Schwerpunkt Gameculture

Ein Interview mit Bruno Beusch, einem der beiden Kuratoren der electrolobby.
Von Andreas Wolf.


Nach teilweise heftiger Kritik über den "Life Science"-Schwerpunkt der vergangenen beiden Jahre, wendet sich das Festival vordergründig wieder mehr den künstlerischen Aspekten des elektronischen Zeitalters zu. Ob man den Lifestyle der Cybergeneration neben der biomedizinischen Forschung Hollywoodfilmen und Firmenhomepages künftig auch als Kunst bezeichnen muss wurde im Vorfeld der Ars Electronica bereits heftig diskutiert.


Kumulationspunkt einer von den Veranstaltern postulierten neuen Künstlergeneration, ist die electrolobby im Linzer Brucknerhaus. Das heuer zum zweiten Mal veranstaltete Projekt versteht sich als Schnittstelle für Netzkunst, Cyberculture und webinspiriertem Lifestyle. Das Pariser New-Media-Label TNC Network rund um Tina Cassini und Bruno Beusch versucht aktuelle Kreativitäts- und Innovationsschübe rund um das Internet bereits im Frühstadium aufzuspüren und publikumswirksam zu präsentieren. Geboten wird ein Mix aus Dayclubbing, Medienkonferenz und vernetztem Showroom, mit dem Schwerpunkt Gameculture.

ON Kultur: Seit 1996 thematisiert die Ars Electonica Netzwerkkunst. Bis ins Jahr 2000 hieß das Projekt "Open X", seither "electrolobby", wo liegen die Unterschiede?

Beusch: Die electrolobby repräsentiert eine neue Generation von Leuten, die wir mit "Next Generation Creatives" umschreiben. Das sind Menschen, die sich selbst gar nicht mehr als Künstler bezeichnen und aus ganz verschiedenen Backgrounds kommen. In den Letzten Jahren hat sich im Bereich der digitalen Kultur und des digitalen Lifestyles ein weiter Bereich aufgetan. Die electrolobby ist ein Showroom für den digitalen Lifestyle. Sie ist die Schnittstelle zwischen Clubkultur, Netzkultur und Gamekultur in der zur Zeit viele spannende Dinge entstehen. Die Leute, die hier sind, haben New-Media-Agenturen aufgebaut oder entwerfen Spiele. Es sind aber auch Wissenschaftler und Anwälte die hier den Diskurs führen werden. Die kommen alle aus verschiedenen Backrounds, aber gemeinsam repräsentieren sie die sogenannte "Internet Driven Digital Culture".

ON Kultur: Repräsentiert die electrolobby die Kunst des 21. Jahrhunderts?

Beusch: Wir wollen hier ganz sicher nicht die Kunst von morgen zeigen. Wir bauen hier ein Mikroklima wo man sehen kann was es zwischen Internet-, Game- und Clubkultur interessantes gibt. Wir wollen zeigen, dass es hier andere Herangehensweisen, Visionen und Sichtweisen gibt. Zu behaupten, dass das Kunst ist, ist nicht unser Ziel, das soll jeder für sich selbst entscheiden. Die Leute die hier arbeiten interessiert die Frage auch überhaupt nicht. Die ziehen hier ihre Sachen durch und wollen sich gar nicht mehr auf die seit 200 Jahren bestehende Diskussion einlassen, ob etwas Kunst ist oder nicht. Übrigens ist das eine typisch österreichische Diskussion, die es so in Frankreich zum Beispiel nicht gibt.

ON Kultur: Das klingt sehr elitär. Mutiert das Festival hier nicht zu einer Insiderveranstaltung?

Beusch: Im Gegenteil. Der Schwerpunkt der electrolobby sind heuer Games. Einerseits, weil diese ökonomisch zunehmend relevanter werden. Die Gameindustrie wird Hollywood umsatzmäßig bald überholt haben. Andererseits befassen sich immer größere Teile der Bevölkerung mit Games. Die Games haben auch etwas geschafft, dass die Medienkunst in den letzten 30 Jahren nicht geschafft hat. Die ist zu kopflastig und dringt nicht bis zum Publikum durch. Die Gamekultur ist eine Kultur die aus dem Internet entstanden ist und das Internet ist längst in den Alltag eingegangen. Hier wird die gängige Alltagskultur einfach noch einmal inszeniert. Der Raum ist auch so konzipiert das man mit den Besuchern rasch ins Gespräch kommt. Elitär ist das hier jedenfalls nicht. Andere Formen der Hochkultur sind bedeutend schwerer zugänglich.


ON Kultur: Die electrolobby versteht sich als Seismograf für die Webkultur von morgen. Nach welchen Kriterien wählen sie die ihre Projekte aus?

Beusch: Wir schauen uns permanent im Internet um was läuft. Zudem haben wir ein großes Netzwerk an Leuten aufgebaut die uns persönlich informieren was sie, oder Freunde gerade machen. Wir kommen also auf eine sehr ungefilterte Art an unsere Informationen heran. Zum Beispiel das Projekt Everything, eine Enzyklopädie der digitalen Kultur. Das Projekt gibt es jetzt seit 2 Jahren und da arbeiten zur Zeit mehr als 30.000 Leute daran. Oder die Engländer Kerb, die haben sich darauf spezialisiert, wie man Flash-Animationen, also ein typisches Web Produkt ins Fernsehen bringt. Die verbinden die Webkultur mit der Broadcast-Kultur. Diese Dinge wurden noch nie auf einem Festival gezeigt. Wir bringen hier Leute die sich im Netz bekannt gemacht haben und es als Self-Promotion-Plattform nutzen. Schönstes Beispiel ist K10k. Hier posten Leute täglich ihre Links und es permanent Hinweise auf die neuersten Dinge. So etwas treibt natürlich auch die Standards nach oben.

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