiden Jahre, wendet sich das
Festival vordergründig wieder mehr den künstlerischen Aspekten des
elektronischen Zeitalters zu. Ob man den Lifestyle der Cybergeneration
neben der biomedizinischen Forschung Hollywoodfilmen und Firmenhomepages
künftig auch als Kunst bezeichnen muss wurde im Vorfeld der Ars
Electronica bereits heftig diskutiert.
Kumulationspunkt einer von den Veranstaltern postulierten neuen
Künstlergeneration, ist die electrolobby im Linzer Brucknerhaus. Das heuer
zum zweiten Mal veranstaltete Projekt versteht sich als Schnittstelle für
Netzkunst, Cyberculture und webinspiriertem Lifestyle. Das Pariser
New-Media-Label TNC Network
rund um Tina Cassini und Bruno Beusch versucht aktuelle Kreativitäts- und
Innovationsschübe rund um das Internet bereits im Frühstadium aufzuspüren
und publikumswirksam zu präsentieren. Geboten wird ein Mix aus
Dayclubbing, Medienkonferenz und vernetztem Showroom, mit dem Schwerpunkt
Gameculture. ON Kultur: Seit 1996 thematisiert die Ars Electonica
Netzwerkkunst. Bis ins Jahr 2000 hieß das Projekt "Open X", seither
"electrolobby", wo liegen die Unterschiede? Beusch: Die electrolobby repräsentiert eine neue Generation von
Leuten, die wir mit "Next Generation Creatives" umschreiben. Das sind
Menschen, die sich selbst gar nicht mehr als Künstler bezeichnen und aus
ganz verschiedenen Backgrounds kommen. In den Letzten Jahren hat sich im
Bereich der digitalen Kultur und des digitalen Lifestyles ein weiter
Bereich aufgetan. Die electrolobby ist ein Showroom für den digitalen
Lifestyle. Sie ist die Schnittstelle zwischen Clubkultur, Netzkultur und
Gamekultur in der zur Zeit viele spannende Dinge entstehen. Die Leute, die
hier sind, haben New-Media-Agenturen aufgebaut oder entwerfen Spiele. Es
sind aber auch Wissenschaftler und Anwälte die hier den Diskurs führen
werden. Die kommen alle aus verschiedenen Backrounds, aber gemeinsam
repräsentieren sie die sogenannte "Internet Driven Digital Culture". ON Kultur: Repräsentiert die electrolobby die Kunst des 21.
Jahrhunderts? Beusch: Wir wollen hier ganz sicher nicht die Kunst von morgen
zeigen. Wir bauen hier ein Mikroklima wo man sehen kann was es zwischen
Internet-, Game- und Clubkultur interessantes gibt. Wir wollen zeigen,
dass es hier andere Herangehensweisen, Visionen und Sichtweisen gibt. Zu
behaupten, dass das Kunst ist, ist nicht unser Ziel, das soll jeder für
sich selbst entscheiden. Die Leute die hier arbeiten interessiert die
Frage auch überhaupt nicht. Die ziehen hier ihre Sachen durch und wollen
sich gar nicht mehr auf die seit 200 Jahren bestehende Diskussion
einlassen, ob etwas Kunst ist oder nicht. Übrigens ist das eine typisch
österreichische Diskussion, die es so in Frankreich zum Beispiel nicht
gibt. ON Kultur: Das klingt sehr elitär. Mutiert das Festival hier
nicht zu einer Insiderveranstaltung? Beusch: Im Gegenteil. Der Schwerpunkt der electrolobby sind
heuer Games. Einerseits, weil diese ökonomisch zunehmend relevanter
werden. Die Gameindustrie wird Hollywood umsatzmäßig bald überholt haben.
Andererseits befassen sich immer größere Teile der Bevölkerung mit Games.
Die Games haben auch etwas geschafft, dass die Medienkunst in den letzten
30 Jahren nicht geschafft hat. Die ist zu kopflastig und dringt nicht bis
zum Publikum durch. Die Gamekultur ist eine Kultur die aus dem Internet
entstanden ist und das Internet ist längst in den Alltag eingegangen. Hier
wird die gängige Alltagskultur einfach noch einmal inszeniert. Der Raum
ist auch so konzipiert das man mit den Besuchern rasch ins Gespräch kommt.
Elitär ist das hier jedenfalls nicht. Andere Formen der Hochkultur sind
bedeutend schwerer zugänglich.
ON Kultur: Die electrolobby versteht sich als Seismograf für die
Webkultur von morgen. Nach welchen Kriterien wählen sie die ihre Projekte
aus? Beusch: Wir schauen uns permanent im Internet um was läuft.
Zudem haben wir ein großes Netzwerk an Leuten aufgebaut die uns persönlich
informieren was sie, oder Freunde gerade machen. Wir kommen also auf eine
sehr ungefilterte Art an unsere Informationen heran. Zum Beispiel das
Projekt Everything,
eine Enzyklopädie der digitalen Kultur. Das Projekt gibt es jetzt seit 2
Jahren und da arbeiten zur Zeit mehr als 30.000 Leute daran. Oder die
Engländer Kerb, die haben
sich darauf spezialisiert, wie man Flash-Animationen, also ein typisches
Web Produkt ins Fernsehen bringt. Die verbinden die Webkultur mit der
Broadcast-Kultur. Diese Dinge wurden noch nie auf einem Festival gezeigt.
Wir bringen hier Leute die sich im Netz bekannt gemacht haben und es als
Self-Promotion-Plattform nutzen. Schönstes Beispiel ist K10k. Hier posten Leute täglich ihre Links
und es permanent Hinweise auf die neuersten Dinge. So etwas treibt
natürlich auch die Standards nach oben. | ||||||